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Vortrag in WaldbrölWas dem Igel auch in Oberberg eine große Hilfe sein kann

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Reiner Stegemann von der Ortsgruppe Waldbröl des Naturschutzbundes präsentiert den Zuhörerinenn und Zuhörern die Igeldame Paula, die im Januar in einer Igelstation abgegeben worden ist.

Reiner Stegemann von der Ortsgruppe Waldbröl des Naturschutzbundes präsentiert den Zuhörerinenn und Zuhörern die Igeldame Paula, die im Januar in einer Igelstation abgegeben worden ist.

Nicht nur Mähroboter werden dem heute seltenen Stacheltier gefährlich. Die Nabu-Expertin Sarah Noll warnt auch vor falschem Futter und vor Milch.

Stacheltier in Not“ war am Sonntagnachmittag der Titel eines Vortrags über den Igel von Expertin Sarah Noll im Saal der Waldbröler Arbeiterwohlfahrt. Zu Beginn erinnerte sich Reiner Stegemann, Vorsitzender der Ortsgruppe Waldbröl im Naturschutzbund Deutschalnd (Nabu), an seine Kindheit: Damals sei es notwendig gewesen, auf einer Urlaubsreise mehrmals die Windschutzscheibe von Insekten zu befreien: „Heute können Sie 1000 Kilometer fahren und haben immer noch freie Sicht.“ Die Zahl der Insekten sei in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen und ähnlich verhalte es sich mit den Stacheltieren.

Den rund 40 Zuhörerinnen und Zuhörern präsentierte Stegemann Paula: Die Igeldame ist im Januar in einer Igelstation abgegeben worden und hat sich von einem Parasitenbefall wieder erholt. Dazu schilderte die Nabu-Fachfrau Noll, dass der heimische Braunbrustigel nach dem Bundesnaturschutzgesetz geschützt sei. Er stehe zwar nicht auf der Roten Liste, doch sei diese inzwischen auch 15 Jahre alt.

Dass Igel gut gegen Schnecken sind, ist ein alter Irrglaube

Aufgrund seines stetigen Rückgangs im vergangenen Jahrhundert sei er bereits in die Vorwarnliste aufgenommen: „Es ist zu erwarten, dass er bei einer Neuauflage in der Liste der gefährdeten Arten geführt und in Zukunft auch vom Aussterben bedroht ist.“

Hintergrund sei das zunehmende Verschwinden der Kulturlandschaft. Zwar stelle der Igel nur geringe Ansprüche, doch benötige er Hecken, Saumgehölze und „wilde Ecken“ für seine Verstecke und viele Insekten als Nahrung.

Mit dem Irrglauben, dass Igel gut gegen Schnecken sind, räumte sie auf: „Zwar fressen Igel die auch, aber nur, wenn sie gar nichts anderes finden.“ Dass die gefundene Igelfrau davon zu viel konsumiert haben könnte und daraufhin krank wurde, sei durchaus möglich: „Schnecken übertragen enorm viele Parasiten, unter anderem auch Lungenwürmer.“

Reisgstapel im Garten und nichtgemähte Bereiche ringsherum bieten vielerlei Schutz

Sarah Noll erklärte, dass ein Igel etwa 6000 bis 8000 Stacheln hat, die ihn schützen. Dennoch habe er Fressfeinde wie den Uhu oder Fuchs, die ihm vor allem im Winterschlaf gefährlich werden. Daher sei es wichtig, auch im Garten für Rückzugsmöglichkeiten zu schaffen, etwa mit Reisigstapeln. Nicht gemähte Bereiche drumherum würden auch bei der Aufzucht der Jungtiere helfen.

Eine große Gefahr seien Mähroboter, die vielleicht ein ausgewachsenes Exemplar erkennen können, nicht jedoch ein Jungtier. Verletzungen dadurch oder von Freischneidern beim Mähen der Ränder seien potenziell tödlich, denn Schmeißfliegen legen gerne ihre Eier in die Wunden: „Die Maden fressen sich dann durch den ganzen Körper.“

Zur Fütterung erklärte Noll, dass in einem kleinen Futterhaus serviertes Katzenfutter mit einem Fleischanteil von mindestens 65 Prozent gut geeignet sei, ebenso Rührei oder gebratene Hähnchenflügel. Sie mahnte zur Vorsicht bei Igelfutter aus dem Internet: „Das enthält oftmals Obst oder Nüsse und ist nichts für den reinen Insektenfresser.“ Milch als Getränk sei ebenfalls fehl am Platze: „Igel haben eine Laktoseintoleranz und bekommen davon Durchfall – am besten ist täglich gewechseltes Wasser.“