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Auch im Deutzer RheinparkBis heute fahren viele Lokomotiven „Made in Leverkusen“

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Schwingel Lokomotive der Kleinbahn im Rheinpark in Köln  Bild: Ralf Krieger

Eine Leverkusener Lokomotive der Firma Schwingel fährt täglich bei der Kleinbahn im Rheinpark in Köln.

Sein Hobby Eisenbahn brachte den Leverkusener Unternehmer Paul Schwingel dazu, Parkbahnen zu bauen. Die Lokomotiven laufen bis heute und werden erhalten, auch weil es heute an Herstellern mangelt. 

Lange bevor es das Kölner Schokobähnchen gab, das streng genommen gar keine echte Bahn ist, weil es auf der Straße fährt, drehte eine echte kleine Eisenbahn ihre Runden: die Kleinbahn im Kölner Rheinpark. Nahezu unbekannt ist, dass die zwei Lokomotiven im Western-Stil aus einer früheren Leverkusener Produktion stammen, von der Firma Schwingel aus Bürrig.

Angetrieben von Dieselmotoren ziehen sie seit Jahrzehnten die an den Seiten offenen Waggons über das zwei Kilometer lange Gleis. Vorbei am großen Spielplatz, über den ausgetrockneten Rasen, hinter dem restaurierten Café zur Station der Seilbahn und der Therme, wo es einen kleinen Bahnhof gibt. Dann weiter auf dem Rundkurs immer gegen den Uhrzeigersinn, in einer langen Geraden am Rhein entlang zum zweiten Bahnhof am Tanzbrunnen, das ist gewissermaßen der Hauptbahnhof, dort gibt es nämlich einen kleinen Kiosk am Bahnsteig.

Firmenschild Schwingel-Lokomotive Foto: Wikipedia/Urmelbeauftragter

Firmenschild an einer Schwingel-Lokomotive

Historische Quellen über die Firma Schwingel zu finden, ist kaum möglich. Selbst in üblicherweise gut gefüllten Archiven der Stadthistoriker nicht. Ein paar Fragmente hat der Eisenbahnhistoriker Jörg Seidel vom Rheinischen Industriebahnmuseum Köln gesammelt, die er zur Verfügung gestellt hat.

Schwingel-Lokomotive im Rheinpark Köln  Bild: Ralf Krieger

Eine Bimmelbahn benötigt eine Glocke

Bekannt ist: Die Firma hatte ihren Sitz an der Moselstraße in Leverkusen-Bürrig. Der Lokomotivbau war nicht das Hauptgeschäft des Metallbaubetriebs. Geld wurde offenbar hauptsächlich mit dem Bau von Kesseln und Anlagen für die chemische Industrie verdient – bis die Firma am 1. Dezember 1994 Insolvenz anmelden musste. Ob zu der Zeit noch die netten Kleinlokomotiven gebaut wurden, ist unbekannt. 

Leverkusen: Der Firmenchef bei Schwingel arbeitete bis er 90 war

Der Lokomotivbau in der Firma soll seinen Ursprung im Hobby des Firmengründers und Inhabers Paul Schwingel gehabt haben. Zum Zeitpunkt der Insolvenz war der Firmenpatriarch 87 Jahre alt. Laut Artikel im „Leverkusener Anzeiger“ hat er zwar versucht, Geschäftsführer in seiner Firma zu installieren, aber er war offenbar wiederholt gezwungen, das Ruder auch im hohen Alter selbst zu übernehmen.

werksfotoSchwingel Wunderlandexpress Foto: Schwingel Werkfoto, Sammlung Jörg Seidel

Ein Werksfoto in den Produktionshallen bei Schwingel: Die farbenfrohe Lok wurde für den Wunderlandexpress hergestellt.

In Hochzeiten beschäftigte Schwingel 160 Personen, die Hälfte von ihnen im Zweigwerk Kürten. Schwingel hatte in Bürrig ein eigenes Versuchsgelände für seine Eisenbahnen. Ein damaliger Nachbar erinnert sich, dass es für die Nachbarskinder das Größte gewesen sei, mit den Parkbahnen bei Probefahrten mitfahren zu dürfen.

Zur Produktpalette gehörten transportable Garten- und Kindereisenbahnen zum Mitfahren, die Schwingel zum Beispiel 1963 auf der Nürnberger Spielwarenmesse anbot. Bahnen aus Leverkusen fahren in Heidelberg, in Den Haag, in Haßloch, in Berlin, bei München, in Groß Gerau und an vielen anderen Orten. 

Einschienenbahn, Firma Schwingel Leverkusen,  Foto: Wikipedia/Michiel1972

In den Niederlanden im Drievliet Family Park fährt diese Rarität: eine Leverkusener Einschienenbahn von Schwingel.

