Kölner Dom, Hohenzollernbrücke, Münchener Flughafen: Der Lichttechniker leuchtete viele Großprojekte aus. Nun wird er 90 Jahre alt.
Strahlende ArbeitsergebnisseDieter Müller aus Bensberg setzte Objekte ins rechte Licht

Dieter Müller freut sich über die neue LED-Beleuchtung des Kölner Doms. Auch wenn durch die moderne Technik seine Dombeleuchtung aus den 1990er Jahren ausgeschaltet wurde.
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Nicht selten schaute Dieter Müller in seinem Berufsleben in die Röhre. Rein dienstlich, versteht sich, und ganz ohne persönliche Nachteile. Im Gegenteil. Als leitender Lichttechniker der Firma Philips gehörten Großprojekte zu seinem dienstlichen Alltag. So sorgte er bei Tunneln genauso für die nötige Ausleuchtung wie bei Straßen und Brücken, in Sportstadien oder auch beim Münchner Flughafen, den er einmal als sein Lieblingsprojekt bezeichnet hat. Fertiggestellt 1992, firmiert er heute als „Flughafen Franz-Josef-Strauß“ und galt damals als „die größte Baustelle Europas“.
Seit vielen Jahren ist Dieter Müller, der am 25. April in Bensberg seinen 90. Geburtstag feiert, nicht mehr auf Baustellen unterwegs, aber seine Augen leuchten noch immer, wenn er von den Großprojekten erzählt, für die er und sein Team stets maßgeschneiderte Lösungen finden mussten. Während sich eine Tunnelbeleuchtung der Adaption des menschlichen Auges anpassen muss – also am Tunneleingang und -ausgang heller sein sollte als in der Mitte – hätte dieser Ansatz bei der Flutlichtanlage eines Stadions wohl eher eine spielverzerrende Wirkung - wenn die Spieler aus der Tiefe des Raumes, aus der Dunkelheit, plötzlich wie aus dem Nichts aufs Tor zustürmten.
Nach 1960 boomte das Geschäft mit der öffentlichen Beleuchtung
In den 1960er und 1970er Jahre boomte die Bauwirtschaft: Wohnungen, Straßen und Autobahnen wurden überall im Land in großem Stil geplant und verwirklicht und damit einhergehend prosperierte auch das Geschäft mit der öffentlichen Beleuchtung. Fast alles, was vorher im Dunkeln gelegen hatte, wollten die Planer nun hell und modern gestalten. Das Know-how von Müller, heute seit 60 Jahren Mitglied in der Lichttechnischen Gesellschaft, war gefragt und sehr oft waren seine Aufträge Premieren.
So illuminierte der Ingenieur im Auftrag des Bundes ein Teilstück der Autobahn 3 zwischen Köln und Leverkusen, „damals“, so Müller, „die erste Autobahnbeleuchtung Deutschlands“. Was für Autos galt, das sollte in der Folge auch für Stadtpanoramen gelten. In Köln gelang es in Zusammenarbeit mit dem Kölner Verkehrsverein die 450 Meter lange Hohenzollernbrücke ins rechte Licht zu rücken, über die alle Züge müssen, die vom Hauptbahnhof auf die rechtsrheinische Seite wechseln wollen.
200 Scheinwerfer für die Pylone der Hohenzollernbrücke
200 Scheinwerfer seien 1991 nötig gewesen, um die Brückenpylone anzustrahlen, keine leichte Aufgabe angesichts der filigranen Stahlkonstruktion der Brücke. „Sie hat wenig reflektierende Flächen“, erklärt Müller das Problem, „das ist ähnlich schwierig, wie den Eiffelturm zu beleuchten.“
1995 stieg der Techniker auch dem Dom aufs Dach: Rund 400 Scheinwerfer wurden installiert, um die Türme des Kölner Doms mit Licht in Szene zu setzen. Auch hier eine kniffelige Montage. „Weil am Dom nichts gebohrt werden darf, mussten die Scheinwerfer auf Gestelle montiert werden“, erinnert sich Müller über die Arbeit in luftiger Höhe.

Strahlendes Arbeitsergebnis: Kölner Dom und Hohenzollernbrücke im Jahr 1999.
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Bis zum vergangenen Jahr, als die Dom-Außenbeleuchtung auf moderne LED-Technik umgerüstet wurde und „ein Lichtkünstler“, so Müller, die bis dato flächige Beleuchtung durch ein preisgekröntes Lichtkonzept ersetzte, das die gotische Fassadenstruktur des Doms hervorhebt, strahlten die Türme des Wahrzeichens bei Dunkelheit mit den von dem Bensberger konzipierten 400 Scheinwerfern weit in die Nacht hinein. Nicht nur Dieter Müller dürfte der Anblick gefreut haben. Bis heute zieren der leuchtende Dom und die leuchtende Brücke den Startbildschirm seines Handys.
Der Wechsel zur LED-Technik hat vieles revolutioniert
Den Wechsel zur LED-Technik hat Müller beruflich nicht mehr mitgemacht, aber das sei ein Quantensprung, meint er, und lasse vieles in neuem Licht sehen: „Die 400 Scheinwerfer am Dom waren große Stromfresser.“
Viel Licht und wenig Schatten also, wenn Dieter Müller auf seine berufliche Laufbahn zurückblickt. Das aktuelle Jahr steht bei ihm und seiner Familie im Zeichen von Diamanthochzeit und 90. Geburtstag. „In kleinem Rahmen“, sagt er und sitzt dabei gelassen unter einem ausladenden Kronleuchter im eigenen Wohnzimmer. Nicht alles müsse eben immer optimal ausgeleuchtet sein, meint er und lächelt.

