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Wind und SonneEs sieht nicht gut aus für den Ausbau erneuerbarer Energien in Leverkusen

4 min
Blick nach Langenfeld-Schnepprath: An der Solinger Straße liegt eine potenzielle Fläche für Windräder zu nah am Umspannwerk.

Blick nach Langenfeld-Schnepprath: An der Solinger Straße liegt eine potenzielle Fläche für Windräder zu nah am Umspannwerk.

Die Verwaltung hat potenzielle Flächen für Wind- und Sonnenenergie untersucht, mit einem eindeutigen Ergebnis.

Eine Fläche. Mehr kommt im gesamten Stadtgebiet Leverkusen derzeit offenbar nicht infrage für den Ausbau von Wind- oder Sonnenenergie. Das ergibt sich aus einer ausführlichen Darstellung der Stadtverwaltung. Der Stadtrat hatte vor ziemlich genau zwei Jahren beschlossen, dass die Verwaltung „das gesamte Stadtgebiet hinsichtlich möglicher Standorte zur Nutzung von Einrichtungen für erneuerbare Energien“ prüfen möge. Das Ergebnis ist jetzt öffentlich.

Die einzige Fläche, die die Stadt aus verschiedenen Gründen für geeignet hält, ist eine Fläche am Fester Weg, südlich der A1, nördlich des Neubaugebiets Fester Weg/Albert-Schweitzer-Straße. Das Areal könnte für eine Freiflächen-Fotovoltaikanlage ausreichend sein, es liegt im 200-Meter-Puffer zur Autobahn. Deshalb müsste man den B-Plan nicht ändern.

Leverkusener Naturschützer sprechen sich die gegen die Windkraftanlagen an der Stadtgrenze zu Monheim aus.

Leverkusener Naturschützer sprechen sich gegen die Windkraftanlagen an der Stadtgrenze zu Monheim aus.

Denn der sehe zwar einen Teil der Fläche als Ausgleich für das Wohngebiet vor – für eine Extensivwiese, einen Gehölzstreifen und eine Begrünung am Ortsrand. Aber eine Kombination mit einer PV-Anlage könnte „unter Umständen möglich“ sein. Das müsse aber noch untersucht werden.

Der Energieversorgung Leverkusen, die mit der Stadt alle potenziellen Flächen in Leverkusen untersucht hat, schwebt eine Anlage auf einem Hektar am nordöstlichen Rand vor, die gehört der Stadt, ist nicht Teil des Bebauungsplans und derzeit an einen Landwirt verpachtet. Man könnte dort eine Ein-Megawatt-Anlage installieren. Und es gebe eine weitere Fläche, durch die die Anlage um noch mal dieselbe Leistung (ein Megawatt) erweitert werden könnte. Dafür gibt es bereits einen Aufstellungsbeschluss für einen B-Plan „mit dem Ziel der Entwicklung einer Photovoltaikanlage auf dieser Fläche“. Diese Fläche befinde sich in einem privilegierten Bereich, sodass eine Baugenehmigung ausreiche. Die EVL arbeite derzeit daran, den Antrag einzubringen.

Ansonsten sieht es allerdings nicht gut aus für den Ausbau erneuerbarer Energien in Leverkusen. Am Gleisdreieck – südlich der Fixheide, nördlich des Silbersees zwischen den Gleisen in Opladen – hatte die EVL geprüft, ob auf dem ehemaligen Fußballplatz eine 1-MW-Anlage in Ost-West-Ausrichtung errichtet werden könnte. Dafür müsste man allerdings den Hundesportplatz verlegen und die Vegetation auf dem ehemaligen Tennisplatz entfernen. Das erachtet die EVL als nicht wirtschaftlich.

Am Gleisdreieck – südlich der Fixheide, nördlich des Silbersees zwischen den Gleisen in Opladen – hatte die EVL geprüft, ob auf dem ehemaligen Fußballplatz eine 1-MW-Anlage in Ost-West-Ausrichtung errichtet werden könnte.

Am Gleisdreieck – südlich der Fixheide, nördlich des Silbersees zwischen den Gleisen in Opladen – hatte die EVL geprüft, ob auf dem ehemaligen Fußballplatz eine 1-MW-Anlage in Ost-West-Ausrichtung errichtet werden könnte.