Der Metallbauer Jürgen Pistel aus Bürrig hat sein gesamtes Arbeitsleben, „vom Lehrling bis zur Insolvenz“, bei Schwingel verbracht, auch als Betriebsrat. Die kleinen Lokomotiven mit der Spurweite von 60 Zentimetern seien von Grund auf in der Firma konstruiert und hergestellt worden. Man habe nicht nur Eisenbahnen gebaut, auch eine Einschienenbahn, die in den Niederlanden vom „Familiepark Drievliet“ gekauft wurde.

Gebäude ehemaliges Verwaltungshaus Schwingel Moselstraße. Heute WISAG.  Ralf Krieger

Gebäude ehemaliges Verwaltungshaus Schwingel Moselstraße. Heute WISAG.

„Der Chef hat selbst mit uns an den Loks gebastelt, er hatte daran seinen Spaß“, sagt Pistel. In seinem Haus in Wermelskirchen hatte Schwingel ein eigenes Gartenbahn-Gleis liegen. Den alten Schwingel hat Pistel in bester Erinnerung: Der Mann sei lustig gewesen: „Er war ein großzügiger Mensch.“

Garten Britz, Schwingel-Lokomotive  Foto: Wikipedia/Reinhard Dietrich

Eine Schwingel-Lokomotive in Berlin im Garten Britz.

An der Eifelstraße und am Rüttersweg, unweit der Firmenzentrale, errichtete der Unternehmer 40 Werkswohnungen; auch eine Betriebsrente soll zu den sozialen Errungenschaften bei Schwingel gehört haben.

Pistel (86) wohnt noch heute in der alten Werkswohnung. Die Motivation, die Wohnungen zu bauen, sei Fachkräftemangel gewesen. Mit einer Wohnung habe man Spezialisten im Betrieb halten können. Praktisch sei gewesen, erinnert sich der ehemalige Betriebsrat, dass, wenn eine Mieterhöhung im Gespräch gewesen sei, man das Wort Lohnerhöhung ausgesprochen habe.

Leverkusener Lokomotiven laufen in Freizeitparks

Die Leverkusener Lokomotiven laufen auch heute noch in vielen Freizeitparks. Ganz in der Nähe kann man selbst eine Runde mit ihnen drehen: Sie laufen im täglichen Alltagsbetrieb von März bis in den Spätherbst bei der Kleinbahn im denkmalgeschützten Kölner Rheinpark.

Felix Knetsch ist seit zehn Jahren Inhaber der Kleinbahn in Köln Deutz, womit ihm auch die Lokomotiven gehören. Eine fährt dort seit 1972, die zweite hat der Park 1992 aus Hannover übernommen.

Seine zwei Schwingel-Lokomotiven zu erhalten, ist für ihn Freude am Parkbahngeschäft, aber auch die pure Notwendigkeit: „Sie finden heute niemanden mehr, der solche Lokomotiven herstellt. Sie finden auch ganz schwer nur jemanden, der ihnen mal eben ein neues Rad für die Fahrzeuge dreht.“ Dass mittelgroße Metallbau-Firmen vom Markt verschwunden sind, hat eine Lücke hinterlassen.

Die Porsche Lok im Rheinpark in Deutz.

Die Porsche-Lok im Rheinpark in Deutz stammt nicht von Schwingel Leverkusen, ist aber auch schön.

Zum Glück hat Knetsch einen Mitarbeiter, der handwerklich gut drauf sei. Er statte gerade eine der beiden Leverkusener Westernloks mit einem neuen Gestell aus. So lange muss die zweite Lok durchhalten. Im Herbst soll sie fertig sein, dann geht die zweite in die Revision. Die Lokomotiven sind in den Jahren technisch verändert worden: Von Schwingel wurden sie mit luftgekühlten Deutz-Motoren ausgeliefert. Die Kühler haben sich aber mit Pappelsamen zugesetzt und seien heißgelaufen. Inzwischen habe man wassergekühlte Dieselmaschinen eingesetzt, natürlich auch von Deutz, mit 34 PS.

Zum Fuhrpark gehört noch eine Original Porsche-Bundesgartenschau-Lok, „Mondzug“ genannt. Die habe man aufwändig restaurieren müssen, sagt Knetsch. „Die Ersatzteile sind wie Gold.“ Knetsch will die Lok im Herbst vorsichtig vormittags testen, weil die Gefahr besteht, dass sie liegenbleiben könnte, was bei einem Rundkurs schwierig sei. Außerdem sitzt der Lokführer in der Porsche wie in einem Rennwagen fest, ein eigener Schaffner sei für den Kartenverkauf anzustellen. Im kommenden Jahr soll die Porsche-Lok öfter eingesetzt werden. So lange machen die Leverkusener Loks die Arbeit.

Der Unternehmer Paul Schwingel starb vor fast genau 20 Jahren im Alter von 99 Jahren.