Stadtverwaltung und Schulleitung denken über weitere Messungen nach. Eine Krankheitsstatistik wird im Rathaus nicht geführt.
BerufskollegPCB-Werte in Opladen werfen bisher nur Fragen auf

Was tun mit dem Plattenbau des Berufskollegs Opladen? Stadtverwaltung und Schulleitung beraten noch.
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Die Schülerinnen und Schüler sind raus, das Sekretariat auch: Nach den alarmierenden PCB-Messungen ist das Hauptgebäude des Berufskollegs Opladen bis auf Weiteres verwaist. Normalen Unterricht gibt es nur in den beiden Dependancen an der Fürstenberg- und der Düsseldorfer Straße. In letzterer arbeitet auch das Sekretariat. Mit dem Distanzunterricht hat sich das BKO zunächst mal Zeit verschafft. Nächste Woche sind Herbstferien, womöglich zeichnet sich danach deutlicher ab, wie es weitergeht.
Im Moment herrscht noch Ratlosigkeit, wie mit dem Tüv-Gutachten vom 16. September umzugehen ist. Nach Beschwerden über starke Gerüche waren voriges Jahr neue Messungen auf Polychlorierte Biphenyle in der Raumluft veranlasst worden – sie boten Anlass für die erneute Untersuchung. Der Tüv stellte zwischen dem 24. und 26. August an 21 Stellen seine Geräte auf, die Ergebnisse waren alarmierend: An sämtlichen Stellen wurde der neue Richtwert von 80 Nanogramm pro Kubikmeter Raumluft überschritten, und das sehr deutlich. An drei Stellen lagen die Werte gar im gesundheitsgefährdenden Bereich, nämlich über 800 Nanogramm.
Überall messen?
Der größte Teil des Gebäudekomplexes wurde bisher bei den Messungen allerdings außen vor gelassen. In der Stadtverwaltung gibt es aber noch keine Entscheidung, ob man das Berufskolleg komplett untersuchen sollte. „Für eine fundierte Bewertung der Gesamtsituation ist es erforderlich, die Befunde aus der Untersuchung systematisch zusammenzuführen und miteinander abzugleichen. Auf dieser Grundlage müssen die Ergebnisse im Gesamtzusammenhang bewertet und das weitere Vorgehen abgestimmt werden“, sagte Katrin Rehse, Sprecherin im Rathaus, dem „Leverkusener Anzeiger“. Die Fachabteilungen im Rathaus unterstützten das Berufskolleg aber „mit Hochdruck in der Analyse der Gesamtsituation“.

Die Baumängel sind ein weiteres Problem am Berufskolleg Opladen.
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Mit Blick darauf, dass nach Angaben aus dem Kollegium die drei letzten Leiterinnen des Berufskollegs an Krebs erkrankt sind, beunruhigt besonders, dass die höchsten PCB-Werte wiederum im Büro der Schulleitung gemessen wurden: 1185 Nanogramm pro Kubikmeter Luft. Nachgehalten werden gesundheitliche Auffälligkeiten zumindest nicht im Leverkusener Gesundheitsamt. „Der Medizinische Dienst führt keine Statistiken über Erkrankungen von Lehrerinnen und Lehrern im Zusammenhang mit PCB-Belastungen an Schulen“, so Rehse auf eine entsprechende Frage.
Fest steht, dass die vorherige Sanierung nicht ordnungsgemäß durchgeführt wurde.
Das Tragische daran: Im Berufskolleg gab es schon einmal eine PCB‑Sanierung, und zwar 2011. Mit Blick darauf „muss jedoch vermutet werden, dass die zurückliegende PCB-Sanierung unzureichend war“, heißt es aus dem Rathaus. Die Tüv-Prüfer werden in ihrem Gutachten, das dem „Leverkusener Anzeiger“ vorliegt, deutlicher. Dort heißt es mit Blick auf einen besonders belasteten Bereich: „Die Ursache für den Eintritt von PCB in die Raumluft ist auf die Überreste der sanierten Dehnungsfugen im Bereich der Stützen zurückzuführen.“ Dort habe man verbliebene Reststücke des Dichtungsmaterials untersucht und „hohe Konzentrationen nachgewiesen“. Daraus ergebe sich: „Fest steht, dass die vorherige Sanierung nicht ordnungsgemäß durchgeführt wurde und relevante Quellen im Raum verblieben sind.“ Deshalb rät der Tüv zu „Minderungs- oder Sanierungsmaßnahmen“.
Unter Minderungsmaßnahmen fällt eine geregelte Lüftung nach einem engmaschigen Plan oder der Einbau einer Lüftungsanlage. Außerdem empfehlen die Gutachter, Oberflächen mit Industriegeräten abzusaugen oder feucht zu reinigen. Beides findet sich auch in den Empfehlungen der Schulleitung zum Umgang mit der erneuten Belastung. Inzwischen hat sie eine weitere Tüv-Empfehlung umgesetzt und mit dem allgemeinen Distanzunterricht sogar übererfüllt: „Wenn die Möglichkeit besteht, die auffälligen Räume vorzeitig aus der Nutzung zu nehmen, ist dies ebenfalls als eine kurzfristige Maßnahme der Gefährdungsminimierung anzusehen.“
