Mitarbeitende des Naturguts Ophoven haben den Raum nach ihrer Vorstellung zum Thema Mut gestaltet.
AusstellungLeverkusens Museum Morsbroich hat jetzt einen „Mutproberaum“

Lucia Riemenschnitter (r) mit Gestaltenden des Naturguts Ophoven im neuen „Mutproberaum“
Copyright: Stefanie Schmidt
Mut ist aktuell das zentrale Thema des Naturguts Ophoven. Weil das Hauptgebäude und damit auch die eigentlichen Ausstellungsräume flutsaniert werden, findet die pädagogische Arbeit des Umweltbildungszentrums vor allem in der „Mutreiferei“ an der Stauffenbergstraße statt. Mit dem Museum Morsbroich besteht seit 2021 eine enge Kooperation für gemeinsame Projekte und Ferienprogramme.
So war schnell klar, welches Thema die Mitarbeitenden des Naturguts dem „Proberaum“ geben wollen, den das Museum Morsbroich immer verschiedenen Gruppen – und dieses Mal eben dem Umweltbildungszentrum – zur Gestaltung freigibt. „Der Proberaum ist ein Konzept im Museum, in dem nicht die Kuratoren entscheiden“, erklärt Lucia Riemenschnitter, Kunstvermittlerin am Museum Morsbroich, die Idee des seit 2023 bestehenden Raums. „Die Gestalter dürfen Werke aus unserer Sammlung verwenden und nach ihren Ideen zusammenstellen oder ergänzen. Dadurch lernen wir auch ganz viel für unsere Arbeit – indem wir einfach mal die Perspektive wechseln.“

„12+1“ des Bildhauers Michael Schoenholtz
Copyright: Stefanie Schmidt
So wurde der „Proberaum“ nun zum „Mutproberaum“. Zentrales Element ist das Werk „12+1“ des Bildhauers Michael Schoenholtz aus der Sammlung des Museums. Dabei handelt es sich um Marmorplatten in unterschiedlicher Größe und Strukturierung, die auf dem Holzboden des Raums ausgelegt sind.
Schoenholtz, 1937 in Duisburg geboren und 2019 in Berlin gestorben, zählt zu den bedeutenden deutschen Bildhauern seiner Generation. Seine Arbeiten in reduzierter, elementarer Formensprache sind in zahlreichen renommierten Sammlungen vertreten – darunter die Neue Nationalgalerie Berlin und das Museum Folkwang in Essen. Mit dem Museum Morsbroich verbindet ihn eine langjährige Geschichte: Bereits 1992 war er dort mit einer Einzelausstellung zu Gast.
Bunte Farben zu hellem Marmor
Ergänzt haben die Mitarbeitenden die Skulptur durch die gleiche Anzahl an ganz unterschiedlich farbigen Vierecken an Wänden und an der Decke des Raums. Alles aus Restbeständen, entweder des Museums oder des Naturguts, es wurde nichts neu gekauft, betonen die Organisatoren den Nachhaltigkeitsgedanken. „Die Farben sollen dazu anregen, sich mit dem Thema Mut auseinanderzusetzen, sich zu fragen: Was bedeutet Mut für mich?“, erklärt Ute Pfeiffer-Frohnert. „Die Marmorplatten sind spannend in ihrer Struktur, durch ihre Einfarbigkeit sollen sie aber Raum für eigene Gedanken und Gefühle bieten.“

Persönliche Mitteilungen zum Thema „Mut“
Copyright: Stefanie Schmidt
Dass das tatsächlich gut funktioniert, zeigen die beschreibbaren Magnetplatten im Vorraum. Hier sind alle Besucher dazu angehalten, aufzuschreiben, was Mut für sie bedeutet. „Wir haben 60 Platten mitgebracht und dachten, die brauchen wir nie alle. Aber schon nach ein paar Tagen rief Lucia an und fragte, ob wir noch mehr haben“, erzählt Pfeiffer-Frohnert. Neben Wortspielen wie „öfter mal einen Mutausbruch wagen“ finden sich hier auch Mitteilungen, die unter die Haut gehen. Etwa von einer Mutter, die ihren Sohn durch Suizid verloren hat. „Mut bedeutet, weiterzuleben, auch wenn mir das Schlimmste passiert ist, was einer Mutter passieren kann.“
So bedrückend diese Worte sind, so froh ist Riemenschnitter, dass der „Mutproberaum“ seinen Sinn erfüllt: einen geschützten Raum bieten, der zum Nachdenken anregt und in dem man Gefühle auch rauslassen kann.

