Abo

NaturschutzMehlschwalbennester von Fassade entfernt

3 min
Zu sehen sind Mehlschwalben an künstlichen Nestern.

Künstliche Nester, wie auf diesem Symbolbild zu sehen, sind eine geeignete Alternative für Mehlschwalben, wenn Eigentümer ihre Immobilie sanieren oder neu streichen wollen.

Die Mitinhaberin der Immobilie erklärt, wieso die Nester ihren Zweck nicht mehr erfüllt haben.

Mehlschwalben sind für die Menschen nützliche Tiere. Ihre Hauptfutterquelle stellen für uns meist lästige Fluginsekten dar, wie Mücken, Blattläuse oder fliegende Ameisen. Das Problem ist, dass ihre Art gefährdet ist, weil sie durch das Insektensterben immer weniger Nahrung finden und auch ihr Nistmaterial wird knapper. Laut der Website des Naturschutzbund Deutschland (Nabu) bauen sie ihre Nester nämlich gerne an Hausfassaden an der senkrechten Wand, meistens unter dem Dachvorsprung, um trocken zu bleiben. Den Lehm, den sie für ihr Nest brauchen, finden Mehlschwalben in der Nähe von Flussufern, Tümpelrändern oder Pfützen. Weil immer mehr Flächen versiegelt werden und es zu immer langanhaltenderen Trockenperioden kommt, gelingt allerdings auch das nicht mehr so gut.

Daher sind Mehlschwalben auch in NRW besonders geschützt. In der Stegerwaldstraße in Bergisch Gladbach hätten laut einer Leserin bis vor Kurzem noch sieben Schwalbennester gehangen, die nun verschwunden seien. Auf Anfrage teilt das Veterinäramt, Abteilung Artenschutz, des Rheinisch-Bergischen Kreises mit, dass der Fall ihnen nicht bekannt sei. Es käme aber immer wieder zu Meldungen von solchen Vorfällen. „Den Meldungen gehen wir selbstverständlich unverzüglich nach, denn Rauch- und die Mehlschwalbe gehören zu den besonders geschützten Arten und es ist verboten, sie zu töten oder ihre Eier aus den Nestern zu entnehmen. Die Nester dürfen auch nicht beschädigt oder zerstört werden“, heißt es weiter. Somit werde auch dieser Fall überprüft.

Zu sehen sind Reste von entfernten Mehlschwalbennestern.

Die Reste der entfernten Mehlschwalbennester sind unter dem Dach noch zu sehen.

Schwalben seien nämlich ortstreu und nutzten ihre Niststätten mehrjährig, daher würden gerade ihre Nester einen ganzjährigen Schutz genießen. Auch in den Wintermonaten, wenn die Schwalben im Süden sind, dürfen die Brutstätten laut Veterinäramt nicht entfernt werden.

„Wird ein Vorfall gemeldet, wird er zunächst eingehend geprüft. Liegt Vorsatz vor, zum Beispiel, wenn intakte Nester vorsätzlich zerstört werden, kann ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet werden“, so die Behörde weiter.

Küken sind aus dem Nest gefallen

Auf Anfrage erklärt die Mit-Inhaberin des Gebäudes in der Stegerwaldstraße, Melanie Stoll, dass die Nester bereits seit längerer Zeit kaputt waren. „Die Mehlschwalben haben dort aber trotzdem gebrütet, deshalb sind immer wieder Küken aus dem Nest gefallen und gestorben.“ Neu sei die Entfernung der Nester nicht gewesen. Etwa vor zwei Jahren seien die Reste entfernt worden. Ein künstlicher Ersatz sei nicht geschaffen worden, denn die Mehlschwalben seien in der näheren Umgebung weitergezogen und hätten dort neue Nester errichtet. „Wir sind die letzten, die brütende Vögel vertreiben wollen“, betont Stoll. Schließlich würden die Mehlschwalben bereits seit mehr als 20 Jahren dort ihre Jungen großziehen, wie sie im Gespräch mit den verschiedenen Mietern der Immobilie herausfinden konnte.

Dass die Restnester nicht ohne Absprache mit dem Veterinäramt hätten entfernt werden dürfen, sei ihnen zu diesem Zeitpunkt nicht klar gewesen. Personen vom Veterinäramt seien inzwischen vorbeigekommen, hätten die verbliebenen Nester aufgenommen und auf den besonderen Schutz der Art hingewiesen. Auch Stoll habe die Mieter für die Mehlschwalben und ihre Nester sensibilisiert.

Für jeden Fall eine Einzellösung

Aber was tun, wenn etwa eine energetische Sanierung oder der Abriss eines Hauses oder ehemaligen Stallgebäudes ansteht, an dem Schwalbennester vorhanden sind? In diesem Fall sollte sich der Bauherr laut Veterinäramt frühzeitig, also vor Beginn der Baumaßnahmen, mit der für den Artenschutz zuständigen Behörde in Verbindung setzen. So könne für jeden Einzelfall eine Lösung gesucht werden. „Dies kann beispielsweise das Anbringen von Kunstnestern in der näheren Umgebung sein“, sagt das Veterinäramt.

Wie viele Mehlschwalben es noch im Rheinisch-Bergischen Kreis gibt, kann die Behörde nicht sagen. „Es lässt sich aber beobachten, dass die Population insgesamt zurückgeht.