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Projekt des NabuKarte zeigt alte Entwässerungsgräben im Leverkusener Bürgerbusch

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Bürgerbusch: Im Wald gibt es Entwässerungsgräben aus historischer Zeit. Dieses Grabensystem liegt oberhalb der Gezelinkapelle.  Bild: Ralf Krieger

Bürgerbusch: Im Wald gibt es Entwässerungsgräben aus historischer Zeit. Das Grabensystem im Bild liegt oberhalb der Gezelinkapelle.

Der Nabu beschäftigt sich mit der Wiedervernässung von Landschaften. Der Bürgerbusch hätte viel Potenzial und dem zunehmend trockenen Wald wäre damit auch geholfen.

Viel war in diesem Sommer die Rede von Mooren, als das Hohe Venn bei Aachen brannte. Heute ist man froh über jedes Moor, das noch existiert, weil darin viel Regenwasser gehalten wird und ins Grundwasser sickern kann und weil ein Moor ein Speicher für Kohlenstoff in Form von abgestorbenen und konservierten Pflanzen ist.

Auch in der Leverkusener Gegend gab es nasse Wälder und Landschaften, die entwässert worden sind: Die sogenannte Bergische Heideterrasse war vormals ein bedeutender Wasserspeicher. Reste von dieser Landschaft sind noch vorhanden, auch in Leverkusen. Beim Nabu betreibt man seit drei Jahren ein Projekt zur Wiedervernässung einzelner Wälder und Landschaften, indem Entwässerungsgräben wieder verschlossen werden, weil sich die Bedingungen heute grundlegend geändert haben.

Im Bürgerbusch fließt Regenwasser oberirdisch ab. Aus heutiger Sicht ist das unsinnig: Das Grabensystem, zu dem dieses Rohr gehört, liegt oberhalb der Gezelinkapelle.

Im Bürgerbusch fließt Regenwasser oberirdisch ab. Aus heutiger Sicht ist das unsinnig: Das Grabensystem, zu dem dieses Rohr gehört, liegt oberhalb der Gezelinkapelle.

Dazu muss man zuerst wissen, wo Entwässerungsgräben liegen. Entweder kennt man den Wald in der Umgebung so gut, dass man weiß, wo die Gräben gezogen wurden, aber es gibt noch ein anderes Mittel zur Recherche. Frei abruf- und verfügbar im Netz werden spezielle Karten angeboten, die ausschließlich die Geländeoberfläche ziemlich genau darstellen. In den sogenannten „Geländeschummerungen“ sind Bäume, Pflanzen und Gebäude herausgerechnet worden. Die Darstellungen werden mithilfe von Satelliten erzeugt und zeigen etwa Bombentrichter im Wald und eben auch die alten Entwässerungsgräben. Auch beim Blick auf die Oberfläche des Bürgerbuschs zeigen sich eine Menge dieser Gräben, besonders in der Gegend an der Gezelinkapelle.

Martin Grund vom Nabu erklärte im Landschaftsbeirat am Dienstag das Verfahren: Die Gräben werden nicht einfach mit einem Bagger zugeschüttet. Das würde zwar funktionieren, aber es wäre ein viel zu schwerwiegender Eingriff, so Grund. Man schlägt an strategisch günstigen Stellen einfache, speziell für den Zweck gebaute hölzerne Barrieren quer zu den Gräben in den Boden und verhindert damit den Abfluss des Wassers. Die Holz-Schotte werden mit Erde zugedeckt und mit Gras bepflanzt, damit die Barrieren  noch halten, wenn das Holz schon verrottet ist. Diese Arbeiten werden ausschließlich von Freiwilligen gemacht, so bleibt das Projekt günstig. Die Erfolge seien enorm: Bald schon siedelten sich typische wasserliebende Pflanzen an und der Regen könne langsam versickern und fließe nicht mehr oberirdisch ab, sagte Martin Grund.

Eine sogenannte Schummerungskarte, die die Oberflächenstrukturen im Bürgerbusch zeigt. Die regelmäßigen Linien sind offenbar alte Entwässerungsgräben. Zur Orientierung ist der Standort der Gezelinkapelle und der Bürgerbuschbach eingezeichnet.

Eine sogenannte Schummerungskarte, die die Oberflächenstrukturen im Bürgerbusch zeigt. Die regelmäßigen Linien sind offenbar alte Entwässerungsgräben. Zur Orientierung ist der Standort der Gezelinkapelle und der Bürgerbuschbach eingezeichnet.

Der Nabu habe diese Wiedervernässung in Lohmar, in Langenfeld sowie im Gierather Wald in Bergisch Gladbach erfolgreich durchgeführt. Auch die Waldbesitzer seien damit sehr zufrieden, sagt Grund, weil heute in Zeiten von Dürre und Hitze so viel mehr Wasser für die Bäume im Wald gehalten werden könne.

Der Bürgerbusch, in dem auf der Schummerung viele Entwässerungsgräben sichtbar sind, ist bekanntlich ein Privatwald und solche Arbeiten können nur nach Erlaubnis durch die Inhaber ausgeführt werden. Bisher ist niemand an die Familie herangetreten.

Leverkusens heilige Quelle sprudelte immer schwächer

Der Grund um die Gezelinkapelle muss früher sehr viel wasserreicher als heute gewesen sein. Der Bürgerbusch in der Umgebung ist ein Bezirk, in dem Wasser versickert, das sich im Gezelinbrunnen sammelt, eine nasse Gegend. Wahrscheinlich deshalb finden sich in der Schummerung viele regelmäßige Strukturen, die die Entwässerungsgräben zeigen, die in historischer Zeit angelegt wurden. Wasser läuft oberflächlich ab, anstatt dass es versickern kann.

Geuzelinquelle Bild: Ralf Krieger

Der Gezelinbrunnen läuft zurzeit gar nicht.

Bis in die 1950er-Jahre sprudelte an der Gezelinkapelle über 800 Jahre lang eine sogenannte artesische Quelle, die Gezelinquelle, aus der ein angeblich heilsames Wasser sprudelte, das gegen Kopf- und Augenleiden helfen soll, wie es hieß.

Nach Erinnerungen älterer Schlebuscher wurde bei Kanalarbeiten neben der Kapelle die gewachsene Bodenstruktur gestört, danach versiegte die Quelle. Weil man nicht auf das heilige Wasser der Gezelinquelle verzichten wollte, grub man einen Brunnen genau unter dem Altar der Kapelle. Seither lässt sich das Wasser mit einer Pumpe fördern. Das funktionierte etwa bis 2018 ganz gut, mit der zunehmenden Dürre in den Sommern sank aber der Grundwasserspiegel im Brunnen. Nach Aussage des damaligen Küsters Kaltenbach um mehrere Meter. Damit die elektrische Pumpe, die an der Kapelle per Knopfdruck das heilsame Wasser fördert, nicht trockenläuft, hat die Kirchengemeinde den Betrieb auf wenige Stunden täglich beschränken müssen. Zurzeit ist die Pumpe ganz defekt.