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Bauen, kaufen, mietenSo wohnt Leverkusen

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Diese Wohnungen in der Kolonie III in Wiesdorf sind über 100 Jahre alt.

Diese Wohnungen in der Kolonie III in Wiesdorf sind über 100 Jahre alt.

Die Stadt hat den Wohnungsmarktbericht veröffentlicht.

Welche Relevanz das Thema Wohnen hat, umschreibt die Stadt in ihrem kürzlich veröffentlichten Wohnungsmarktbericht treffend: „Die Wohnungsnachfrage war in den vergangenen Jahren und bleibt auch gegenwärtig eine zentrale Frage unserer Zeit.“ Sich eine Bleibe leisten zu können, wird für viele Menschen immer mehr zur existenziellen Frage. Steigende Mieten machen ihnen das Leben schwer, Wohnraum fehlt, vor allem bezahlbarer, während Vermieter beklagen, dass wirtschaftliches Vermieten immer schwerer werde.

Der Wohnungsmarktbericht belegt: Leverkusen wächst. 170.329 Menschen lebten zum Stichtag 31. Dezember 2024 in der Stadt. In den vergangenen zehn Jahren sei die Bevölkerungszahl um rund vier Prozent gestiegen, so die Stadt. Das sei besonders „auf die Zuwanderung aus Kriegs- und Krisengebieten zurückzuführen“. Eine Aussage darüber zu treffen, ob das so weitergeht, sei angesichts der Dinge, die derzeit in der Welt passieren, nicht zu treffen.

Umzüge

Innerhalb Leverkusens sind im Jahr 2024 so wenig Menschen umgezogen wie seit 20 Jahren nicht: 43 pro 1000 Einwohner. Die Erklärung der Stadt: „In den aktuell unsicheren Zeiten mit Mietpreissteigerungen und Bauzurückhaltung sowie steigender Armut wird der freie, preisgünstige Wohnraum immer knapper und der Umzugswille sowie die Möglichkeiten immer weiter eingeschränkt.“ Oder anders gesagt: Wenn die Nachfrage groß, das Angebot angesichts des angespannten Markts aber gering sei, können weniger Menschen umziehen.

Pendler

Leicht gestiegen ist die Zahl der Menschen, die beruflich nach Leverkusen pendeln: von 44.298 auf 44.332 Menschen. Etwas weniger geworden ist die Anzahl der Menschen, die in Leverkusen wohnen, aber woanders arbeiten: von 44.211 auf 44.182. Die meisten Pendelbeziehungen gibt es mit der Stadt Köln, dann kommen Düsseldorf, Bergisch Gladbach und Langenfeld. Der Schluss der Stadt: „Die intensiven Auspendlerströme, vor allem in die Domstadt, deuten darauf hin, dass Leverkusen eine attraktive Wohnstandortlage und eine Alternative zum angespannten Wohnungsmarkt in Köln bietet.“

Haushalte

Ende 2024 zählte die Stadt insgesamt 83.805 Haushalte, es leben im Schnitt also knapp zwei Personen in einem Haushalt. 45 Prozent der 83.805 Haushalte seien Einpersonenhaushalte. 4,2 Prozent sind Alleinerziehende. Die meisten Einpersonenhaushalte (jeweils rund die Hälfte aller Einwohner dort) gibt es in Wiesdorf und Opladen. Auffällig: Immer mehr jüngere und ältere Menschen leben allein, so die Stadt. Dass aber weniger Menschen in einem Haushalt leben, hat zur Folge, dass der Verbrauch von Wohnfläche steigt: „Der Trend wird sich auch in der Zukunft fortsetzen, so dass der Bedarf an zusätzlichem Wohnraum in Leverkusen vor dem Hintergrund der Zuwanderung und entsprechend zunehmenden Haushalten weiter anhalten wird.“

Wohnungsbestand

85.724 Wohnungen gab es im Jahr 2024 in Leverkusen, steht im Wohnungsmarktbericht. 69 Prozent davon (59.098) sind Geschosswohnungen. Der Wohnungsbestand ist im Vergleich zu 2023 ganz leicht gestiegen, um 0,3 Prozent. Das Verhältnis von Ein- zu Mehrfamilienhäusern liege bei 71 zu 29. „Die Bautätigkeit […] bewegt sich seit mehr als 20 Jahren mit vereinzelten positiven „Ausreißern“ eher im niedrigeren und zurückhaltenden Bereich“, ordnet die Stadt ein. In den 90ern sei das noch anders gewesen. Allerdings sei die Bauintensitätsziffer, aufgrund derer die Stadt diese Aussage getroffen hat, wenig verlässlich. Das liegt zum Beispiel daran, dass nicht einberechnet sei, dass bei einem Rückgang von Wohngebäuden Um- oder Ausbauten nicht einberechnet seien.

