Nur für einen Bruchteil der Räume liegen überhaupt Werte vor. Das Kollegium des Berufskollegs Opladen ist hoch alarmiert.
Tüv-GutachtenPCB-Belastung in Leverkusener Berufsschule ist gesundheitsgefährdend

Die Werkstätten im Berufskolleg Opladen sind gesperrt.
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Der PCB-Alarm am Opladener Berufskolleg sorgt für erhebliche Unruhe. In der Schule kursiert zwar eine Handreichung, um sie einzudämmen, aber die Stimmung sei schlecht, sagte ein Lehrer am Donnerstag dem „Leverkusener Anzeiger“. Auch die einschlägigen Dokumente liegen der Redaktion vor: das Tüv-Gutachten und eine interne Stellungnahme der Stadtverwaltung zu diesem Thema. Wie berichtet, hat die Stadt gerade zwei Räume im Berufskolleg gesperrt, nachdem erhöhte PCB-Werte festgestellt wurden.
Das Beunruhigende daran: Polychlorierte Biphenyle wurden schon einmal in dem Schulgebäude festgestellt. Danach wurde es saniert. Der Erfolg steht nun zumindest in einem Teil des Gebäudes in Frage. In einem bereits PCB-sanierten Raum habe es verdächtig gerochen, heißt es von der Stadtverwaltung; voriges Jahr sei daher nochmals gemessen worden. Weitere Untersuchungen hätten ergeben, „dass sich in der bereits sanierten Fuge Reste von PCB-haltigem Material befanden“. Daraufhin sei in weiteren Räumen gemessen worden, von denen man bereits wusste, dass sie mit PCB belastet waren. Denn „der ursprüngliche Sanierungserfolg steht aufgrund der aktuellen Befunde in Frage“, schreibt Ricarda Schügner aus der Stadtverwaltung.
Selbst ein 30 Jahre alter Richtwert wird gerissen
Die Ergebnisse aus 21 Räumen lesen sich nicht gut: „An allen Messstellen wurden erhöhte PCB-Werte gefunden.“ Und „erhöht“ heißt in diesen Fällen, dass an 18 Stellen der 30 Jahre alte Vorsorgewert von 300 Nanogramm pro Kubikmeter Raumluft überschritten wird. Nicht zu reden vom aktuellen Vorsorgewert: Der beträgt 80 Nanogramm pro Kubikmeter Luft.

Baumängel sind an Stützpfeilern zu erkennen.
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Schlimmer noch: In einem Flur im Erdgeschoss des B-Trakts, in einem Archivraum im Gebäude A und einem Raum, der der Schulleitung zugeordnet ist, wurde eine PCB-Konzentration oberhalb des Gefahrenwerts gemessen: Der liegt mit 800 Nanogramm zehnmal so hoch wie der neue Vorsorgewert. Im Flur ermittelte der Tüv 846 Nanogramm, im Archivraum 943 und bei der Schulleitung sogar 1185. Die beiden letzteren Räume sind nicht mehr zugänglich, denn bei so hohen Werten sei „eine gesundheitliche Gefährdung nicht auszuschließen“, steht im Schügner-Bericht, der von Leverkusens Amtsärztin Mirja Stevens freigezeichnet wurde. Mit Blick auf die 21 Messstellen empfiehlt die Stadtverwaltung eine baldige weitere PCB-Sanierung im Berufskolleg Opladen.
Gemessen wurde nur in einem kleinen Teil der Schule
Im Kollegium schlägt das allerdings auch deshalb hohe Wellen, weil der Tüv nur einen Bruchteil der Räume gecheckt hat: „Was ist mit den anderen rund 170 Räumen?“, fragte am Donnerstag ein Lehrer. Mit Blick auf die Lage zum Beispiel in den Werkstätten geht er davon aus, dass weitere Gebäudeteile belastet sind: In der Holzwerkstatt seien polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) gefunden worden, die als krebserregend gelten. Möglicherweise ist der alte Parkettkleber die Quelle. Das Resultat: Die Holzwerkstatt ist gesperrt, die Lehrer behelfen sich mit Klassenräumen und haben sich im nahen Probierwerk eingemietet.

