Mehr als 90 Orte waren zu erkunden.
22. Leverkusener KunstnachtSchreinereien und Feuerwachen werden zu Museen

Für die Kunstnacht erstrahlt die Schlebuscher Feuerwache in einem neuen Licht.
Copyright: Lotta Hosenfeld
Um die 22. Leverkusener Kunstnacht zu eröffnen, zitiert Oberbürgermeister Stefan Hebbel keinen Geringeren als Pablo Picasso mit den Worten „Als Kind ist jeder ein Künstler. Die Schwierigkeit liegt darin, als Erwachsener einer zu bleiben.“ Wo es heutzutage normal sei, sich nicht länger als zwei Minuten auf etwas zu konzentrieren, mache es den Zauber der Kunstnacht aus, sich in Ruhe einen ganzen Abend mit Kunst beschäftigen zu können, findet der OB.
Bei der Eröffnung im Jagdzimmer des Museums Morsbroich sprachen einige der Mitwirkenden über die Wichtigkeit, Kunst lebendig zu halten, vor allem in der heutigen Zeit. „Die Kunstnacht ist ein Event, das Menschen zusammenbringt. Das ist besonders wichtig in Zeiten, in denen es Kräfte gibt, die die Leute auseinanderbringen wollen“, sagt Frank Weiffen, der Leiter des Kulturbüros.

Oberbürgermeister Stefan Hebbel eröffnete den Abend im Jagdzimmer von Schloss Morsbroich.
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Der stellvertretende Direktor des Museums, Fritz Emslander, stellte das Programm des Hauses für die Nacht vor und scherzte: „Eigentlich müssten Sie alle gar nicht mehr weiterziehen, sondern könnten auch hier bleiben.“ Neben den aktuell laufenden Ausstellungen, konnten Besucher im Museum Morsbroich an einer Taschenlampenwanderung im Skulpturenpark sowie im dunklen Museum teilnehmen. Außerdem führte Kuratorin Thekla Zell einen Artist Talk mit dem Leipziger Künstler Tilo Schulz, dessen Ausstellung „Endless Canvas“ am Freitagabend eröffnete.
Nach den kurzen Begrüßungsreden sang Resident Artist der Stadt, Luna Keller. Da auch für sie Kunst ein Mittel ist, um Menschen zusammenzubringen, startete sie direkt mit einem Song, bei dem das Publikum einen Teil mitsingen sollte. Anschließend schwärmte das Publikum aus in die Ausstellungen des Museums, aber auch zu den mehr als 90 Stationen der Leverkusener Kunstnacht.
Die meisten der Kunstausstellungen im Rahmen der Kunstnacht laufen nur für den einen Tag, einige bleiben aber länger erhalten. So auch die Ausstellung „Mosaik der Wirklichkeit“ des Vereins zur Förderung künstlerischer Bildmedien im Erholungshaus. Diese beinhaltet Fotoserien von 45 Fotografinnen und Fotografen des Vereins und hängt seit der Vernissage zur Kunstnacht bis zur Finissage am 21. November. Das Thema sollte jedem Fotografen Freiräume in der Interpretation geben, so Vereinsvorsitzender Klaus Küpper. Kuratiert hat die Ausstellung der freischaffende Fotograf Wolfgang Zurborn.

Der Verein „Stage & Music“ zeigte in der Tanzstelle Leverkusen einen Ausschnitt seiner neuesten Show
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Zurborn plante die Auswahl und Anordnung der Fotos auf den Zentimeter genau. Dabei achtete er darauf, dass die Serien, die beieinanderhängen, visuelle Analogien aufweisen, aber trotzdem noch unterschiedlich sind. Zum Beispiel hängen zwei Fotoserien nebeneinander, die ähnliche Farben aufgreifen, aber ein anderes Thema behandeln. „Das Wichtigste ist, dass es Spaß macht, anzuschauen“, sagt der Kurator. „Die Bilder müssen überraschen und sich unterscheiden, ohne, dass es beliebig wirkt.“

