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Schmutz und GraffitiBergheimer Bahnhof belegt vorletzten Platz in Stationsbericht

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Das Foto zeigt Graffiti an einem Bahnhof.

Auf den Scheiben des Fahrgasthäuschens am Bahnhof Quadrath-Ichendorf haben sich Unbekannte mit Graffiti verewigt.

Zu bemängeln hatten die Prüfer des Nahverkehrszweckverbands vor allem die Sauberkeit und das Erscheinungsbild des Bahnhofs.

Der Bahnhof in Quadrath-Ichendorf landet im go.Rheinland-Stationsbericht 2025 auf dem vorletzten Platz. Mit einem Wert von 74,39 Prozent, wobei 100 Prozent ideal wären, schneidet der Bahnhof im Qualitätstest erneut schlecht ab. Nur die Station Duckterath (Bergisch Gladbach) hat mit 73,89 Prozent noch schlechter abgeschnitten.

Zu bemängeln hatten die Prüfer des Nahverkehrszweckverbands vor allem die Sauberkeit und das Erscheinungsbild des Bahnhofs in Quadrath-Ichendorf. So ist im Bericht zu lesen, dass es Graffiti am Bahnsteig sowie im Bereich des Bahnhofszugangs gebe. Der Wetterschutz an der Station sei zudem verschmutzt und auch das Erscheinungsbild lasse zu wünschen übrig. Auch seien das Gleisbett und die Abfallbehälter nicht sauber. Mängel stellten die Prüfer zudem beim Erscheinungsbild des Fahrkartenautomaten sowie bei der Funktionalität des Fahrkartenentwerters fest.

Bergheim: Bahnhof ist schon länger ein Reizthema

Hingegen seien etwa der Zustand und die Sauberkeit des Bodens und der Grünanlagen gut, auch die Beleuchtung ist als akzeptabel vermerkt. Positiv bewertet wird zudem die Beschilderung.

Die Bahnstation gilt schon länger als unansehnlich und verschmutzt. Ihr Zustand war auch Teil politischer Debatten in Bergheim. „Die Mängel am Quadrath-Ichendorfer Bahnhof sind schon lange ‚nicht mehr akzeptabel‘, sie sind katastrophal. Offenbar will das aber niemand derjenigen, die’s in der Hand hätten, ernsthaft ändern. Anders kann ich das nicht interpretieren“, sagt etwa Torsten Rekewitz, Vorsitzender der Bergheimer SPD.

Auf dem Foto ist ein defekter Mülleimer zu sehen.

Besser mal keinen Abfall reinwerfen.

Als er 2025 im Bürgermeisterwahlkampf auf die Problematik hingewiesen habe, habe es als Reaktion „nette Fototermine und erneute Ankündigungen gegeben“. Geschehen sei nichts. „Wäre wirklich klasse, wenn endlich gehandelt würde. Nicht zu viel verlangt für die Menschen, die dort zwischen Graffitis und Müll auf die Bahn warten, oder?“

Der Haltepunkt in Quadrath-Ichendorf schnitt auch in der Vergangenheit in den Prüfungen des Zweckverbands durchwachsen ab. So fiel er 2022 mit 66,94 Punkten noch in die Kategorie „nicht akzeptabel“, 2023 lag er mit 85,98 Punkten im Bereich „noch akzeptabel“, wo er auch 2024 mit 86,56 Punkten zu finden war. Auch zum damaligen Zeitpunkt bemängelte go.Rheinland schon den Fahrausweisautomaten, die Graffiti, den Zustand des Gleisbetts und den Wetterschutz. Laut Bundespolizeiinspektion Köln gibt es eine Videoüberwachungsanlage am Haltepunkt seit Januar 2025.

Im Bergheimer Rathaus heißt es auf Anfrage dieser Redaktion, man nehme die im Bericht von go.Rheinland dargestellten Herausforderungen durch Vandalismus und Graffiti sehr ernst. Doch es sei klar: Verbesserungen könnten nur im engen Schulterschluss aller Beteiligten erreicht werden.

Das Foto zeigt einen Mann mit Brille, blauem Sacko, weißem Hemd und roter Krawatte.

