Gute Nachrichten aus dem Rathaus: Der Unterricht im Berufskolleg Opladen soll nach den Herbstferien wieder in Präsenz stattfinden. Die Räume, in denen kürzlich erhöhte PCB-Werte gemessen worden waren, bleiben weiter gesperrt, teilt die Stadt mit. Denn nach wie vor bleiben gesundheitliche Fragen offen.
Rückblick: Nachdem ein seltsamer Geruch gemeldet worden war, hatte der Berufsschulzweckverband in den Sommerferien Schadstoffuntersuchungen im Berufskolleg veranlasst. Als man wegen des Baujahrs der Schule weitere Messungen vornahm, vorwiegend in der Nähe von Dehnungsfugen, kam heraus, dass mehrere Räume mit dem gefährlichen PCB (Polychlorierte Biphenyle) belastet sind. Insgesamt waren an 21 Stellen erhöhte Werte festgestellt worden. Die Stadt hatte daraufhin einen Klassenraum, Räume für die Schulleitung und einen Archivraum gesperrt. Seit Anfang Oktober fand kein Unterricht mehr im betroffenen Klassenraum statt. In der Woche vor den Herbstferien hatte die Schule deshalb Distanzunterricht verordnet.
Das Ganze hatte ordentlich Wirbel verursacht. Denn das Gebäude war bereits schon einmal wegen PCB saniert worden. Im Kollegium war daraufhin Unruhe aufgekommen, weil längst nicht alle Räume des BKO geprüft worden waren. Die Stadt sagt dazu jetzt: „Die bisherigen Ergebnisse erlauben noch keine abschließende Bewertung der Belastungssituation im gesamten Gebäude.“ Der Medizinische Dienst der Stadt sieht keine eindeutigen Hinweise auf eine gesundheitliche Belastung. Diese Einschätzung sei allerdings vorläufig und noch keine Bestätigung dafür, dass alle Räume gesundheitlich unbedenklich seien.
Weitere Untersuchungen
Deshalb hat die Stadt in den Herbstferien unter Begleitung eines externen Tüv-Gutachters Proben an 30 Standorten genommen. Die werden noch im Labor untersucht und die Ergebnisse im Anschluss mit Sachverständigen eingeordnet.
Weitere stichprobenartige Nachmessungen werden vorgenommen, „um die Entwicklung der Messwerte weiter beobachten und die Wirksamkeit der eingeleiteten Maßnahmen fachlich bewerten zu können“. Zudem können sich Lehrkräfte und andere dort Beschäftigte sowie besonders gefährdete Schülerinnen und Schüler untersuchen lassen, wenn sie etwa schwere chronische Erkrankungen haben.
„Insgesamt ist zu berücksichtigen, dass PCB im menschlichen Körper auch unabhängig von einer Exposition im BKO nachweisbar sein kann, insbesondere aufgrund der Aufnahme über die Nahrung“, sagt die Stadt. Man müsse den Einzelfall bewerten. Ein erhöhter Messwert allein heiße nicht zwangsläufig, dass eine Krankheit durch PCB verursacht worden sei.
Schutzmaßnahmen in die Wege geleitet
Auch Schutzmaßnahmen habe man in die Wege geleitet: Zum Ende der Herbstferien werde man eine Grundreinigung vornehmen, der Tüv hat zudem ein Reinigungs- und Lüftungskonzept erarbeitet. Das gilt ab sofort und könne bei Bedarf fortgeschrieben werden. „Darüber hinaus werden künftig regelmäßige Feinreinigungen durchgeführt, um die PCB-Belastung im Rahmen der fachlichen Empfehlungen zu reduzieren“, teilt die Stadt weiter mit. In allen Räumen werden auf Tüv‑Empfehlung Lüftungspläne ausgehängt. Die Informationen für Schüler, Eltern, Lehrkräfte und weitere Beschäftigte sowie der Öffentlichkeit sollen regelmäßig und transparent sein.
Mittelfristig erarbeite man ein Gesamtkonzept zur Senkung der PCB-Werte, das regelmäßig verbessert werden soll. Man möchte unter anderem die früheren Sanierungen aufarbeiten, regelmäßig nachmessen, weiter sanieren und gegebenenfalls Räume schließen und Unterricht auslagern.
Wenn das Konzept vorliege, werde es eine Infoveranstaltung für Eltern, Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte geben: „Ziel ist es, die neuen und bisherigen Untersuchungsergebnisse, deren fachliche Einordnung und die daraus resultierenden Maßnahmen verständlich zu erläutern und Fragen zu beantworten.“
Die Stadt zitiert Oberbürgermeister Stefan Hebbel und Gesundheitsdezernent Alexander Lünenbach: „Der Schutz der Gesundheit von Schülerinnen und Schülern, Lehrkräften und Beschäftigten hat bei allen weiteren Entscheidungen oberste Priorität. Die erforderlichen Schritte werden auf Grundlage der fachlichen Bewertungen und in Abstimmung mit den beteiligten Stellen festgelegt.“

