Schwarze Müllsäcke, alte Teppiche, eine ausrangierte Spüle und anderer Unrat liegen mitten im Wald. Anderswo haben sich Menschen aus Baumstämmen und Ästen einen Lagerplatz gebaut. Und an einem Bach zeugen Steine, Asche und ein zurückgelassener Grillrost davon, dass hier jemand ein Feuer entzündet hat. Es sind Bilder aus dem Arbeitsalltag von Andreas Fischer und Robin Schulte. Seit Oktober 2023 sind die beiden Ranger im Rheinisch-Bergischen Kreis unterwegs – als Ansprechpartner für Menschen, die den Wald nutzen, aber auch als seine Aufpasser.
Und die haben einiges zu tun. 16.470 Hektar Wald gibt es im Kreis, hinzu kommen 81 Naturschutzgebiete mit zusammen 5577 Hektar Fläche. Wandern, Joggen, Mountainbiken, Reiten, Geocaching oder die Runde mit dem Hund: Der Wald ist längst nicht mehr nur Wirtschafts- und Naturraum, sondern für viele ein riesiges Naherholungsgebiet.
Genau dort beginnt die Arbeit der Ranger. Sie sollen Präsenz zeigen, informieren, für den Schutz sensibler Lebensräume werben und Konflikte möglichst lösen, bevor sie eskalieren. Dabei verstehen sich Fischer und Schulte nicht in erster Linie als Ordnungshüter mit Verwarnungsblock. „Am Ende des Tages ist es immer ein Werben um gegenseitiges Verständnis“, sagt Fischer, als die beiden ihre Arbeit jetzt auch im Umweltausschuss des Kreises vorstellen.
Erst reden, dann verwarnen
Meist wird deshalb zunächst geredet. Wer seinen Hund dort frei laufen lässt, wo er angeleint werden muss, oder mit dem Mountainbike abseits erlaubter Strecken unterwegs ist, soll verstehen, warum es Regeln gibt. Verwarngelder stehen nicht im Vordergrund. Anders sieht es aus, wenn bei hoher Waldbrandgefahr geraucht oder Feuer gemacht wird oder Autos unerlaubt im Wald fahren und parken.
Gerade der heiße Sommer hat den Rangern einiges abverlangt. 66 Warnschilder stellten sie im Kreis auf. Gemeinsam mit Kreisbrandmeister Manuel Packhäuser warben sie um Vorsicht. Trotzdem fanden Fischer und Schulte Feuerstellen und Zigarettenkippen auf trockenem Waldboden. Nicht immer stecke böser Wille dahinter, häufig genug ist es Gedankenlosigkeit.
Dauerproblem Müll und Gartenabfälle
Ein Dauerproblem ist Müll. 96 Fälle illegaler Abfallentsorgung registrierten die Ranger allein 2025. Dabei geht es längst nicht nur um die weggeworfene Getränkedose. Ganze Ladungen werden in der Natur entsorgt, darunter nach Beobachtung der Ranger auffällig viel gewerblicher Abfall. Kleinere Mengen sammeln Fischer und Schulte selbst ein, bei größeren Ablagerungen organisieren sie die weitere Entsorgung.
Selbst Gartenabfälle können erheblichen Schaden anrichten. Wer Grünschnitt hinter dem eigenen Grundstück im Wald ablädt, bringt möglicherweise Pflanzen in ein Ökosystem, in das sie nicht gehören. An einer Stelle habe sich aus weggeworfenem Bambus bereits ein größerer Bestand entwickelt. In einem anderen Fall gingen die Ranger deshalb buchstäblich Klinken putzen: In einem ganzen Straßenzug suchten sie das Gespräch mit Anwohnern, hinter deren Grundstücken Naturschutzgebiet und Staatswald beginnen.
Mindestens ebenso wichtig ist Besucherlenkung. Das zeigt sich etwa am Eifgenbach. Dort wurde ein Wanderweg verlegt, um einen sensiblen Bereich zu entlasten. Doch wer eine Strecke seit Jahren kennt, lässt sich nicht unbedingt gern umleiten. Nachdem der alte Durchgang zusätzlich mit Geländer und Hinweisen gesichert worden war, gingen nach Schätzung Fischers rund 50 Beschwerde-Mails ein. An stark frequentierten Wochenenden seien dort an die 1000 Menschen unterwegs – Spaziergänger, Wanderer, Radfahrer und Hundebesitzer, darunter viele Besucher aus dem Ballungsraum Köln.
Der Biber als Sympathieträger
Manchmal hilft bei der Überzeugungsarbeit ein tierischer Rückkehrer: der Biber. Nach rund 200 Jahren ist er wieder im Bergischen Land angekommen, unter anderem in Rösrath. Für die Ranger ist er ein Sympathieträger. Die abstrakte Aufforderung, einen Hund im Naturschutzgebiet anzuleinen, komme nicht bei jedem gut an. Erkläre man dagegen, dass dort ein Biber lebt, dessen Lebensraum geschützt werden soll und der sich gegenüber einem Hund durchaus verteidigen kann, sehe die Sache oft anders aus.
Fischer und Schulte sind keine zusätzlichen Revierförster. Während Förster sich vor allem mit Waldbesitzern, Bewirtschaftung, Holzernte oder Genehmigungen beschäftigen, sind die Ranger stärker dort gefragt, wo Wald und Menschen aufeinandertreffen. Dazu gehört auch Umweltbildung. Am Forsthaus Steinhaus unterstützen sie Veranstaltungen.
Selbst ein matschiger Waldweg kann zum Konfliktfall werden. Vielen Erholungssuchenden sei kaum noch bewusst, dass Waldwege vor allem Forstwirtschaftswege sind. Wird Holz geerntet, fahren dort schwere Maschinen. Beschwerden landen anschließend beim Forstamt oder Kreis. „Die eigentliche Nutzung wird nicht mehr gesehen, sondern der Mehrwert in der Erholung steht im Vordergrund bei den Leuten“, sagt Fischer. Umso wichtiger sei das Gespräch, bevor ein Konflikt mehrere Behörden beschäftige.
Wenn die Ranger Menschen ansprechen, sind sie häufig gemeinsam unterwegs. Das dient dem Arbeitsschutz, aber auch ihrer Funktion als Ordnungsbehörde. Doch der erhobene Zeigefinger soll nicht ihr Markenzeichen sein. Fischer und Schulte wollen erklären, warum ein Weg gesperrt ist, Gartenabfälle im Wald nichts verloren haben oder ein Hund an die Leine gehört. Denn Naturschutz funktioniert dort am besten, wo Menschen Regeln nicht nur kennen – sondern auch verstehen. (wg)