Trotzdem: „Es ist jedoch davon auszugehen, dass die Zurückhaltung der Investitionen und die Erholung aus der schwierigen Lage im Bausektor sich nicht so schnell ändern werden und die Bauintensität sich weiterhin auf einem niedrigen Niveau bewegen wird.“ Knapp ein Drittel aller Wohngebäude sind in den 50er- bis 70er-Jahren gebaut worden. Nach 2000 sind 14 Prozent gebaut worden, nach 2016 2,2 Prozent. Den größten Anteil bilden Drei- bis Vierzimmerwohnungen: 60 Prozent. 27 Prozent der Wohnungen haben fünf oder mehr Zimmer, in NRW liegt der Schnitt bei 34 Prozent. Eine Leverkusener Wohnung hat im Durchschnitt 86 Quadratmeter, 33 Prozent der Eigentümer wohnen selbst in ihren Wohnungen, der Rest vermietet.

Baugenehmigungen

195 Wohnungen sind im Jahr 2024 in Leverkusen fertiggestellt worden, das ist ein Plus von rund acht Prozent. Baugenehmigungen sind allerdings wenige: 243. Im Jahr 2019 waren es noch 724. In den vergangenen zehn Jahren sind 3400 Wohnungen genehmigt, aber nur 3200 tatsächlich gebaut worden. Dieser Bauüberhang steige auch weiter an: „Laut dem Wohnungsbauprogramm 2030+ müssten bis zum Jahr 2035 jährlich 520 Wohnungen neu gebaut werden, um den Bedarf decken zu können.“

Leerstände

Die Leerstandsquote ist von 2023 auf 2024 gesunken: von 1,4 auf 1,1 Prozent. 444 Wohnungen stehen seit einem Jahr leer, 461 seit mehr als einem Jahr. Insgesamt liegt der Leerstand bei 905 Wohnungen (1193 im Jahr 2023). Die höchste Leerstandsquote gibt es in Küppersteg, Bergisch Neukirchen und Schlebusch-Süd (1,4 Prozent), die niedrigste in Alkenrath mit 0,5 Prozent: „Die unterschiedlichen Leerstandsquoten in den Stadtteilen lassen sich in der Regel mit dem Alter, dem Gebäudetyp, der Qualität, dem Wohnumfeld und damit einhergehenden Attraktivitätssteigerungen bzw. -verlusten des Wohnungsangebotes erklären.“

Geförderter Wohnraum

„Die Bestände an geförderten Wohnungen in Leverkusen schrumpfen kontinuierlich seit bereits mehr als 20 Jahren.“ Ende 2024 gab es in Leverkusen 4684 geförderte Wohnungen (Miete und Eigentum), das sind 155 weniger als 2023. Rund fünf Prozent des mehrgeschossigen Wohnungsbestandes sind öffentlich gefördert. Anfang der 90er wurden im Schnitt etwa 300 Wohnungen im Jahr gefördert, zwischenzeitlich lag der Wert mal bei 0, jetzt sind es bis zu 64. „Bereits im letzten Jahr ist die Zahl der geförderten Mietwohnungen im Neubau deutlich gesunken. In diesem Jahr erreichte sie mit nur 8 Mietwohnungen erneut ihren Tiefpunkt.“

Baulandpreise

„Hinsichtlich der Baulandpreise für freistehende Ein- und Zweifamilienhäuser liegt Leverkusen innerhalb der hochpreisigen Region Rheinland mit 470 Euro pro Quadratmeter weiterhin in mittlerer Lage und ist weiterhin günstiger als die direkten Nachbarstädte Köln, Monheim, Langenfeld, aber auch Bergisch Gladbach“, so die Stadt. Zum Vergleich: In Köln liegt der Quadratmeterpreis bei 850 Euro, in Bergisch Gladbach bei 660 Euro. Der Preis pro Quadratmeter lag 2024 für ein freistehendes Ein- oder Zweifamilienhaus (350 bis 800 Quadratmeter Grundstücksfläche) in guter Lage bei 550 Euro, in mittlerer bei 470 und in einfacher Lage bei 420 Euro.

Mietpreise

Der Mietspiegel weist für Leverkusen 6,75 bis 6,82 Euro pro Quadratmeter Kaltmiete für eine Wohnung mit 90 bis 130 Quadratmetern aus. Für eine Fläche zwischen 20 und 35 Quadratmetern liegt die durchschnittliche Kaltmiete bei 7,19 bis 7,60 Euro pro Quadratmeter. Die teuersten Wohnungen (bis zu 8,96 Euro pro Quadratmeter kalt) sind 20 bis 44 Quadratmeter große Wohnungen aus den Jahren 2010 bis 2016 und 45 bis 89 Quadratmeter große Wohnungen (zwei oder drei Zimmer), die zwischen 2017 und 2023 gebaut wurden.

Weitere Daten zum Kaufen, Mieten und Bauen in Leverkusen gibt es im Wohnungsmarktbericht der Stadt online.