SPD-Chef Torsten Rekewitz: „Die Mängel am Quadrath-Ichendorfer Bahnhof sind schon lange ‚nicht mehr akzeptabel‘, sie sind katastrophal.“

Die Kreisstadt arbeite hierbei kontinuierlich mit DB InfraGO, go.Rheinland, den Stadtwerken Bergheim sowie mit der Bundespolizei zusammen. Die städtische Ordnungsbehörde führe regelmäßig sowohl im Tages- als auch im Spät- und Nachdienst Kontrollen an den Bergheimer Bahnhaltepunkten durch, dokumentiere festgestellte Missstände und leite diese umgehend an die jeweils zuständigen Stellen weiter, teilte eine Sprecherin mit.

Dabei sei zu berücksichtigen, dass zentrale Aufgaben – insbesondere die Reinigung der Gleisanlagen und Bahnsteigbereiche – in der Zuständigkeit der Deutschen Bahn beziehungsweise der beauftragten Unternehmen liegen.  Gleichwohl werde die Kreisstadt tätig:  So sei Ende 2025 am Bahnhaltepunkt Quadrath-Ichendorf die alte Fahrradabstellanlage – und damit eine maßgebliche „Schmutzecke“ – ausgebaut und der Bereich klarer und offener gestaltet worden; dessen Erscheinungsbild präsentiert sich seither deutlich ansehnlicher und sauberer. Im Rahmen der Mobilstationen seien moderne Fahrradboxen geplant. Außerdem seien zusätzliche Mülleimer vorgesehen.

Mittelfristig sei zudem eine umfassende und ganzheitliche Aufwertung vorgesehen: Im Zuge des Ausbaus der Erft-Bahn zur S-Bahn soll auch der Haltepunkt Quadrath-Ichendorf, inklusive des Wartebereichs, grundlegend umgebaut werden.

Bahnhöfe in Kerpen-Sindorf und Bergheim schneiden schlecht ab

Doch auch andere Stationen im Rhein-Erft-Kreis schnitten dieses Mal schlecht ab. Der Haltepunkt in Kerpen-Sindorf wurde etwa mit 81,13 Prozent bewertet. Hier wurde sei etwa die Beschilderung in den Kategorien Funktionalität, Sauberkeit und Erscheinungsbild nicht zufriedenstellend. Auch wurden hier viele Graffiti bemängelt sowie die Sauberkeit und das Erscheinungsbild der Abfallbehälter. Auch in Kerpen war der Zustand des Haltepunkts vermehrt Thema politischer Debatten. Zudem schnitt der Bahnhof in Bergheim schlecht ab: Er lag bei 81,04 Prozent. Ein weiterer Bergheimer Bahnhof, der schlecht abschnitt, war der in Zieverich: Er erhielt eine Wertung von 81,05 Prozent.

Es gibt jedoch auch positive Beispiele im Kreis: Der Bahnhof in Pulheim etwa erhielt eine Wertung von 90,24 Prozent, Frechen-Königsdorf lag bei 90,88 Prozent, Erftstadt bei 93,91 Prozent und Bedburg bei 90,38 Prozent, Bergheim-Paffendorf wurde mit 90 Prozent gewertet.

Von den 201 Stationen im go.Rheinland-Gebiet wurden 195 von den go.Rheinland-Testern in Augenschein genommen und bewertet. Aufgrund der Flutauswirkungen konnten sechs Stationen nicht erfasst werden. Der Zweckverband testete die Bahnhöfe zum 13. Mal.

Das Ergebnis des Jahres 2025 liege deutlich unter dem Niveau des Vorjahres: In der besten Kategorie (sehr gut/ausgezeichnet) landeten laut go.Rheinland 2025 zehn Bahnhöfe und Haltepunkte (Vorjahr: 22). Der Kategorie ordentlich/akzeptabel konnten 98 Stationen zugeordnet werden, 2024 waren es noch 126. Die Anzahl der Bahnhöfe und Haltepunkte mit inakzeptablen Mängeln sei im Vergleich zu 2024 von vier auf acht Prozent gestiegen (2025: 16, 2024: neun).

go.Rheinland-Geschäftsführer Dr. Norbert Reinkober: „Nachdem die Qualitätsprüfungen im Jahr zuvor endlich einmal wieder Verbesserungen zeigen konnten, ist die Qualität im Jahr 2025 leider deutlich gesunken. Wir fordern die Stationsbetreiber, Städte und Gemeinden dazu auf, aktiv gegenzusteuern.“

Am besten im gesamten Testgebiet schnitt übrigens der Bahnhof Siegburg/Bonn ab. Er wurde mit 98,86 Prozent bewertet. Weitere Infos sind auf der Seite von go.Rheinland nachzulesen.