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„Europa lebt vor Ort“„Leverkusener Erklärung“ soll Menschen zusammenbringen

Der Opladener Geschichtsverein hat ein neues Netzwerk-Projekt begonnen.

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Guido von Büren (v.l.) und Michael Schimdt freuen sich, als OB Stefan Hebbel die Leverkusener Erklärung unterzeichnet.

Die „Leverkusener Erklärung“ beginnt mit großen Worten: „Wir [...] sind vereint in der Überzeugung, dass Europa in seinen Städten und Gemeinden gebaut wird. Es wächst überall dort, wo Menschen einander begegnen, sich mit ihrer Geschichte auseinandersetzen, Verantwortung übernehmen und ihre gemeinsame Zukunft demokratisch gestalten.“

Hinter der Erklärung, die am Freitagmorgen auch der Leverkusener Oberbürgermeister Stefan Hebbel in der Geschichts-Galerie des Opladener Geschichtsvereins (OGV) in der Rathaus-Galerie unterzeichnete, stehen Vertreterinnen und Vertreter aus verschiedenen europäischen Städten. Namen aus Leverkusen und Jülich natürlich, aus Delphi (Griechenland), Battipaglia (Italien), Gabrovo (Bulgarien), Bracknell (England) und Villeneuve d'Ascq (Frankreich) stehen auf der Liste. Und es gibt noch weitere Partner wie Nikopol (Ukraine), Oulu (Finnland), Racibórz (Polen) und Schwedt/Oder.

Vom OGV heißt es: „Die Erklärung beruht auf der Überzeugung, dass Europa in seinen Städten und Gemeinden entsteht: dort, wo Menschen einander begegnen, sich mit ihrer Geschichte auseinandersetzen, Verantwortung übernehmen und ihre gemeinsame Zukunft demokratisch gestalten.“

Gemeinsamer Workshop als Ausgangspunkt

Ausgangspunkt der Erklärung ist das Netzwerk „Stadträume/UrbanSpaces“, das es seit 2020 gibt und dem unter anderem der OGV und der Jülicher Geschichtsverein angehören. Die Beteiligten arbeiten länder- und generationenübergreifend zusammen. Am zweiten Septemberwochenende in diesem Jahr hatte man sich in Leverkusen zu einem Workshop mit dem Titel „Europa vor Ort – Stadtentwicklung, Demokratie und Erinnerungskultur in europäischen Städten“ getroffen. Dabei entstand die „Leverkusener Erklärung“.

Hinter der sollen sich verschiedene Partner versammeln. Sowohl lokal als auch international. Es gehe darum, alte und neue Partner zusammenzubringen, sagt Guido von Büren, der Vorsitzende des Jülicher Geschichtsvereins, am Mittwochmorgen. Die Erklärung soll den Rahmen dafür festlegen, wofür man stehe, wo man hinwolle und wie man zusammenarbeiten könne.

Der Gedanke dahinter sei auch, dass Menschen europaweit zueinanderfänden, sagt Michael Schmidt vom OGV. Denn die Menschen seien aktuell verunsichert angesichts vieler Konflikte und uneingelöster Versprechen. Die Demokratie sei zerbrechlich gerade. Und die Geschichtsvereine könnten durch ihre Aktivitäten einen großen Teil dazu beitragen, etwas aus historischen Entwicklungen zu lernen und „ein Netzwerk zu bilden, in dem wir zusammenarbeiten“.

Wir treten für Menschenwürde, Freiheit, Demokratie, Gleichheit, Rechtsstaatlichkeit, Menschenrechte, Pluralismus, Toleranz, Solidarität und Frieden ein.
Aus der „Leverkusener Erklärung“

Was noch ganz am Anfang steht, soll sich aber nicht auf Hobbyhistoriker oder professionelle Historiker beschränken. Die Unterzeichner hoffen, dass sich auch Vereine und Institutionen aus Sport, Kultur und anderen gesellschaftlichen Bereichen anschließen. Oder auch Privatpersonen. Denn dann könne alles konkret werden. Das Netzwerk der „Leverkusener Erklärung“ könnte dann dabei helfen, in internationalen Austausch und Kontakt zu kommen. Oder Fördermittel zu generieren.

Wenn ein Fußballverein mal ein internationales Turnier ausrichten will, zum Beispiel, bringt OB Stefan Hebbel vor. Er unterzeichnete am Freitag symbolisch für die Stadt Leverkusen ebenfalls die Erklärung. Er stimmt von Büren und Schmidt zu: „Europa lebt vor Ort“. Von Austausch und Kommunikation. Und das soll durch die „Leverkusener Erklärung“ angestoßen werden.

Und wenn man sich mit Partnerstädten vernetze, hätten die wieder weitere Partnerstädte, die dazukommen könnten, schwebt Michael Schmidt vor. Er betont auch, wie wichtig es sei, dass sich junge Menschen dazu bekannten. Dass sie dabei seien und internationale Kontakte pflegten. Das sei – und das wisse er aus eigener Erfahrung – der beste Weg, um rassistischen Vorurteilen vorzubeugen.

Die Erklärung ist auf drei Säulen aufgebaut: Netzwerk, Jugendbeteiligung und Bildung. Thematische Leitlinien sind Erinnerungskultur, Demokratie, Stadtentwicklung und die europäische Idee. Im Schriftstück heißt es: „Wir treten für Menschenwürde, Freiheit, Demokratie, Gleichheit, Rechtsstaatlichkeit, Menschenrechte, Pluralismus, Toleranz, Solidarität und Frieden ein.“ Man schütze die offene Debatte und wende sich gegen „Diskriminierung, Rassismus, Antisemitismus, Hass, Geschichtsverfälschung und antidemokratische Narrative“.

Die Beteiligten haben bis 2030 ein Arbeitsprogramm entwickelt. Im ersten Schritt soll jeder Partner zwei Ansprechpersonen für das Projekt benennen, eine davon müsse eine junge Person sein. Mindestens viermal im Jahr trifft sich eine gemeinsame Steuerungsgruppe online. Einmal im Jahr soll es ein „offenes europäisches Netzwerkforum“ geben. Acht weitere Schritte enthält das Arbeitsprogramm, an dessen Ende im Jahr 2030 diverse Projekte umgesetzt sein sollen.

Die „Leverkusener Erklärung“ kann man sich auf der Internetseite des Opladener Geschichtsvereins herunterladen und ausfüllen.

www.ogv-leverkusen.de