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Drama um Abschiebung150 Menschen demonstrieren vorm Leverkusener Rathaus

Während die Mutter der von der Abschiebung bedrohten Familie Rouf einen Termin im Amt hat, demonstrieren Unterstützer auf dem Rathausvorplatz.

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Rathausvorplatz Wiesdorf: eine Solidaritätsdemo für die von Abschiebung bedrohte Familie Rouf aus Opladen. Mutter Chamsul (mit hellem Kopftuch, Mitte rechts) kommt gerade von einem Termin bei der Behörde.

Rathausvorplatz Wiesdorf: eine Solidaritätsdemo für die von Abschiebung bedrohte Familie Rouf aus Opladen. Mutter Chamsul (mit hellem Kopftuch, Mitte rechts) kommt gerade von einem Termin bei der Behörde.

Das Drama um die Abschiebung der Opladener Familie Rouf setzt sich fort. Die Ausländerbehörde der Stadt Leverkusen bleibt bei der Anordnung, nach der auch die Mutter und ihre minderjährigen Kinder am Dienstag freiwillig ausreisen sollen. Die Abiturientin Ramla und der Vater waren am Freitag mit einem Flugzeug über die Türkei nach Sri Lanka abgeschoben worden. Nur weil sich der 15-jährige Sohn der Familie nach einer Klassenfahrt mithilfe von Unterstützern ins Kirchenasyl in Duisburg begeben hatte, anstatt nach Opladen zurückzukehren, waren seine Mutter und seine drei jüngeren Geschwister von der Abschiebung verschont geblieben.

Am Montagmorgen demonstrierten etwa 150 Freunde auf dem Leverkusener Rathausvorplatz, sie hatten sich im Kreis aufgestellt. Währenddessen hatte die Mutter Chamsul einen Termin im Ausländeramt. Ihre Kinder nahm sie nicht mit ins Rathaus, aber zwei Unterstützerinnen und eine Freundin.

Am Montagmorgen demonstrierten etwa 150 Freunde auf dem Leverkusener Rathausvorplatz, sie hatten sich im Kreis aufgestellt.

Am Montagmorgen demonstrierten etwa 150 Freunde auf dem Leverkusener Rathausvorplatz, sie hatten sich im Kreis aufgestellt.

Wohl angesichts der Brisanz, die mittlerweile in dem Thema liegt, empfing der Amtsleiter Oliver Gäcke die Frauen, wurde hinterher von den Unterstützern mitgeteilt. Als die Mutter nach einer Dreiviertelstunde auf den Rathausvorplatz zurückkam, wirkte sie erschüttert; an der Situation ihrer Familie hat sich nichts geändert: Nur solange sich der 15-jährige Sohn Ruhaim im Kirchenasyl in Duisburg aufhält, ist die Rest-Familie sicher vor der Abschiebung.

Mutter Chamsul musste sich nach ihrem Termin im Amt erst mal setzen.

Mutter Chamsul musste sich nach ihrem Termin im Amt erst mal setzen.

„Das sollte kein Mensch durchmachen müssen“, übersetzte eine Freundin die kurze Ansprache der Mutter an die Demonstranten nach dem Termin. Nach acht Jahren in Deutschland spricht sie zwar Deutsch, aber vor einer Masse konnte sie dann doch nicht einfach so sprechen. Nach ihrer kurzen Ansprache setzte sie sich, sichtlich entkräftet, auf eine der steinernen Bänke unter einen Baum und wurde nacheinander von Mitschülerinnen ihrer Tochter und des Sohnes in den Arm genommen. Viele Tränen flossen.

Die meisten der jungen Demonstranten waren Mitschülerinnen und Mitschüler vom Buchheimer Schulzentrum. Dort gehen die am Freitag abgeschobene Tochter Ramla, die in ihrem letzten Schuljahr vor der Abiturprüfung steht, und der 15‑jährige Sohn zur Schule.

Amtsleiter Gäcke soll der Mutter beim Termin ein Papier vorgelegt haben, in dem sie sich per Unterschrift zur freiwilligen Ausreise nach Sri Lanka verpflichten sollte. Sie solle den Sohn aus dem Kirchenasyl holen, soll er gesagt haben, berichteten die Unterstützer der Familie. Das Papier habe sie nicht unterschrieben, sagte die Mutter. Bei dem Termin soll Gäcke zu ihr gesagt haben, dass sich die Familie nicht rechtskonform verhalten habe, weshalb die Abschiebung angeordnet worden sei. Er soll keinen Zweifel daran gelassen haben, dass er bei der Entscheidung bleiben wolle.

Nach der Kundgebung klebten die Pappen außen am Rathaus

Nach der Kundgebung klebten die Pappen außen am Rathaus.

Eine der Unterstützerinnen sagte, sie habe die Atmosphäre als konfrontativ empfunden. Auch die Tatsache, dass Gäcke selbst bei dem Zugriff in der Wohnung der Familie Rouf frühmorgens am Freitag in Opladen mit anwesend gewesen sei und jetzt wieder vor ihr gesessen habe, sei für die Mutter schwer auszuhalten gewesen. Die Rufe „Schämt euch, schämt euch“, die die Demonstranten kraftvoll und wiederholt in Richtung des Rathauses skandiert hatten, sollen im Amt gut hörbar gewesen sein,  hieß es nach dem Treffen. Die Stadt Leverkusen, die am Freitag auf die Rechtskonformität ihres Handelns verwiesen hatte, gab keine weiteren Auskünfte zur Situation.

Zur Demonstration um 8.30 Uhr am Montag auf dem Rathausvorplatz hatten viele der Schülerinnen und Schüler Pappen und Plakate gestaltet. Einige aus den Stufen hatten Reden vorbereitet. Auch Lehrer waren aus Buchheim angereist.

Die Leverkusener Ausländerbehörde wurde auf einem  Schülerplakat mit der amerikanischen Behörde „ICE“ verglichen. Ein Behördenmitarbeiter soll am Freitag im Sekretariat der Schule angerufen haben, um den Zeitpunkt der Rückkehr der Klassenfahrt des 15-jährigen Ruhaim zu erfragen. Das war vergeblich: Der hatte sich vorher nach Duisburg ins Asyl abgesetzt.

Nicht nur die zehnte Klasse, auch die Stufe der abgeschobenen Ramla sei auf Abschlussfahrt in Barcelona gewesen, sagt der Stufenleiter. Weil es Probleme mit den Papieren der Abiturientin gegeben habe, habe sie nicht mitfahren können. Zu den Mitschülern sei die Nachricht von der Abschiebung während der Stufenfahrt durchgesickert. Ihr Stufenleiter sagte, es möge Gründe für Abschiebungen geben, „aber nicht nach acht Jahren und nicht sechs Monate vor der Abiturprüfung“.

Die Hoffnung der Familie und der Unterstützer liegt jetzt in der Landespolitik. Am Dienstag soll  sich der Petitionsausschuss des Landtags  mit dem Fall der Familie Roufs beschäftigen. Dafür wurde eine Sondersitzung anberaumt – trotz der Herbstferien.

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