Das Gelände gehört dem Bundeseisenbahnvermögen (BEV). Die Institution würde das Gelände auch an die Stadt verkaufen, allerdings kommt das nicht infrage, weil unter der Oberfläche Altlasten schlummern. Die Stadt müsste das Areal komplett sanieren. Die Fläche war von 1938 bis 1954 als Deponie genutzt worden, zuvor wurden dort Sand und Kies abgebaut. Und verpachten möchte das BEV das Gelände nur als Ganzes, die EVL hatte bereits wegen einer Teilverpachtung angefragt. Dazu hat sich jetzt die Verwaltung eingeschaltet. Aber: „Allerdings steht das Bundeseisenbahnvermögen derzeit aufgrund differenter Prioritäten nicht zu weiteren Verhandlungen über die Fläche Gleisdreieck zur Verfügung.“

Die Fläche östlich der A3, westlich der Stixchesstraße, nahe der alten Feuerwache, stehe nicht für PV-Anlage zur Verfügung, weil sie im Rahmen des RRX-Ausbaus als Ausgleichsfläche an die DB verpachtet sei. Es sollen darauf eine Streuobstwiese und Gehölze gepflanzt werden. Als geeignet für den Ausbau erneuerbarer Energie erachte die Stadt die Deponie Bürrig und die gesicherte Altlast an der Dhünnaue. PV-Anlagen an den Deponiehängen sieht Currenta als Deponie-Betreiber aber als nicht wirtschaftlich. Unter anderem wegen der vielen Auflagen im Zusammenhang mit der Nähe zum Chempark. Trotzdem würden andere Optionen auf diesem Gelände „etappenweise überprüft“.

Leverkusen: EVL lässt Potenzialanalyse erneuern

Am Bohofsweg könnte die Stadt nur PV-Anlagen errichten, wenn man die mit landwirtschaftlicher Nutzung verbindet. Weil das Gelände aber zu klein für eine „Agri-PV-Anlage“ sei, seien erneuerbare Energien auch dort nicht wirtschaftlich.

Auch die Suche nach Flächen für Windenergie sei eine „große Herausforderung“, sagt die Stadt. Die EVL hat im vergangenen Jahr eine Potenzialanalyse von 2012 erneuern lassen. Dabei wurden aber nur die Flächen von damals untersucht, keine weiteren.

Einen möglichen Standort für eine Windkraftanlage in Hitdorf an der Grenze zu Monheim, in der Nähe des Buschbergsees, habe die EVL zurückgestellt. Man wartet erst auf eine Bewertung aus Monheim. Ein Problem würde wohl auch werden, dass der Entwurf des neuen Landschaftsplans den Buschbergsee und angrenzende Flächen, also auch die für etwaige Windkraftanlagen, als Naturschutzgebiet ausweist.

Am Heidberg können keine Windräder gebaut werden, weil der Abstand zur Wohnbebauung zu gering ist. An der Wuppermündung zwischen Rheinbrücke im Süden, dem Rhein im Westen und der A59 im Osten gehe es laut Stadt nicht, weil die Fläche zu dicht am Rhein liegt. Man müsse mit regelmäßigen Überschwemmungen rechnen. Auch wäre ein Netzanschluss dort zu teuer. An der Solinger Straße liegt eine potenzielle Fläche zu nah am Umspannwerk. In Atzlenbach, zwischen Pattscheid, Romberg und Atzlenbach, geht die EVL davon aus, dass die Schall-Immissionswerte nicht eingehalten würden, außerdem wäre eine solche Untersuchung sehr aufwendig. Und drumherum sollen laut Landschaftsplanentwurf mehrere Flächen als Naturschutzgebiet ausgewiesen werden. In der Offenlage hat sich die EVL dagegen ausgesprochen.

Weil der Aufwand hoch und die Erfolgsaussichten gering sind, mit Blick auf die Schall-Immissionswerte, verfolgt die EVL auch den theoretisch möglichen Bau einer Windkraftanlage auf einer Fläche in Rheindorf, westlich der A59  und nördlich des Großen und Kleinen Dehlensees, nicht weiter.