Der Jugendmigrationsdienst soll am 30. Juni 2026 geschlossen werden, für das Sprachinstitut ist wahrscheinlich ein neuer Träger gefunden.
InsolvenzSozialdienstleister IB West trennt sich in Waldbröl von zwei Institutionen

Von diesen zwei Institutionen mit Standort an der Vennstraße in der Stadtmitte von Waldbröl will die IB West gGmbH in Kürze trennen.
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Die Tage des Jugendmigrationsdienstes sind gezählt, das Sprachinstitut bekommt dagegen einen neuen Träger: Von beiden Einrichtungen in Waldbröl trennt sich der Sozialdienstleister IB West. Grund dafür ist das Insolvenzverfahren gegen die gemeinnützige Gesellschaft unter dem Dach des Internationalen Bundes, das dem Ende entgegengeht.
Am Mittwochabend standen die Bereichsleiter Frank Halberstadt und Thomas Michalske sowie Martin Langen als Leiter der Jugend- und Begegnungsstätte (kurz: Jubs) im Ausschuss für Soziales und Sport des Stadtrats Rede und Antwort zur Zukunft der IB West insgesamt sowie ihrer sozialen und pädagogischen Angebote in der Marktstadt.
Der Jugendmigrationsdienst, der seit 1986 Menschen im Alter von zwölf bis 27 Jahren auf ihrem Weg in die sprachliche, schulische, berufliche und soziale Integration begleitet, wird am 30. Juni 2026 geschlossen. Dieser ist, ebenso wie das zu Anfang der 1980er Jahre gegründete Institut, eine fest etablierte Institution. Der Abschied wiege schwer, bekannte Michalske. Am Sprachinstitut liefen derzeit 17 Kurse, zwölf Beschäftigte unterrichten dort.
Ein anderer Sozialträger soll das Sprachinstitut in Waldbröl übernehmen
„Zum Glück gibt es einen anderen Träger, der sein Interesse bekundet hat und der bereits in Oberberg aktiv ist“, schilderte der Bereichsleiter. „Wir hoffen auf eine komplette Übergabe – Personal inklusive. Und das sieht gerade sehr gut aus.“ Auch sei er zuversichtlich, dass „nur wenige bis keine Kündigungen ausgesprochen werden müssen“. In den Ruhestand gehen zudem die „Respekt Coaches“ – ein Anti-Mobbing-Programm des Bundes, das in Waldbröl etwa an der Roseggerschule erfolgreich umgesetzt worden ist und das ohnehin ausläuft.
Den Verlauf des im November vergangenen Jahres gestarteten Insolvenzverfahrens am Kölner Amtsgericht beschrieb Thomas Michalske als erfolgreich, heute könne die IB West wieder eigenständig wirtschaften und die Gehälter zahlen. Ziel sei es, die Geschäfte verlässlich und stabil fortzuführen sowie die Dienstleistungen weiterzuentwickeln. Und das nun auch mit einem neuen Partner.
So habe die IB West jüngst vom Jobcenter den Zuschlag erhalten, in Waldbröl ein Praxis-Center für berufliche Qualifizierungen und Coaching-Seminare aufzubauen, führte Michalske aus, der in der IB West den Bereich der beruflichen Bildung verantwortet – 1977 habe der Internationale Bund übrigens in Waldbröl mit Umschulungen in Metallberufen begonnen.
Die Angebote der Offenen Ganztagsschule und in der Übermittagsbetreuung in Waldbröl sind nicht betroffen
Von allen Sparvorhaben nicht betroffen sind nach Auskunft von Michalske dagegen die Angebote der IB West in der Offenen Ganztagsschule und in der Übermittagsbetreuung an den städtischen Grundschulen in Isengarten und am Wiedenhof. Ebenso unberührt sind die neuen Familienbüros in Morsbach und Waldbröl, dieses ist jüngst an der Vennstraße eröffnet worden. „In diesem Jahr folgen ein solches Familienbüro in Bergneustadt, da haben wir die Immobilie bereits bezogen, und eins in Reichshof“, kündigte der zuständige Bereichsleiter Frank Halberstadt an. Im kommenden Jahr seien weitere Eröffnungen in Nümbrecht und Engelskirchen geplant.
Über mehr als regen Zuspruch freut sich unterdessen die Jubs: Die Zahl der Besucherinnen und Besucher sei stabil, berichtete Martin Langen, der pädagogische Leiter des 1990 gegründeten Treffpunkts am Hahner Weg. „Heute haben wir aber mehr Zehn- bis 14-Jährige als früher“, so Langen.
Für einen Euro serviert die Jubs den Kindern und Jugendlichen, die zumeist von der nahen Gesamtschule und der benachbarten Realschule kommen, ein Mittagessen. 65 Kinder und Jugendliche im Alter von zehn bis 18 Jahren sind nach Auskunft des Leiters dort mittags zu Gast, 20 weitere kommen stets am Nachmittag. Mehr als die Hälfte, nämlich 60 Prozent, seien Jungen, 40 Prozent Mädchen.
Neu in diesem Jahr ist eine feste Kooperation mit dem Wiehler Verein „Lebenspfade“, die aus einem zweijährigen Pilotprojekt hervorgegangen ist: Einmal im Monat laden der Verein und die Jubs Schülerinnen und Schüler von der Helen-Keller-Förderschule in Wiehl zu einem kurzweilen Nachmittag in Waldbröl ein. Langen: „Dafür haben wir sogar eine zusätzliche Kraft eingestellt.“

