Der Rat der Stadt Bergheim hat sich zu einem Strukturkonzept für die Nachnutzung des Areals bekannt. Auenheim rückt darin in den Fokus.
Kühlturm bleibt wohl nicht erhaltenDas sind die Pläne für das Kraftwerksareal in Bergheim

Die Auenheimer Straße, hier in einer Visualisierung dargestellt, soll in Zukunft eine zentrale Rolle spielen.
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Der Rat der Stadt Bergheim hat am Montag einstimmig ein Strukturkonzept zur Nachnutzung des Kraftwerksareals beschlossen. Langfristig sollen auf dem Gelände mehrere Gewerbeparks und Quartiere entstehen. Auch Grünflächen und Flächen für die Freizeitnutzung sind vorgesehen.
Erarbeitet wurde das Konzept von der Perspektive Struktur Wandel (PSW), einer gemeinsamen Gesellschaft des Landes Nordrhein-Westfalen und der RWE Power AG. Bereits im letzten Ausschuss für Planung und Umwelt stellte Erik Schöddert, Leiter des Bereiches Immobilien, Bau und Projektentwicklung RWE Power AG und Geschäftsführer der PSW, das Konzept den Ausschussmitgliedern vor.
Bergheim: Ortsteile sollen stärker zusammenwachsen
Laut Schöddert gab es bereits eine ausführliche Bestandsaufnahme des Areals, durch das auch etliche Rohrleitungen und Trassen verlaufen. Der Grundgedanke sei, ein Stück weit die alten Strukturen zu respektieren. Einen Erhalt des Kühlturms, wie ihn etwa die Grünen bereits vorgeschlagen hatten, bezeichnete Schöddert dagegen als „extrem schwierig, nahezu unmöglich“. Es sei aber denkbar, dass man die Kreisstruktur des Bauwerks aufnimmt, um für künftige Generationen den Geist des Ortes zu erhalten. „Den Kühlturm jetzt schon abzuschreiben, wäre verfrüht: Ist er doch die identitätsstiftende Landmarke für unsere Energiestadt Bergheim“, sagt dagegen Uwe Ulbrich (Grüne) in einer Pressemeldung. Die Grünen erwägen darin eine Nutzung als Landmarke und als Träger für PV-Anlagen.
Auenheim liegt besonders im Fokus des Konzepts. Bisher ist der kleinste Bergheimer Ortsteil durch das Kraftswerksgelände stark von Niederaußem abgeschnitten. Weitere Wegeverbindungen sollen hier Abhilfe verschaffen und die Ortsteile stärker zusammenwachsen lassen.
240 Hektar große Fläche in Betrachtung
Ein Standort dieser Größe sei allerdings nicht auf einen Schlag zu entwickeln – das in Betrachtung stehende Areal, das auch zwei potenzielle Erweiterungsflächen beinhaltet, ist 240 Hektar groß. Manche Flächen stehen schnell zur Verfügung, wohingegen weitere noch länger vom Kraftwerksbetrieb beansprucht sind. Schnell handlungsfähig sei man etwa bei der Fläche für den Digitalpark.
Von den Fraktionen kam viel Lob für das Konzept. Helmut Paul (CDU) erklärte im Ausschuss für Planung: „Wir wissen alle, dass Auenheim und Niederaußem die Zukunftsorte von Bergheim sein werden.“ In der Ratssitzung erklärte Marc Bonaldo Fuolega (SPD), dass die Kommune in einer entscheidenden Phase des Strukturwandels sei: „Wir werden da an einem Strang ziehen.“
Grüne sorgen sich um Flächenversieglung
Die Grünen mischten dem Lob etwas Kritik bei, insbesondere wegen der Gesamtbetrachtung des 240 Hektar großen Areals, das nicht nur das reine Kraftwerksgelände anivisiere, sondern auch potenzielle Erweiterungsflächen, bei denen es sich um landwirtschaftliche Flächen handelt. Die Grünen kritisieren in einer Pressemitteilung: „Während öffentlich über Nachhaltigkeit gesprochen wird, wird gleichzeitig weiter Boden versiegelt.“ Das Kraftwerksareal selbst biete ausreichend Entwicklungspotenzial.
Bürgermeister Volker Mießeler erklärte dagegen im Rat, es sei nicht geplant, alle 240 Hektar mit Gewerbe zu überziehen, sondern unterschiedliche Nutzungsarten miteinander zu verzahnen.
Der nächste Schritt sind Machbarkeitsstudien zu Verkehr, Erschließung, Entwässerung und Schallschutz, die die PSW koordiniert. Diese sollen nicht nur den Fahrplan für das Gesamtareal konkretisieren, sondern bilden auch die Grundlage für die kommunale Bauleitplanung, so die PSW in einer Pressemitteilung.
Darin äußert sich auch Ina Scharrenbach, Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen: „Das Rheinische Revier macht sich auf den Weg von der Braunkohle- zur Boom-Region – und Bergheim zeigt, wie das gehen kann.“

