PetitionPfleger aus Leverkusen schlagen Alarm wegen fehlender Heimplätze

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Eine Pflegekraft (l) begleitet die Bewohnerin eines Altenheims beim Gang über den Flur.

Der Arbeitskreis Leverkusener Berufsbetreuer fürchtet, dass Leverkusen in Sachen Pflegeplätze unterversorgt ist.

Die Stadt Leverkusen reagiert auf den Vorstoß des Arbeitskreises der Berufsbetreuer – und verweist auf viele Sachzwänge.

Der Arbeitskreis Leverkusener Berufsbetreuer schlägt Alarm: Die professionellen Pflegekräfte fürchten, dass es in Leverkusen zu wenig stationäre Betreuungsplätze, also Plätze in Pflegeheimen, gibt. Eine Petition mit dem Titel „Sorgen Sie bitte dafür, dass stationär pflegebedürftige Leverkusener Bürger in Leverkusen einen Heimplatz finden“, hat Marin Kaldik stellvertretend für den Arbeitskreis jetzt bei Oberbürgermeister Uwe Richrath eingereicht.

Dem Arbeitskreis gehören laut Kaldik 19 Mitglieder an, er ist ein „nicht institutionalisierter freier Zusammenschluss von in Leverkusen tätigen freiberuflichen gerichtlich bestellten Betreuerinnen und Betreuern“. Sie vertreten in der Stadt mehrere Hundert betreute Personen. „In unserer täglichen Arbeit erfahren wir – in den letzten Jahren stetig zunehmend–, dass Leverkusener Bürger, die stationär pflegebedürftig sind, in Leverkusen keinen Heimplatz finden“, heißt es im Schreiben an den Oberbürgermeister.

Viele Leverkusener finden Plätze in der Region

Häufig müsse dann ein Heimplatz in der Umgebung von Leverkusen gefunden werden, „was für Angehörige oder Freunde häufig bedeutet, dass Besuche gar nicht mehr oder nur selten möglich sind“. Der Arbeitskreis habe den Eindruck, dass Leverkusen mit Pflegeheimplätzen unterversorgt sei. Inoffiziell hätten Verwaltungsmitarbeiter das auch bestätigt. „Fakt ist, dass Leverkusen heute weniger Heimplätze hat als noch vor zehn Jahren, und das bei stetig steigender Zahl von älteren Menschen“, so die Berufsbetreuer.

Laut der Petition habe es im März diesbezüglich bereits ein Gespräch mit der Leitung des Fachbereichs Soziales gegeben, das sei allerdings ergebnislos verlaufen. Ende März habe der Arbeitskreis deshalb einen Brief an den Dezernenten Alexander Lünenbach geschrieben, der allerdings „bis heute unbeantwortet blieb“. Das sei allerdings gar nicht bei ihm eingegangen, erklärt der Dezernent nun in einem Antwortschreiben an die Unterzeichner der Petition.

Leverkusen: Stadtverwaltung äußert Verständnis

Lünenbach äußert Verständnis für die Sorge des Arbeitskreises: „Ihr Anliegen kann ich sehr gut nachvollziehen, denn auch meine Mitarbeitenden aus der Pflege- und Wohnberatung der Stadt Leverkusen stehen oft vor schwierigen Versorgungssituationen, die ebenfalls durch Rückgriff auf auswärtige Pflegeeinrichtungen gelöst werden müssen.“ Im Klartext: Auch die Stadtverwaltung muss Pflegebedürftige im Umkreis von Leverkusen in Heimen unterbringen.

Die letzte Einrichtung dieser Art in Leverkusen ist 2008 eröffnet worden, also vor anderthalb Jahrzehnten. „Seitdem hat es durch das Alten- und Pflegegesetz NRW und das Wohn- und Teilhabegesetz erhebliche Einschränkungen durch Vorgaben zu Platzzahlen, Einzelzimmerquoten und Ausstattungsdetails gegeben, die zu einem gesetzlichen Platzabbau geführt haben“.

Zudem gebe seit Corona weniger Pflegekräfte, was zu „Einschränkungen in der Versorgungskapazität der Einrichtungen“ führe. Und auch in der Pflege gelte: Die Einrichtungen spüren den Fachkräftemangel. Zudem setze der Gesetzgeber den Einrichtungsträgern „enge Grenzen für die Refinanzierung – insbesondere von Zeitarbeitskräften“. An diesen Vorgaben könne die Kommune nichts ändern, aber man bemühe sich sehr, „eine leistungsfähig und nachhalte Versorgungs- und Unterstützungsinfrastruktur in Pflege und Beratung“ sicherzustellen.

Einfacher, schneller und realistischer wären zusätzliche ambulante Wohngruppen.
Alexander Lünenbach, Dezernent Stadt Leverkusen

Laut Lünenbach hat sich die Zahl der Plätze in teilstationären Einrichtungen in der Stadt seit 2020 mehr als verdoppelt, auf 99 Tagespflegeplätze. Außerdem gibt es inzwischen fünf ambulante Wohngruppen für demente Menschen mit 59 Plätzen. Für nicht-stationäre Betreuung, also die Betreuung zu Hause, gibt es neun Gruppenbetreuungsangebote und 51 Angebote zur Unterstützung im Alltag.

Lünenbach nennt in seiner Antwort Zahlen für Leverkusen: Stand 31. Dezember 2021 gab es in Leverkusen 12.255 pflegebedürftige Personen, 1179 von ihnen waren oder sind stationär versorgt. Weitere Heimplätze zu schaffen, sei schwierig. „Einfacher, schneller und realistischer wären zusätzliche ambulante Wohngruppen.“

Eine Unterversorgung, wie sie in der Petition formuliert wird, kann Lünenbach nicht feststellen. Etwa zehn Prozent der Heimplätze würden von Nicht-Leverkusenern belegt. Außerhalb der Stadtgrenzen (Stand: Mai 2023) würden 524 Menschen versorgt.


Aktueller Stand in Leverkusen

Stand Ende 2021 gab es den Zahlen der Stadt nach in Leverkusen 35.944 Menschen, die älter als 65 Jahre sind, das entspricht einem Bevölkerungsanteil von rund 21,5 Prozent. Davon waren 5920 Menschen älter als 85. Das Durchschnittsalter in Pflegeeinrichtungen in Leverkusen lag 2021 bei knapp 84 Jahren. Den größten Anteil an älteren Menschen gibt es der Statistik nach in Schlebusch-Zentrum (68,8 Prozent), den geringsten im Wohnpark Steinbüchel (10,4 Prozent).

Es gibt zwölf Altenheime (1346 Plätze, davon 97 für Kurzzeitpflege), ein Hospiz (zwölf Plätze), 26 ambulante Pflegedienste, fünf Tagespflegen. Seit 2012 bis Ende 2021 hat die Stadt Leverkusen 106 stationäre Pflegeplätze verloren, was nach städtischen Angaben auch damit zusammenhängt, dass zwei der zwölf Einrichtungen noch für die gesetzlichen Anforderungen im Umbau waren. Die Pflegestatistik weist für das Jahr 2003 in Leverkusen 3491 Menschen in der stationären Pflege aus, 2019 waren es 9897 und 2021 12.255.

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