Die vielleicht rechtmäßige und bisher teilweise erfolgte Abschiebung der Familie Rouf entwickelt sich zu einem wahren Desaster: Für die Familie sowieso. Sie ist derzeit auseinandergerissen. Aber auch für die Leverkusener Verwaltung und Oberbürgermeister Stefan Hebbel. Wegen der unnachgiebigen Starrheit der Leverkusener Ausländerbehörde werden sie alle mit in den Strudel eines fortgeschrittenen Ansehensverlusts hinabgezogen. Darüber, unter anderem die gut integrierte Abiturientin Ramla abgeschoben zu haben, echauffieren sich längst nicht mehr nur die, die sich sowieso für Flüchtende einsetzen. Nach Ansicht mehrerer Fachleute soll es nämlich durchaus einen Ermessensspielraum in der Frage der Abschiebung der Opladener Familie geben.
Die Leverkusener Ausländerbehörde steht da wie eine Verkehrspolizei, die Radfahrer bestraft, bei denen die Klingel nicht funktioniert, während sie gefährliche Rotlicht-Raser in schweren Autos nicht zur Rechenschaft zieht, weil das viel mühsamer ist. Die unnachgiebige Haltung der Behörde, auch gegenüber gut Integrierten, wurde erst im September im Ausschuss für Integration kritisiert.
Niemand hat etwas gegen die Abschiebung von Straftätern oder Gefährdern. Mit solchen Taten könnte sich die Behörde beschäftigen und sogar Lorbeeren verdienen.
Aber gut integrierte Menschen frühmorgens mit einer großen Mannschaft zu Hause abzuholen und abzuschieben, das ist wahrlich keine Heldentat.


