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SchlebuschDas Industriemuseum in Leverkusen hat doch eine Zukunft

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Im Sensenhammer: Industriekultur. Foto: Ralf Krieger

Leverkusens Hort der Industriekultur kann auch in Zukunft professionell betrieben werden: Zwei von drei Stellen im Freudenthale Sensenhammer will die Stadt weiter finanzieren. 

Die drei Vollzeitstellen im Freudenthaler Sensenhammer bleiben. Eine davon muss allerdings in Zukunft der Förderverein finanzieren.

Das Industriemuseum Freudenthaler Sensenhammer ist gerettet. Der monatelang im Rathaus kursierende Plan, die drei von der Stadt finanzierten Stellen zu streichen, ist weitgehend kassiert worden. Zwei Stellen sollen nach übereinstimmender Auskunft der Stadtverwaltung und des Museumsvereins dauerhaft bleiben. Die dritte soll in Zukunft nicht mehr aus dem Haushalt der Stadt Leverkusen bezahlt werden, sondern vom Förderverein. Das Museum sei „abschließend betrachtet worden“, hieß es erläuternd aus dem Rathaus.

„Wir bereiten uns darauf vor, die dritte Stelle selbst zu finanzieren“, sagte am Mittwoch auf Anfrage Martin Wienkenhöver, Schatzmeister des Fördervereins. Dieser Kompromiss sei in Gesprächen mit der Stadtverwaltung ausgehandelt worden. Sofort müsse der Förderverein ein komplettes Gehalt nicht stemmen, präzisierte Wienkenhöver, der früher unter anderem im Vorstand von Lanxess gearbeitet hat: Das werde erst akut, wenn die Stelle durch Renteneintritt künftig frei wird. Gemeint ist der Arbeitsplatz von Museumspädagogin Anne-Katrin Harscher. Ihre Stelle bekommt den Vermerk „künftig wegfallend“ – was dann vom Förderverein aus eigenen Mitteln kompensiert werden soll.

Sponsoren gibt es bereits

Wie das geschieht, ist noch offen. „Da sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt“, so Wienkenhöver. An einem Konzept wird noch gearbeitet. Bisher kann sich der Förderverein auf Sponsoren wie die Sparkasse, die Volksbank, die Energieversorgung Leverkusen und den Lions Club stützen. Dazu kommen institutionelle Unterstützer wie der Landschaftsverband Rheinland, die NRW-Stiftung und das Land.

Wir müssen uns anders aufstellen.
Jürgen Bandsom, Museumsleiter

Allerdings muss sich einiges ändern im Verein, um die Stelle verlässlich zu finanzieren. „Wir müssen 25 Prozent zusätzlicher Mittel generieren“, sagte auf Anfrage Jürgen Bandsom, der Museumsleiter. Das sei durchaus schwierig, denn Fördermittel gebe es in der Regel nur für Projekte, nicht aber für Personal: „Wir müssen uns anders aufstellen.“ 

Diesen Weg wolle man im Förderverein natürlich gehen, so Bandsom. Er sei „überaus froh, dass wir diesen Kompromiss mit der Stadt finden konnten“ und die Professionalität des Industriemuseums Freudenthaler Sensenhammer auf diese Weise erhalten werden könne. Es sei aber auch klar, dass man – Stand heute – 1200 Kinder nicht ohne pädagogische Betreuung ins Museum lassen könne. 

Jürgen Bandsom und Anne-Katrin Harscher.

Jürgen Bandsom, Leiter des Museums, mit Pädagogin Anne-Katrin Harscher.

Über die Art und Weise, wie die drei hauptamtlichen Stellen und damit faktisch das Industriemuseum auf die Streichliste kamen, zeigte sich Schatzmeister Wienkenhöver befremdet. Die Leute von der PD – das ist eine Personalberatung für den öffentlichen Dienst, die sich komplett im Besitz von Kommunen und Ländern befindet – hätten nicht das Gespräch mit dem Förderverein gesucht, so Wienkenhöver. Das widerspreche zumindest seiner Erfahrung aus der Privatwirtschaft.

Kein direkter Kontakt mit den Personalberatern

Das bedeutet: Der Förderverein und die Betroffenen des Museums mussten im Gespräch mit der Stadtverwaltung den größten anzunehmenden Unfall abwenden. Das ist fast komplett gelungen, und über den Dialog mit der Stadt kann der Schatzmeister des Fördervereins auch nur Gutes berichten.

Freudenthaler Sensenhammer   Foto: Ralf Krieger

Im Freudenthaler Sensenhammer lässt sich seit vielen Jahren Industriegeschichte erleben.

Tatsächlich sind manche Wege kurz: Der zweite Vorsitzende des Fördervereins ist Frank Schönberger, der in der CDU-Stadtratsfraktion viel Einfluss hat. Auch Oberbürgermeister Stefan Hebbel ist nach eigener Aussage Mitglied.

Der Förderverein wurde 1993 gegründet und hatte zuletzt knapp 300 Mitglieder. Die drei Stellen im Industriemuseum laufen über den Verein. Finanziert wurden sie aber bisher von der Stadt Leverkusen. Das war seit 2021 so. Das Team besteht aus Museumsleiter Jürgen Bandsom, Schmied Michael Schmidt und der Museumspädagogin Anne-Katrin Harscher. Ihre Arbeit wurde nach Angaben des Vereins zuletzt von mehr als 70 aktiven Mitgliedern unterstützt, die mehr als 15.000 Stunden für den Sensenhammer geleistet haben.


Unklarheit bei Musikschule und VHS

Über zwei andere große kulturelle Einrichtungen, die in den Fokus der Personalberater geraten sind und in erheblichem Maße Stellen abbauen sollen, wird noch diskutiert. „Für die Musikschule und die Volkshochschule ist die Betrachtung noch nicht abgeschlossen. Beide Bereiche werden im Rahmen der seit April 2026 laufenden Vollzugskritik erneut aufgegriffen“, sagte auf Anfrage Nicole Schmitz, Sprecherin im Rathaus. (tk)