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Rückblick 2025In Odenthal passte vieles nicht im ersten Anlauf

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Eine Brücke wird mit einem Kran auf zwei Stützpfeiler gehoben.

Symbol für manches, das in Odenthal 2025 nicht auf Anhieb klappte: die Menrather Brücke.

Nicht viele Projekte konnten 2025 in Odenthal fertiggestellt werden. Fortschritte gab es aber im Straßenbau und bei der Brücke Menrath.

2025 – kein Jahr der schnellen Erfolge für Odenthal. Eher musste jeder kleine Fortschritt mühsam erarbeitet werden. Das lag nicht zuletzt daran, dass die Parteien schon früh auf die Kommunalwahl im September schielten. Das Jahr im Überblick:

Politik: Ein Jahr im Zeichen der Kommunal- und Bürgermeisterwahlen

Mit Laura Lundberg (CDU), Andreas Fritsch (SPD) und Sonja Tewinkel (parteilos) bewerben sich gleich drei Kandidaten für den Chefsessel im Rathaus. Besonders auf Social Media läuft der Wahlkampf nicht immer fair. Tewinkel, bei den Grünen ausgetreten, wird die Parteilosigkeit bestritten. Am Ende hat Lundberg die Nase vorn, erreicht schon – von vielen unerwartet – im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit und zieht als erste Bürgermeisterin ins Odenthaler Rathaus ein.

Der neue Gemeinderat konstituiert sich im November: Die CDU ist nach fünf Jahren wieder stärkste Kraft, Bündnis 90/die Grünen sind geschwächt, SPD und FDP leicht erstarkt. Alle müssen sich daran gewöhnen, dass erstmals auch ein AfD-Vertreter im Rat sitzt, der bei knappen Entscheidungen den Ausschlag geben könnte. Ungewohnt auch der Blick auf Alt-Bürgermeister Robert Lennerts, der nun im Plenum sitzt. Mit einem Direktmandat in Eikamp schließt er sich als Parteiloser der CDU-Ratsfraktion an.

Finanzen: Die Kasse ist weiterhin leer

Die Kasse ist weiterhin leer. Odenthal verabschiedet einen Doppelhaushalt und versucht gegenzusteuern, indem die Grundsteuer B erheblich erhöht wird. Die Proteste dagegen halten sich bisher in Grenzen.

Nur ein Tropfen auf den heißen Stein sind da die 6,5 Millionen, die Odenthal aus dem Investitionsprogramm des Landes erhält. Und die Begehrlichkeiten, das Geld sinnvoll einzusetzen, sind groß.

Bauvorhaben: Projekte verzögern sich

Unnötige Verzögerung bei der Sanierung des Dhünntalstadions: Die über die Jahre geänderten Auflagen zur Entwässerung waren offensichtlich im Rathaus nicht angekommen, der Kreis schritt ein. Eine Zisterne muss gebaut werden. Inzwischen liegt der Rasen, die Tartanbahn soll im Frühjahr folgen.

Dafür glückt im zweiten Anlauf der Lückenschluss bei der Brücke Menrath: sie passt. Die Verwaltung bekam viel Spott ab, obwohl sie selbst wohl nicht für die Fehlmessung verantwortlich war. Zur jahrelangen Wanderbaustelle mit vielen Einschränkungen für die Anwohner wird die St. Engelbert-Straße: Erst kommen die Versorgungsrohre, dann der Asphalt. Notwendig, aber auf Jahre belastend.

Verkehr: Totalsperrung der Gladbacher Straße sorgt für Umwege

Verkehr: Die wochenlange Totalsperrung der Gladbacher Straße verursacht weite Umwege, war aber am Ende eine gute Lösung, alles blieb im Zeitplan. Die Bürgerbusse Odenthal und Kürten kooperieren mit einer neuen Verbindung über Neschen. Jetzt muss sich zeigen, ob das Angebot von den Kunden angenommen wird.

Schulen: Der Campus ist zu eng

Die Baukosten für den Erweiterungsbau des Gymnasiums und für die neue Grundschule steigen auf jeweils elf Millionen Euro, Tendenz wohl weiter steigend. Für die politische Entscheidung, die Grundschule Odenthal während der Zeit des Neubaus nicht aus dem Campus auszulagern, kam jetzt die Quittung: Baustelle und Schulbetrieb gleichzeitig sind zu gefährlich, erschweren die Arbeiten und erhöhen die Kosten.

Die Grundschule soll nun in den Sommerferien in Container am Dhünntalstadion umziehen. In Neschen soll an der Grundschule eine viergruppige Kita in der Verantwortung des Kreises entstehen. Eine Baustelle für Odenthal weniger.

Zuwanderung: Proteste gegen geplantes Flüchtlingsheim

Zuwanderung: Anfang des Jahres ist die Not groß: die Zuweisungen steigen, immer mehr geflüchtete Menschen kommen nach Odenthal. Die Verwaltung weist auf menschenunwürdige Unterbringungen hin und legt Pläne für den Bau eines Flüchtlingsheims in Höffe vor. Befeuert von protestierenden Anwohnern, geht das politische Feilschen um die Größe des Baus los, am Ende kippt die Politik das Vorhaben.

Stattdessen schafft man Tinyhäuser an - und hat Glück. Die Zuweisungen ebben ab, auch die für den Notfall hergerichtete Trauerhalle auf dem Friedhof Selbach kann von der Liste der Notunterkünfte gestrichen werden.

Natur und Umwelt: Pläne für Windräder werden hinweggefegt

Natur und Umwelt: Der Idee, Windräder auf dem Klauberg zu bauen, erhält viel Gegenwind. Eine Petition wird initiiert, das Vorhaben schließlich planungsrechtlich zu Grabe getragen. Dafür wird Odenthal für zwei Jahre zum Reallabor für einen klimaresilienten Ort, bei der kommunalen Wärmeplanung ist man aber weiter Schlusslicht im Kreis.

Ehrenamt und Initiativen: Auf das private Engagement kann sich Odenthal weiter verlassen. Peter und Willi Kombüchen werden „Odenthaler 2025“ für ihr Engagement im Blutspendedienst, Gerd Kortschlag setzt seine Hilfsfahrten in die Ukraine fort, unterstützt von vielen Bürgern. Der Spendenmarathon für „Mutige Kinder e.V. läuft in Eikamp ins Ziel ein. Und die gemeinnützige Kleeblatt-Stiftung könnte die Alte Kaplanei mit einem Non-Profit-Café endlich aus dem Dornröschenschlaf holen.

Das Festival Literatur am Dom bekommt mit dem Literatursalon einen kleinen Ableger, der sich erst noch behaupten muss. Die Kammerkonzerte starten mit neuem Trägerverein. Nur der 93 Jahre alte Günter Blömer sucht immer noch verzweifelt nach einem Standort für sein Mühlenmuseum, um sein Lebenswerk zu retten. Niemand will sich dieser Baustelle annehmen.