Drei Jahre nach ihrem Umzug in einen Neubau hat die Pflegeschule ihre maximale Kapazität erreicht.
GesundheitswesenSo bearbeitet das Klinikum Leverkusen den Pflegenotstand

Barbara Freischütz vor dem Belegungsplan der Pflegeschule des Klinikums Leverkusen. Die 52-Jährige leitet die Einrichtung derzeit kommissarisch.
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Ayse Tirpan hat sich überzeugt: „Das ist ein wundervoller Beruf.“ Sie ist 23 Jahre alt, im dritten Ausbildungsjahr an der Pflegeschule des Klinikums und positiv überrascht. Sie hatte kein Vorwissen, kannte den Pflegeberuf höchstens aus dem Internet. Dort kommt er in der Regel als ultra-stressige Angelegenheit herüber: Unterbezahlte Leute haben in unterbesetzten Teams viel zu viel Arbeit – und unzufriedene Patienten.
Auf ihren Praxisstationen hat Ayse so etwas nicht erlebt. Jedenfalls nicht in dieser Intensität. „Natürlich gibt's anstrengende Tage“, sagt sie. Aber in welchem Beruf gibt es die nicht? Gleich zu Beginn war sie in der Wöchnerinnenstation des Klinikums. Seitdem ist klar: „Ich will da hin.“
Ihre Freundin Romy Steiner ist noch nicht derart entschieden. Sie wollte eigentlich studieren, hat aber zunächst ein FSJ im Klinikum gemacht. Und gemerkt: Die Pflege macht ihr „extrem viel Spaß“. Auch die Abwechslung: „Nach der Kinderstation kam direkt die Urologie“, erinnert sich die 22-Jährige. Einen größeren Kontrast kann man sich kaum vorstellen, aber Steiner findet das gut, auch den Anspruch, sich sehr schnell auf ganz unterschiedliche Menschen einzustellen.
Die Menschen geben einem so, so viel zurück
Was sie auf den Praxisstationen, im Klinikum und anderswo gemerkt hat: „Das Team ist total wichtig.“ Mit Blick auf die Patienten hat sie gemerkt: „Die Menschen geben einem so, so viel zurück.“

Romy Steiner (links) und Ayse Tirpan haben in gut einem halben Jahr Prüfung.
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Ist der Pflegeberuf also in Wahrheit ein beglückender Beruf? Wohl nicht immer. Sonst herrschte ja nicht so ein eklatanter Mangel in diesem Sektor. Im Klinikum Leverkusen ist man dem vor ein paar Jahren grundsätzlich begegnet: Die Pflegeschule wurde wesentlich vergrößert, und es wurde ein durchaus spektakulärer Neubau im Gesundheitspark errichtet. Die Kapazität beträgt nun maximal 240 Auszubildende: Es laufen neun Kurse für die dreijährige Ausbildung zur Pflegefachfrau und zum Pflegefachmann. Außerdem ein Kurs, der ein Jahr dauert und zur Pflegefachassistenz führt. Also das, was man früher Schwesternhelferin nannte.

Die Ausbildung muss so wirklichkeitsnah wie möglich sein. Das Lager ist deshalb voller Material.
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Unter Volllast arbeitet die Schule seit August, und das ist eine neue Erfahrung für Barbara Freischütz. Sie leitet die Schule kommissarisch – und mit sehr viel Herz. Im Vergleich zum Vorgängerbau ist das neue Gebäude natürlich sehr komfortabel. Hell und luftig, es gibt sogar eine Klimatisierung. Die Ausstattung wirkt modern und gediegen. Und es gibt so ziemlich alles, was vorkommt im Krankenhaus: Modelle, Gerätschaften, sogar Sekret schwappt in einer Schüssel unter Zellophan. Das wurde natürlich künstlich hergestellt.

Auf den ersten Blick wirken die Puppen menschlich. An ihnen wird geübt.
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In einem Zimmer liegt eine lebensecht wirkende Figur im Bett, auch das Gewicht stimmt. Eine andere Puppe sitzt am Fenster, ein Mann auf einem Toilettenstuhl. Hier können die Schülerinnen und Schüler zum Beispiel üben, wie man Patienten mobilisiert. Nach so einem Training fällt es leichter, echten Patientinnen und Patienten zu begegnen, vor allem: mit ihnen umzugehen. Gefragt sind Ernsthaftigkeit und Verantwortungsgefühl, sagt Barbara Freischütz: „Ein leichter Beruf ist das nicht“, aber inzwischen sei auch allen bewusst, dass es „ein sicherer Job ist“.
Deshalb gibt es auch Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger. Derzeit besuchen Menschen zwischen 18 und 53 Jahren die Pflegeschule. Unter ihnen sind auch internationale Pflegekräfte. Die Kerala-Connection des Klinikums hält seit rund vier Jahren und trage die erwarteten Früchte, berichtet die Schulleiterin.

Astrid Spickhoff vermittelt in der Klasse gerade die Unterschiede im internationalen Gesundheitswesen.
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International wäre die Schülerschaft allerdings auch so: Rund drei Viertel haben „irgendeinen Migrationshintergrund“, so Freischütz. In dem einen oder anderen Fall kann ein bisschen Sprachunterstützung Probleme beseitigen. Darauf, dass ihre Pflegeschule mit Anna Schulte eine Deutschlehrerin hat, die in Vollzeit arbeitet, ist Freischütz sehr stolz. Das ermögliche individuelle Förderung. Man möchte nicht, dass eine gute Pflegerin oder ein guter Pfleger durchs Staatsexamen rasselt, weil es an der Sprache hapert.
Netzwerk mit Langenfeld und Leichlingen
Als Vollversorger kann das Klinikum die meisten Stationen selbst anbieten. Wenn es um Geriatrie und Psychiatrie geht, nutzt das Klinikum ein Netzwerk mit der Landesklinik in Langenfeld und dem Altenheim Hasensprungmühle in Leichlingen. Die wiederum unterhalten Beziehungen zu vielen anderen Häusern. Für Vielfalt ist also gesorgt. Das muss auch sein, denn die dreijährige Ausbildung besteht aus 2100 Stunden Theorie, die von 20 Lehrkräften besorgt werden, aber 2500 Stunden Praxis. Um den praktischen Teil der Ausbildung zu organisieren, braucht die Pflegeschule sechs Koordinatoren.
Für Freischütz steht fest, dass der praktische Teil das eigentlich Entscheidende ist. Es sei beeindruckend, wie viel die Schülerinnen – sie stellen rund 85 Prozent – „über andere Menschen lernen“. Da sind die Leiterin und ihre beiden Schülerinnen Ayse und Romy einer Meinung – und das unabgesprochen und völlig unabhängig voneinander.