Die Fotostrecke „Galanthomanie“ von Wilfried Kaschube entstand auf einer Schneeglöckchenreise im Süden Englands.
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Vereinsmitglied und Hobbyfotograf Wilfried Kaschube stellt seine Bilderserie „Galanthomanie“ aus. Galanthus ist der botanische Name für Schneeglöckchen. Seine Fotostrecke ist eine Sammlung aus Bildern, die er geschossen hat, als er mit seiner Frau auf einer Schneeglöckchenreise im Süden Englands unterwegs war. Dabei handelte es sich um eine geführte Reise, bei der Touristen besondere Schneeglöckchensammlungen und Märkte besuchen. „Das Witzige ist: So wie ich den Kopf darüber schüttle, dass manche Menschen 500 Pounds für eine Schneeglöckchenzwiebel ausgeben, schütteln andere darüber den Kopf, wie viel wir Hobbyfotografen für unser Equipment ausgeben. So haben wir alle unsere eigene Realität und das spiegelt für mich auch das Thema der Ausstellung – Mosaik der Wirklichkeit – wider“, sagt er.
Im Verein ist Kaschube unter Gleichgesinnten. „Wenn wir zusammen zum Fotografieren in der Eifel unterwegs sind und ich seit einer halben Stunde im Orchideenfeld liege, beschwert sich niemand, dass ich das Blümchen doch bereits fotografiert habe“, sagt er und lacht.
Kunst in Betrieben, Restaurants, Kneipen
Das Besondere an der Leverkusener Kunstnacht ist, dass nicht nur etablierte Kulturorte öffnen und ausstellen, sondern auch Betriebe, Restaurants und Kneipen ihre Türen der Kunst und den Kunstbegeisterten öffnen. Dadurch können die Menschen Orte besuchen, die sonst im Alltag wenig zugänglich sind. So auch die Feuerwehr Schlebusch, die ihre Wache für das Event herrichtete. „Viele Menschen laufen oder fahren täglich an der Feuerwache vorbei, die eher wie ein dunkles Loch wirkt. Jetzt haben wir sie einladend gestaltet und beleuchtet. Wir sind begeistert, dass so viele Menschen heute Abend schon hier vorbeigekommen sind“, sagt Feuerwehrmitglied Sebastian Scholz, der als hauptberuflicher Veranstaltungstechniker seine Expertise zur Gestaltung der Wache anwenden konnte.
„Wir wollten die Feuerwache auch mal anders zeigen und einen romantischen Flair schaffen“, erzählt Rolf Janyga, ebenfalls Mitglied der Feuerwehr. Die Söhne der beiden Männer sind beide nebenberuflich Fotografen und haben die Gelegenheit ergriffen, ihre Fotos in der außergewöhnlichen Kulisse auszustellen. Die Fotoausstellung heißt „Action & Idylle“. Der 19-jährige Dominik Scholz ist auf Sportfotografie spezialisiert und zeigte am Freitagabend den „Action“- Teil der Ausstellung, nämlich Fotos von Events in Leverkusen, darunter auch Nahaufnahmen von emotionalen Momenten in der Bay-Arena aus Spielen der Meistersaison.

