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„Gute Nachbarn“In Waldbröl soll ein Wohnprojekt auch vor Einsamkeit im Alter schützen

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Sie wollen in Waldbröl ein Wohnprojekt für Menschen verschiedenen, aber höheren Alters gründen (von links): Renée Bertrams, Anne Pampus, Anette Weber (Seniorenreferentin der Evangelischen Kirchengemeinde), und Lis Custodis.

Sie wollen in Waldbröl ein Wohnprojekt für Menschen verschiedenen, aber höheren Alters gründen (von links): Renée Bertrams, Anne Pampus, Anette Weber (Seniorenreferentin der Evangelischen Kirchengemeinde), und Lis Custodis. 

Das Konzept ist weitgediehen, jetzt sucht das Planungsteam nach einem Investor. Ein Informationsabend ist geplant für Montag, 8. Juni 2026.

Sie wollen einander gute Nachbarinnen und gute Nachbarn sein. Sie möchten gemeinsam leben unter einem Dach, sich vielleicht einen Garten teilen und ebenso das Auto, gemeinsam Filme schauen, über Bücher diskutieren, Handarbeiten erledigen, Ausflüge unternehmen. „Und trotzdem wohnt jeder für sich – gemeinsame Zeit gibt es nur, wenn diese gewünscht ist“, erklärt Anne Pampus (69) die Idee des Wohnkonzepts, das gerade in der Stadt Waldbröl Gestalt annimmt und sich vor allem an Menschen richtet, die zwischen 60 und 70 Jahre alt sind. „Es geht darum, gemeinsam älter, aber eben nicht einsam zu werden.“

Im Büro von Anette Weber (61) am Wiedenhof laufen die Fäden zusammen. Dort betreut die Seniorenreferentin der Evangelischen Kirchengemeinde das Projekt 3-Klang („Leben, Lernen, Mobilsein“) – ein Förderprogramm, das getragen wird durch das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie den europäischen Sozialfonds Plus.

„Eines der Ziele ist es, Menschen zusammenzubringen“, schildert Weber. Und nach einem stark besuchten Vortrag des Bonner Vereins „Wahlverwandtschaften“ vor etwa zweieinhalb Jahren über Modelle des Mehrgenerationen-Wohnens hat sich eine Gruppe gefunden, die neue und selbstorganisierte Wege gehen will.

Zehn bis zwölf Waldbrölerinnen und Waldbröler arbeiten gemeinsam an dem Projekt

„Gute Nachbarn“ ist der Arbeitstitel dieses Vorhabens. „Die Kinder sind aus dem Haus, einige von uns haben den Ehepartner oder die Ehepartnerin verloren, die Wohnung ist also längst zu groß geworden“, sagt Lis Custodis. Die 68-Jährige gehört zum festen, regen Kreis, der die Arbeit seit mehr als einem Jahr koordiniert, an Workshops teilnimmt und laufende Projekte dieser Art in der Region besucht, zuletzt Ledo in Köln-Niehl.

Zehn bis zwölf Waldbrölerinnen und Waldbröler sind es stets, die bei ihren Treffen einmal im Monat am Konzept feilen und nach Investoren Ausschau halten. „So jemanden brauchen wir unbedingt“, weiß Pampus. Das hätten die Besuche bestehender Gemeinschaften rasch gezeigt. „Verträumte Spinner sind wir nämlich nicht.“

Waldbröls Bürgermeisterin Larissa Weber sagt ihre Unterstützung zu

So möchte die Waldbröler Gruppe entweder selbst Häuser bauen oder aber in bestehende Gebäude einziehen, die zuvor barrierefrei und seniorengerecht saniert werden. Gemeinschaftsräume und gemeinsam genutzte Bereiche soll es ebenso geben wie Gästewohnungen – „für die Kinder etwa, wenn sie kommen“.

Drei Architekten, so verrät der Initiativkreis, stünden der Gruppe beratend zur Seite. Offen ist dagegen, ob der Investor, ein Verein oder eine Genossenschaft die Wohnstätte betreiben wird. Einem Trägerverein oder einer Genossenschaft soll dann schließlich die Entscheidung obliegen, wer dort einzieht. Auch kann sich die Planungsgruppe vorstellen, gemeinsam mit der Stadt in Erbpacht Wohnraum zu schaffen.

Jüngst haben sich die „Guten Nachbarn“ Bürgermeisterin Larissa Weber vorgestellt und diese in ihre Pläne eingeweiht. Und der Rathauschefin gefällt, was sie da gehört hat: „Ich bleibe mit ihnen in Kontakt und helfe gerne, diese Idee zu realisieren“, verspricht Weber und berichtet, dass man auch über Objekte in der Stadt gesprochen habe. In jedem Fall sollen die Wohnungen im Zentrum zu finden sein, damit jeder Weg zum Arzt, zum Café, zum Einkauf oder zum Rathaus zu Fuß erledigt werden kann.

Waldbröler Wohnprojekt soll in der Mitte der Marktstadt seine Adresse haben

„Was nützt die schönste Wohnung, wenn sie in Bettenhagen oder Hufen ist?“, fragt Lis Custodis. Beispiele dieser Art kennt die Seniorenreferentin Weber von ihren Fahrten in Diensten der Diakonie zur Genüge: „Viele Menschen leben allein und abseits, sie müssen sich völlig neuaufstellen, wenn sie in Rente gehen oder den Führerschein nicht mehr nutzen wollen.“

Erklärtes Ziel ist es zudem, die Domizile für jede Einkommensklasse erschwinglich zu machen – „egal, ob man kauft oder mietet“, betont Anne Pampus und setzt hinzu: „Und Bestand zu erhalten, wenn es sich lohnt, das wäre toll.“ Da blickt die Waldbrölerin etwa auf das Gelände des bereits seit 25 Jahren leerstehenden Lebensmittelmarktes an der Oststraße und die Räume des einstigen Kreisamtes für Agrarordnung gleich nebenan.

„Die Nachbarn des Lebensmittelmarktes würden sich freuen, wenn da endlich Positives geschieht“, beschreibt Renée Bertrams (75) einen weiteren Nutzen für die Stadt und ihre Mitte. Ebenfalls in Frage kommt nach Ansicht der „Guten Nachbarn“ die stillgelegte Zulassungsstelle des Straßenverkehrsamts des Oberbergischen Kreises an der Gerdesstraße oder für einen Neubau auch das Grundstück an der Kaiserstraße, auf dem jüngst die Esso-Tankstelle abgebrochen worden ist. „Für Waldbröl wäre ein solches Wohnprojekt sicher gute Werbung.“


„Gute Nachbarn“ stellen sich in Waldbröl vor

Die „Guten Nachbarn“ wollen sich und ihre Ideen für ein Generationen übergreifendes Wohnprojekt vorstellen und laden für den kommenden Montag, 8. Juni, um 17.30 Uhr in den Saal der Evangelischen Kirchengemeinde in Waldbröl, Wiedenhof 12b, ein. „Wir erklären dort etwa, was wir mitbringen und was wir uns wünschen“, sagt Mitglied Anne Pampus.

Die „Guten Nachbarn“ erhalten Förderung aus dem Projekt „3-Klang“. Dieses solle in Waldbröl verlängert werden bis Ende des Jahres 2028, berichtet die Seniorenreferentin Anette Weber. „Der Antrag ist gestellt.“ Fragen zum neuen Wohnprojekt beantwortet Weber unter (02291) 92 14 92 oder per E-Mail an diese Adresse: anette.weber.1@ekir.de.