Der Handball-Nationaltorhüter war auf Einladung von Torsten Moritz vor rund 400 Besuchern beim SV Wipperfürth zu Gast
HandballNationaltorhüter David Späth erzählt vom Siebenmeter, der sein Leben verändert

Mit einer von Christoph Röttgen gestalteten Karikatur und einem Buch über die „All Blacks“, das neuseeländische Rugby-Team und seine Philosophie bedankte sich Torsten Moritz bei David Späth.
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Als er Wipperfürth ins Navi eingegeben habe, sei ihm nicht klar gewesen, wie nah es an Gummersbach und am VfL liege, sagt Handball-Nationaltorhüter David Späth. Wenn er das gewusst hätte, hätte er doch seine Gummersbacher Kollegen aus der Nationalmannschaft als Verstärkung mitgebracht, erklärt er den rund 400 vor allem jungen Handballerinnen und Handballern in der Wipperfürther Voss-Arena mit einem Augenzwinkern.
Der 23-jährige Torhüter hatte am Abend zuvor mit den Rhein-Neckar Löwen noch das Überraschungsteam des TBV Lemgo mit 32:30 bezwungen, dank seiner 15 Paraden darunter drei Siebenmeter. Dass er heute zu den besten Torhütern der Bundesliga und zum festen Stamm der Nationalmannschaft gehört, war ein weiter und nicht immer einfacher Weg.
Unsere Aufgabe ist es, die Kinder in die Halle und damit weg vom Handy zu bekommen
Darüber erzählt David Späth in oft launigen Worten auf Einladung von Torsten Moritz, Mitglied des Jugendvorstands und langjähriger Jugendtrainer im SV Wipperfürth. Moritz leitet in Radevormwald eine Geschäftsstelle der Deutschen Vermögensberatung, die sehr aktiv als Sponsor im Handball ist. Bei dem entsprechenden Programm bewarb sich Moritz und bekam den Zuschlag für den Besuch.
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„Unsere Aufgabe ist es, die Kinder in die Halle und damit weg vom Handy zu bekommen“, sagt er. Dazu gebe es auch eine Kooperation mit dem VfL Gummersbach, bei dem junge Handballer des SVW ein Zusatztraining besuchten. Nachdem in Corona-Zeiten nur noch 30 oder 40 Kinder und Jugendliche in Wipperfürth trainierten, sind es heute 160. Moderiert wurde der Abend von Dirk Hartmann, Hallensprecher des VfL Gummersbach.
Die vier Jahre im Handballinternat fühlten sich für David Späth auch wie vier Jahre auf Klassenfahrt an
Mit sieben Jahren begann David Späth zusammen mit seinem Bruder mit dem Handball in Kaiserslautern. „Wir wollten eine Teamsportart machen, aber nicht Fußball spielen“, blickt er zurück. Nach einem Jahr wechselte er vom Feld ins Tor. Über den TuS Dansenberg kam er mit 16 Jahren zu den Rhein-Neckar Löwen und zog ins Internat des Bundesligisten. „Es war eine große Umstellung, alleine zweimal am Tag zu trainieren“, beschreibt er die Zeit mit den zwölf Jungs, die sich auch angefühlt habe wie „vier Jahre auf Klassenfahrt“. So wichtig wie das Training sei aber auch die Schule gewesen, um sich ein zweites Standbein aufzubauen, sagt der Torhüter. Wenn es bei ihm mit der Handball-Karriere nichts geworden wäre, dann wäre er Lehrer geworden.
Wie wichtig diese Alternative ist, zeigte sich, als sich David Späth im November 2021 das Kreuzband riss. „Es war eine Diagnose, die mir den Boden unter den Füßen weggerissen hat.“ Gerade hatte der junge Torhüter einen Profivertrag bei den Löwen unterschrieben, jetzt wartete er auf die Operation, kämpfte zudem mit einer Thrombose. „Mein Leben hatte depressive Züge angenommen.“ Im Nachhinein habe die Situation für ihn aber auch etwas Positives gehabt, erzählt er. Er habe gelernt, dass man es immer wieder besser machen könne. Es führte auch dazu, dass David Späth seine Emotionen rauslassen kann, wie man es von ihm nach jedem gehaltenen Ball kennt.

Auch wenn er am Abend noch zurück nach Mannheim fuhr, David Späth nahm sich Zeit, die Wünsche des Nachwuchses nach Selfies und Autogrammen zu erfüllen.
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Sein großer Moment kam 2023, als er mit den Rhein-Neckar Löwen im Finale um den DHB-Pokal gegen den SC Magdeburg den Siebenmeter des heutigen VfL-Handballers Kay Smits nach Ablauf der Zeit hielt. Die Parade brachte seine Mannschaft in die Verlängerung, das Siebenmeterwerfen und zum Titel. Anschließend gehörte er fest ins Torhüter-Trio der Löwen mit Mikael Appelgren und Joel Birlehm. „Es bleibt mein prägendster Moment und war der Startschuss für alles“, sagt er in Wipperfürth.
Nach Gold bei der Europameisterschaft mit der deutschen U19 2021 in Kroatien , wurde er 2023 mit der U21 Weltmeister . Im selben Jahr kam die erste Einladung zur A-Nationalmannschaft, mit der er Silber bei den 0ympischen Spielen in Paris und zuletzt bei der Europameisterschaft im Januar gewann.
David Späth beantwortete die vielen Fragen der jungen Handballer
Nachdem die Kinder und Jugendlichen aufmerksam den beeindruckenden Werdegang verfolgt hatten, stellten sie ihre Fragen. Ob er Angst habe, wenn die Bälle auf ihn zugeflogen kämen? Manchmal schon, sagt Späth, aber es siege der Überlebensinstinkt, wenn der Ball Richtung Kopf komme.
Das nicht immer, wie er sich erinnert, als im Hinspiel der Bundesliga der erste Wurf von VfL-Shooter Miro Schluroff gleich im Gesicht des Löwen-Torhüters landete. „Es kam auf mich zu und sagte, sorry Bruder, ich bin geschubst worden“, erzählt David Späth lachend. Das gelte auch für die vielen blauen Flecken an den Armen, die ihm Schluroff beim EM-Training mit der Nationalmannschaft beigebracht habe. „Miro kann eben nur feste werfen und manchmal auch einen Dreher.“
Im Fitnessstudio arbeitet der 23-Jährige viel an seiner Explosivität, die Nase hatte er noch nie gebrochen und in seiner Freizeit schaltet er gerne ab, am liebsten mit seiner Freundin, die ebenfalls Handball spielt, und dem gemeinsamen Hund. Sein Lieblingsessen ist Cordon bleu mit Pommes und wenn er nicht ins Tor gewechselt wäre, sagt David Späth, dann wäre sein Platz wohl auf der Bank gewesen.
Oft mit einem Augenzwinkern beantwortet er die Fragen des Nachwuchses. Darunter auch die eines Mädchens, warum er nicht beim VfL Gummersbach spiele. Die Rhein-Neckar Löwen, bei denen er seit der Jugend spiele, seien sein Herzensverein, erklärt er, der erst im September seinen Vertrag bis 2029 verlängert hat. „Mit den Löwen möchte ich zu den glorreichen Zeiten zurück.“
Auch wenn David Späth sich noch am Abend zurück auf den Weg nach Mannheim machte, nahm er sich die Zeit für Autogramme und Selfies.