Dominik Scholz (rechts) und Sven Janyga präsentieren ihre Fotoausstellung „Action & Idylle“ in der Schlebuscher Feuerwache.
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Dominik Scholz fotografiert bereits, seit er 14 Jahre alt ist. Damals hat er sich die Langeweile während der Pandemie damit vertrieben, rauszugehen und Fotos zu schießen. „Das mag ich auch heute noch sehr gerne am Fotografieren: Man ist unterwegs und lernt Leute kennen“, sagt der Schlebuscher.
Auch Mitaussteller Sven Janyga hat durch seine Fotografiereisen schon viele Leute kennengelernt. Er fokussiert sich auf Naturfotografie, da für ihn die Natur ein Ort zum Runterkommen ist. „Ich möchte den Menschen mit meinen Fotos auch zeigen, was es sich lohnt zu schützen“, sagt der 36‑Jährige. Die rustikale Feuerwache, in der noch Fahrzeuge und Löschmaterial stehen, in Kombination mit der Kunst und der Beleuchtung geben dem Ort ein besonderes Ambiente.
Performances in Opladen
In Opladen konnten sich Kunstnachtbesucher in der Tanzstelle Leverkusen eine Reihe von Performances anschauen. Unter anderem trat dort der Verein „Stage & Music“ auf – ein Showensemble, das Band, Gesang, Schauspiel und Tanz verbindet. Sie präsentierten einen 15-minütigen Ausschnitt aus ihrer neuesten Show, die im November gezeigt wird. Das Ensemble brachte den prall gefüllten Raum der Tanzstelle Leverkusen in Stimmung mit Einlagen zu Songs wie „Shut up and Dance“ von Walk the Moon. „Wir nehmen bekannte Songs und bauen sie in unsere selbst geschriebene und choreografierte Show ein“, erzählt Sabrina Neff, Vorsitzende des Vereins. Auf den Auftritt von Stage & Music folgte noch die Show der Tanzstelle, bei der abwechslungsreiche Tänze und Musik das Publikum begeisterten.
Ebenfalls in Opladen gestaltete die Schreinerei Stich ihre Werkstatt in eine Kulturstätte um, in der sie die verschiedensten Kunstformen präsentierten. Neben Schreinereimaschinen und Holzkunst spielte eine Band, zwischen Graffiti und Werkzeugen fanden sich Fotografieinstallationen und Malerei. Vor dem Eingang konnten Besucher mit Tinte auf Leinwand geschriebene Gedichte lesen, die auf beleuchteten Staffeleien drapiert waren.

Der zehnjährige Max stellt seine Kunst in der Schreinerei Stich aus.
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Jo Stich, Inhaber der Schreinerei, hat für den Abend eine Woche lang die Schreinerei umgeräumt und mit seinen Mitarbeitern die Installationen vorbereitet. Dafür schreinerten sie teilweise neue Rahmengestelle und wurden kreativ bei der Hängung der Werke. „Wir haben uns Beleuchtung ausgeliehen und alles an Mehrfachsteckern geschnappt, was wir in die Finger bekommen konnten“, erzählt seine Frau Karin Stich. Ausstellen und Auftreten durften Freunde und Bekannte, vom Azubi bis zum Schwager. „Ich freue mich, dass ich diesen Menschen den Raum geben kann, ihre tolle Kunst zu präsentieren“, sagt Jo Stich.
Vom Besucher zum Aussteller
Unter anderem durfte der zehnjährige Max in der Schreinerei seine Kunst präsentieren. Er malt Acryl auf Leinwände und sprüht Graffiti. Seitdem er sechs Jahre alt ist, geht Max als Besucher zur Kunstnacht. „Ich finde es als Besucher cool, dass man im Dunkeln durch die Stadt laufen kann und sich spannende Bilder und neue Orte anschaut“, erzählt der junge Opladener. „Aber als Aussteller ist es auch besonders, dass man sich mit Leuten über seine eigenen Bilder unterhalten kann“, findet er.
Obwohl die Schreinerei Stich nicht in der Opladener Innenstadt liegt, ist sie auch um 23 Uhr noch sehr gut besucht. „Wir hatten schon Angst, dass hier niemand mehr sein wird, wenn wir um die Uhrzeit herkommen, aber es war genau die richtige Entscheidung, noch vorbeizuschauen“, erzählt Elke, eine Besucherin. Sie und ihre Freundin Annette besuchen seit über 15 Jahren jedes Jahr zusammen die Leverkusener Kunstnacht. „Dafür wurde auch schon der Familienurlaub ein paar Tage nach hinten verschoben“, erzählt Annette.
Die beiden Leverkusenerinnen bereiten beide vor jeder Kunstnacht eine Liste vor mit Orten, die sie aufsuchen möchten. Dann treffen sie sich zwei Stunden vor Kunstnachtbeginn auf einen Kaffee und stellen einen gemeinsamen Plan auf. „Auch nach 15 Jahren Kunstnacht entdeckt man jedes Jahr neue Orte und Künstler, aber trifft auch Altbekanntes wieder. Diese Mischung macht es so besonders“, findet Elke. Um halb zwölf hasten die beiden schnell zu ihrem Auto, um auch noch die letzte Station auf ihrer Liste abzuklappern.
