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Bergisch GladbachAls Bauland in der Stadt noch 100 D-Mark kostete

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Die beiden Männer stehen vor einem Schaufenster.

Seit 50 Jahren im Maklergeschäft: Georg Nagelschmidt (r.) mit Sohn Felix vor ihrem Büro in Bergisch Gladbach.

Das Familienunternehmen Nagelschmidt Immobilien feiert 50-jähriges Jubiläum. Wie sich die Preise entwickelt haben und worauf die Kunden achten.   

Georg Nagelschmidt leitet eines der ältesten Maklerunternehmen in Bergisch Gladbach. Nagelschmidt Immobilien gibt es seit 50 Jahren, seit 30 Jahren gehört auch eine Hausverwaltung dazu, deren Geschäftsführer Sohn Felix Nagelschmidt ist. Wie lebt es sich mit so viel Tradition? Ein Gespräch anlässlich des Firmenjubiläums darüber, worauf die Kunden achten, wie sich die Preise entwickelt haben und den schlecht beleumundeten Ruf von Maklern.

Sein Händchen, Verkaufsgespräche zu führen, zeigte sich schon früh. Als Student kannte Georg Nagelschmidt den Inhaber eines Pfandhauses in Köln. „Der bot mir 1000 Sonnenbrillen für 1 D-Mark pro Stück an. Den Preis habe ich auf 50 Pfennig gedrückt.“ Verkauft hat er den kompletten Posten dann einem Bademeister aus Elsdorf. „Er witterte wohl ein gutes Geschäft, wenn er die Brillen seinen Badegästen offeriert“, lacht Nagelschmidt Senior noch heute über seinen ersten Deal.

Durch pure Zufälle enstand der Berufswunsch

Sein Jura-Studium hängte Georg Nagelschmidt an den Nagel, als er schon wieder durch Zufall von einem Bekannten gebeten wurde, beim Verkauf eines Trümmergrundstücks auf der Zülpicher Straße in Köln zu helfen. „Ich gab arglos eine Anzeige in der Zeitung auf. Als ich um 15 Uhr da ankam, standen 100 Meter auf beiden Straßenseiten parkende Autos.“ Um 16.30 Uhr war ein Käufer gefunden. „Da dachte ich mir: Dann mache ich doch das.“

Mit 30 machte er sich 1976 selbstständig und startete bei null – im Wohnzimmer seiner Eltern an der Straße Reiferbusch in der Innenstadt von Bergisch Gladbach. Damals gab es als Konkurrenz nur zwei Platzhirsche, eine gute Ausgangslage. Alles, was Georg Nagelschmidt benötigte, sei ein Gewerbeschein für 20 D-Mark gewesen. Was der Beruf für einen Ruf genießt, kümmerte ihn nicht.

Georg Nagelschmidt lacht: Schon damals habe es eine Rangliste gegeben, wie die einzelnen Berufe in der Bevölkerung geachtet werden: „Der Beruf des Immobilienmaklers stand direkt vor dem Beruf des Totengräbers und nach dem Gaukler.“ 1973 habe die SPD den Makler-Beruf sogar verbieten wollen, mit der Begründung, die Branche sei überflüssig, nur ein Kostentreiber, erinnert sich der 82-Jährige.

Nagelschmidt schwärmt vom ersten Haus, das er vermittelt hat

Bis heute ist die Berufsbezeichnung des Immobilienmaklers nicht geschützt. Allerdings muss eine Maklererlaubnis sowie ein Gewerbeschein beantragt werden. Die Maklerprovision teilen sich Käufer und Verkäufer in der Regel. Hier in der Region hätten sich beim Verkauf drei Prozent netto durchgesetzt, in Köln seien es oft bis zu sieben Prozent, berichtet Felix Nagelschmidt. Bei der Vermietung von Wohnimmobilien ist eine Umlage der Courtage auf den Mieter inzwischen gesetzlich verboten.

Das erste Haus, das dem frisch gebackenen Firmengründer 1976 zur Vermittlung angeboten wurde, stand in Herrenstrunden. Im Nachhinein schwärmt Georg Nagelschmidt immer noch davon: „Das war so schön, das hätte ich am liebsten selbst gekauft.“ An der Jüch sei heute noch seine absolute Lieblingsstraße im Stadtgebiet: „Dort habe ich in den vergangenen Jahrzehnten ein Haus insgesamt vier Mal vermittelt.“

Die Preise sind im Vergleich zu damals explodiert. „Mitte der 1970er-Jahre habe der Grundstückswert in Refrath bei 100 D-Mark gelegen, heute sind wir bei 1000 Euro angekommen“, sagt Felix Nagelschmidt. Er erinnert sich, dass die Mieten zu Beginn der Euro-Zeiten bei fünf Euro pro Quadratmeter für eine einfache Wohnung lagen, heute seien es neun Euro und die Grenzen nach oben seien offen.

In meinem nächsten Leben würde ich Psychologie studieren
Georg Nagelschmidt

„In meinem nächsten Leben würde ich Psychologie studieren“, sagt der 82-jährige Senior, „um im ersten Gespräch erkennen zu können, was ist genau die Motivation zu verkaufen oder zu kaufen.“ Oft sei die ganze Vorarbeit vergebene Liebesmüh, etwa bei Paaren, die sich nicht einig seien. „Aber wenn man 50 Jahre vor Ort unterwegs ist, kennt man Gott und die Welt. Das ist ein Vorteil.“ Der Rest sei Intuition.

Wie es bei Ärzten schwierige Patienten gibt, gibt es auch schwierige Kunden. Für Verärgerung sorge, wenn jemand nicht zum angemeldeten Besichtigungstermin komme. „Das ist wirklich eine Unsitte. Inzwischen belegen wir die Termine doppelt“, berichtet Felix Nagelschmidt.

„Beruf und Berufung sind bei meinem Vater eins“, sagt der Sohn, der schon als Kind viel über das Tagesgeschäft mitbekommen hat. „Ich erinnere mich daran, wenn Besichtigungen waren, dann haben meine Schwester und ich Telefondienst gemacht.“ So sei das Thema Immobilien bei ihm immer präsent gewesen.

Bereits mit 18 habe er seine eigene Firma Felix Immobilien gegründet mit dem Angebot der Hausverwaltung. Und die dritte Generation stehe quasi auch schon in den Startlöchern. Der elfjährige Sohn sei schon jetzt Feuer und Flamme, erzählt der 48-Jährige.

Was jeweils als Ein-Mann-Betrieb begann, hat sich zu einer festen Institution in der Stadt entwickelt. Heute beschäftigt das Makler-Unternehmen fünf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, 20 sind es in der Hausverwaltungs-GmbH. Sitz der beiden Unternehmen ist seit 1984 ein Altbau an der Laurentiusstraße 80.