Normalerweise rückt die Feuerwehr aus, wenn andere Hilfe brauchen. Am Donnerstagmittag aber benötigten die Retter selbst Unterstützung. Eine erst wenige Monate alte Drehleiter der Bergisch Gladbacher Feuerwehr kam auf einer Einsatzfahrt bei Herkenrath aus laut Feuerwehr bislang unbekanntem Grund von der Straße ab und rutschte eine Böschung hinunter. Die beiden Feuerwehrleute hatten Glück: Sie blieben unverletzt. Für die Bergung des rund 16 Tonnen schweren Einsatzfahrzeugs musste schweres Gerät anrücken.
Unfall auf dem Weg zu einer Geburt in Kürten
Der Unfall ereignete sich kurz nach 12 Uhr auf der Straße Braunsberg, kurz hinter dem Ortsausgang von Herkenrath in Richtung Kürten-Spitze. Die Drehleiter der Feuer- und Rettungswache 2 war unterwegs zu einem Rettungsdiensteinsatz in der Gemeinde Kürten. Dort war die Unterstützung der Feuerwehr angefordert worden – wegen einer Geburt. Die Patientin sollte aus einem Haus geholt werden. Aus bislang ungeklärter Ursache verlor der Fahrer nach eigenen Angaben die Kontrolle über das schwere Fahrzeug. Die Drehleiter geriet ins Bankett und rutschte anschließend die angrenzende Böschung hinunter. Dabei blieb sie aufrecht stehen und kippte nicht um. „Maschinist und Fahrzeugführer konnten das Fahrzeug unverletzt verlassen“, so Feuerwehrsprecher Elmar Schneiders an der Unfallstelle.
Reifen haben tiefe Spuren im aufgeweichten Untergrund hinterlassen. Auch die Einfriedung der angrenzenden Weide wurde beschädigt. Die Polizei sperrte den Bereich ab und regelte den Verkehr.
Warum das Fahrzeug von der Straße abkam, war am Donnerstagnachmittag noch Gegenstand der Ermittlungen. Nach Angaben der Feuerwehr wurden die Daten aus dem Unfalldatenspeicher der Drehleiter gesichert. Sie sollen ausgewertet werden und möglicherweise Hinweise auf die Ursache geben. Die Polizei teilte auf Anfrage dieser Zeitung mit, von Seiten der Polizei sei es bei einer mündlichen Verwarnung geblieben.

Schweres Bergungsgerät (l.).
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Fast neue Drehleiter im Wert von rund einer Million Euro
Fest steht, dass das Fahrzeug nach dem Unfall nicht mehr fahrbereit ist. Wie schwer die Drehleiter technisch beschädigt wurde und wie hoch der Sachschaden ausfällt, ließ sich zunächst nicht beziffern. Besonders bitter für die Feuerwehr: Bei dem Fahrzeug handelt es sich um eine nahezu neue Drehleiter. Sie war erst im Juni dieses Jahres in Dienst gestellt worden und hat einen Anschaffungswert von rund einer Million Euro.
Rettungseinsatz in Kürten ohne kritischen Zeitverzug
Der Rettungsdiensteinsatz in Kürten, zu dem die Besatzung unterwegs war, konnte dennoch übernommen werden. Nach dem Unfall rückte die Drehleiter der Feuer- und Rettungswache 1 aus. Nach Angaben der Feuerwehr kam es dadurch zu keinem kritischen Zeitverzug. „Mutter und Kind sind wohlauf“, so Vize-Feuerwehrchef Frank Haag an der Einsatzstelle.
Gleichzeitig musste die Feuerwehr ihre Einsatzbereitschaft neu organisieren. Die Einsatzkräfte der Feuer- und Rettungswache Bensberg wurden für die Unterstützung der Bergungsarbeiten an der Unfallstelle benötigt. Deshalb sprang bereits in den Mittagsstunden der ehrenamtliche Löschzug Bensberg ein und besetzte die dortige Feuer- und Rettungswache. Zusätzlich wurde die Reservedrehleiter der Feuerwehr Bergisch Gladbach in Dienst gestellt. Damit sei der Brandschutz im Stadtgebiet trotz des Ausfalls des verunglückten Fahrzeugs weiterhin sichergestellt, so Feuerwehrsprecher Schneiders.
Aufwendige Bergung mit Spezialfahrzeug aus Köln
Schwierig gestaltete sich unterdessen die Bergung. Wegen des Gewichts und der Lage des Fahrzeugs konnte die Drehleiter nicht einfach zurück auf die Straße gezogen werden. Ein spezialisiertes Bergungsunternehmen aus Köln wurde angefordert. Mit einem schweren Bergefahrzeug sollte die Drehleiter gesichert und aus der Böschung geholt werden. Die Kräfte der Feuer- und Rettungswache Bensberg unterstützten die Arbeiten mit ihren Fahrzeugen und einer zusätzlichen Winde.
Für Autofahrer hatte der Unfall erhebliche Folgen. Während der Bergungsarbeiten war der Braunsberg nur eingeschränkt befahrbar. Der Verkehr aus Herkenrath in Richtung Kürten-Spitze wurde über den Siefer Hof umgeleitet. In der Gegenrichtung von Kürten-Spitze nach Herkenrath musste die Straße zunächst vollständig gesperrt bleiben. Die Bergung dauerte gestern Abend noch bis nach 22 Uhr. Aus einer Fahrt, bei der die Feuerwehr anderen zu Hilfe kommen sollte, war innerhalb weniger Sekunden selbst ein aufwendiger Hilfeleistungseinsatz geworden. (wg)

