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TraditionsgeschäftsIn Opladen werden Schirme noch von Hand gefertigt

Seit 1912 gibt es „Hut- und Schirmmoden Adrion“

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Geduld ist im Handwerk von Wolfgang Kappertz eine unverzichtbare Eigenschaft.

Geduld ist im Handwerk von Wolfgang Kappertz eine unverzichtbare Eigenschaft.

Es ist ein bisschen wie eine Zeitreise, wenn man das Ladenlokal von Hut- und Schirmmoden Adrion in Opladen betritt. Seit 1912 gibt es das Traditionsgeschäft inzwischen. Überall im Laden liegen meist handgefertigte Kappen, Hüte und Mützen in den Regalen. An der rechten Seite reihen sich Regenschirme dicht an dicht. Im hinteren Teil, verborgen vor den Augen der Kundschaft, befindet sich eine Werkstatt der besonderen Art.

Hier werden Regenschirme noch von Hand gefertigt.  In einem Karton liegen zahlreiche Schablonen für die unterschiedlichen Größen der Schirmbespannung. An den Wänden liegen in Regalfächern die Einzelteile für Schirmgestelle, Griffe, Spitzen, Stoffe für den Schirmbezug und viele noch mehr von dem, was Wolfgang Kappertz für die Fertigung eines handgemachten, qualitativ hochwertigen Schirmes braucht. Er ist maßgeblich für die Fertigung der Schirme zuständig. Sein Vater Christian Kappertz hat den Laden in den 1960ern übernommen und steht auch heute mit 88 Jahren noch hinter dem Tresen.

Wolfgang Kappertz ist für die Fertigung der Schirme verantwortlich, seine Schwester Gaby Schwanke kümmert sich um die betriebswirtschaftlichen Angelegenheiten.

Wolfgang Kappertz ist für die Fertigung der Schirme verantwortlich, seine Schwester Gaby Schwanke kümmert sich um die betriebswirtschaftlichen Angelegenheiten.

Kappertz senior lernte seine Tätigkeit noch als klassischen, anerkannten Handwerksberuf. Doch 1998 läutete das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie  das Ende dieses uralten Berufes ein. Er wurde aus der Liste der anerkannten Ausbildungsberufe gestrichen. So lernte Wolfgang Kappertz dieses Handwerk ausschließlich von seinem Vater.

Die Geschichte des Schirmmacherhandwerks reicht bis ins 17. Jahrhundert zurück. Mit der industriellen Revolution und der Massenfertigung von Stahlschienen im 19. Jahrhundert entwickelte sich das Handwerk zu einem florierenden, eigenständigen Beruf mit eigenen Werkstätten und Manufakturen. Heute existieren in Deutschland nur noch eine Handvoll Meisterbetriebe, die maßgefertigte Schirme herstellen und antike Stücke reparieren.

Einen Schirm zu beziehen, ist in Opladen noch richtige Handarbeit.

Einen Schirm zu beziehen, ist in Opladen noch richtige Handarbeit.

Sie werden meist als Familienbetriebe geführt. So auch bei der Familie Kappertz. Seine Schwester Gaby Schwanke führt den Laden, kümmert sich um die betriebswirtschaftlichen Angelegenheiten, das Marketing und alles andere Administrative, was noch anfällt.

Zusätzlich packt sie bei Bedarf auch bei den Schirmen mit an. „Das Zuschneiden der einzelnen Stoffdreiecke für den Schirmbezug überlasse ich meinem Bruder“, sagt sie mit einem Lächeln. „Dafür hat er die größere Geduld.“ Was sie dafür hervorragend beherrscht, ist das Annähen der kleinen Kugelspitzen, die zunächst mit dem Stoff verbunden und dann auf die Gestellspitzen aufgesetzt werden.

Schirmfertigung erfordert Geduld

Das stellt sie sofort unter Beweis. Normalerweise gibt es auch dafür eine Maschine, die dabei unterstützt. Bei alten Schirmmodellen aber muss das schon mal per Hand gemacht werden. Während Schwanke noch an den Kugelspitzen sitzt, greift sich Kappertz ein Gestell und einen bereits zusammengenähten Schirmbezug und steckt ihn auf ein Automatikgestell.

Nun müssen die Gestellstreben noch per Hand mit dem Stoff verbunden werden. Was auffällt, ist, mit wie viel Liebe und Herzblut die Geschwister ihrer Arbeit nachgehen, sowohl beim Handwerk als auch im Umgang mit der Kundschaft.

Bei hochwertigen Schirmen lohnt sich die Reparatur

Die Türglocke klingelt. Eine Kundin betritt den Laden, in der Hand hält sie einen Schirm ihrer Eltern. Ein hochwertiges, italienisches Modell. Der Griff ist zerbrochen. Die Kundin gibt den Schirm zur Reparatur ab. Kappertz wird einen neuen Holzgriff ankleben. Bei einem solch hochwertigen Schirm lohnt sich diese Investition.

Neben den Reparaturen von alten Schirmen fertigt der Schirmmacher auch neue Modelle nach Kundenwunsch an. Karnevalsvereine gehören zu seinen Kunden, auch Schützenvereine sowie Privatleute.

70 Arbeitsschritte und über 30 Einzelteile pro Schirm

Inzwischen können sogar Logos auf einen Schirm aufgebracht werden. Die Bestellungen kommen aus ganz Deutschland. „Solch ein Schirm besteht aus circa 30 bis 35 Einzelteilen“, erklärt er. Selbst das Gestell wird zunächst zusammengesetzt. „Rund 70 Arbeitsschritte sind nötig, bis der Schirm fertig ist.“ Vom geschnittenen Stoff über das Gestell, die Kugelspitzen, den Griff und die über 2000 Stiche, die – teils mit der Maschine, teils mit der Hand – gesetzt werden, dauert es rund zwei bis drei Stunden, bis ein solcher Schirm fertiggestellt ist.

Etwa acht Maschinen kommen zum Einsatz. Um dieses Handwerk ausüben zu können, braucht man eine gute Feinmotorik, Geduld, technisches Verständnis, Improvisationstalent und einen Sinn für Präzision.

Wenn jemand Waren bestellt, nimmt die Geschäftsführerin „die Maße für die Mützen, Hüte und Jacken ab“, sagt Gaby Schwanke. „Für die Hüte haben wir Hutstumpen hier, die dann in der richtigen Größe an den Hutmacher geschickt werden. Wir arbeiten mit einem freien Hutmacher, einem Mützenmacher, einem Drechsler, einem Stockmacher, einem Schneider und einer Schneiderin zusammen.“ Das ermögliche der Kundschaft, maßgefertigte Ware in unterschiedlichen Formen und Arten zu bekommen.