Der Betrieb an dem Berufskolleg läuft trotz der neuen Erkenntnisse weiter.
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In der Metallwerkstatt gibt es ein anderes Problem. Dort seien für mehr als eine Million Euro neue Maschinen angeschafft worden, aber das Stromleitungsnetz gebe ihren Betrieb nicht her, berichtet ein Lehrer. Seitdem werden die Metaller im Wuppermann-Bildungswerk in Manfort unterrichtet. Das sei ein recht teures Vergnügen, heißt es von BKO.
Noch ein Beispiel: die Turnhalle. Dort hätten sich Teile der Decke gelöst, sodass ein großes Netz gespannt wurde, das herabfallende Bauteile auffangen sollte. Es hängt seit acht Jahren und habe inzwischen fast 1 Million Euro Miete gekostet. Nachdem Sicherheitsgarantien nicht gegeben werden konnten, sei die Turnhalle nun gesperrt und warte ebenfalls auf die Sanierung.
Neubau ist bis jetzt nur eine Idee
Derweil geht es mit den Neubauplänen für das Berufskolleg nicht so recht voran. Am Donnerstag darauf angesprochen, erwartet Oberbürgermeister Stefan Hebbel, dass Anfang kommenden Jahres feststeht, wie das künftige Berufskolleg Opladen aussehen soll. Diese „Profilbildung“ muss die Stadt Leverkusen mit den Nachbarstädten Langenfeld, Monheim, Leichlingen und Burscheid absprechen. Sie alle gehören dem Berufsschulzweckverband an. Erst danach kann überhaupt eine Ausschreibung für einen Projektsteuerer gemacht werden. „Stand jetzt wissen wir noch nicht, was gebaut werden muss“, so Hebbel. Der OB geht allerdings davon aus, dass der Neubau deutlich kleiner ausfallen kann als der Komplex an der Stauffenbergstraße. Immerhin: Die Stadt hat Zugriff auf ein aller Voraussicht nach passendes Grundstück in der Neuen Bahnstadt.
Der Wechsel auf die Zukunft beruhigt die Gemüter im BKO derzeit allerdings nicht. In der Handreichung der Schulleitung gibt es Empfehlungen, wie Lehrerinnen und Lehrer „die Belastung in Ihrem Arbeitsalltag zusätzlich verringern“ können: morgens zunächst mal 15 bis 20 Minuten lüften, und das im Lauf des Tages öfter wiederholen. Außerdem „Staub vermeiden“ und lieber feucht abwischen „statt trocken zu fegen oder Staub aufzuwirbeln“.
Mit Blick auf die alarmierenden Messwerte weist die Schulleitung auf die Bedingungen hin: Die Räume seien am Vorabend gut gelüftet und dann für mindestens acht Stunden fest verschlossen worden. „Diese Art der Messung zeigt also nicht automatisch, wie hoch die Belastung im normalen Alltag ist, wenn Fenster regelmäßig geöffnet werden und Menschen im Raum ein- und ausgehen. Die gemessenen Werte sind deshalb eher ein Suchwert, kein Alltagswert.“ Den Schulalltag am Berufskolleg Opladen prägen sie dennoch.
Rund ein Drittel der Flächen des Berufskollegs Opladen an der Stauffenbergstraße sind derzeit nicht zugänglich. Heißt: aus der Schule. Es wurden deshalb zwei Dependancen angemietet: eine an der Düsseldorfer Straße 8e, wo Schülerinnen und Schüler untergebracht sind, die im Bereich Soziales ihre Ausbildung machen. Die Außenstelle Gesundheit ist an der Fürstenbergstraße 1. Dazu kommen die Ausweichwerkstätten. (tk)
