Das hässliche Entlein, das war einmal. Die Stadt aus dem Nordkreis macht das Beste aus ihren Möglichkeiten, auch durch Kulturförderung.
Image wandelt sichIn Elsdorf läuft's, manchmal auch aus dem Ruder


Bürgermeister Andreas Heller bot schon mal gegen Spenden für die Kitas blaue Freibadkacheln an.
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Eins muss man Elsdorf lassen: Jahrzehntelang wurde der Ort am nördlichen Rand des Rhein-Erft-Kreises ausschließlich mit dem Tagebau, dem Verlust von Teilen seines Stadtgebiets und dem kontinuierlich wachsenden Loch in Verbindung gebracht; doch je tiefer die Elsdorferinnen und Elsdorfer von der Abbruchkante in den Abgrund schauten, desto größer wuchs der Ehrgeiz in der Stadt mit den wenigsten Einwohnern im Kreis, ihr Image des hässlichen Entleins abzulegen.
Gerade im kulturellen Bereich ist Elsdorf zu einer guten Adresse geworden. So startet aktuell Samstagabend das Sommerfestival „Musik mit Aussicht“ – und das schon traditionell (im Rheinland gilt alles als Tradition, was mindestens ein zweites Mal stattfindet) mit dem „Euer Lied Contest“ (ELC). Es ist schon die sechste Auflage des Musikwettbewerbs, der nicht ganz zufällig an den Eurovision Song Contest (ESC) angelehnt ist.
Elsdorf: 90er-Jahre-Party endete für einige Besucher im Krankenhaus
Das Konzept: Musikerinnen und Musiker aus allen zehn Städten des Kreises präsentieren je zwei Songs, davon mindestens einen selbstgeschriebenen. Am Ende eines langen Abends an der Aussichtsplattform Terra Nova wählt das Publikum dann seinen Favoriten.
Der ELC und die anderen kleinen, feinen Kulturveranstaltungen gehören zu den vielen Puzzleteilen, die Elsdorf zu früher nicht gekannter Geltung und Bekanntheit verhelfen. Kürzlich erst tanzten Tausende an der Festhalle bei einer Party zu den Hits der 90er Jahre. Einziger Wermutstropfen war die aberwitzige Aktion eines jugendlichen Besuchers, der vor der Bühne Reizgas versprühte. Für sechs Besucherinnen und Besucher endete die Nacht im Krankenhaus.

Der Aussichtspunkt Terra Nova in Elsdorf
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Elsdorf profitiert auch von Köln. Noch vor nicht allzu langer Zeit sind nur wenige Großstädter auf die Idee gekommen, am nördlichen Rand des Rhein-Erft-Kreises ein Haus zu bauen oder zu beziehen.
Doch die explodierenden Mieten in der Metropole haben dazu geführt, dass die Menschen sich nicht nur im unmittelbaren Speckgürtel wie Pulheim, Frechen, Hürth oder Brühl angesiedelt haben, sondern eben auch in Elsdorf. Dort legten sie einen Bruchteil dessen für ein Einfamilienhaus auf den Tisch, was in Köln fällig gewesen wäre. Doch auch hier hat die Entwicklung auf dem Immobilienmarkt nicht Halt gemacht: Schnäppchen gibt es nicht mehr.
Die gesamte Entwicklung flankiert die Stadt mit Marketing-Kampagnen. Der Slogan „Elsdorf läuft!“ ist allgegenwärtig; da wurden mal „echte Elsdorfer Freibad-Fliesen“ für einen guten Zweck verkauft, als dessen Sanierung anstand. Und zuletzt machte die Aktion für ein eigenes Autokennzeichen Schlagzeilen. Wenn es nach Bürgermeister Andreas Heller (CDU) und etlichen Bürgerinnen und Bürgern geht, soll das gewachsene Selbstbewusstsein auf einem eigenen ELS-Kennzeichen zur Schau gestellt werden.
Dahinter auch eine gewisse Distanzierung zum Rhein-Erft-Kreis zu sehen, ist nicht gänzlich falsch interpretiert. Heller fremdelt mit den Zwängen, die ein solches Bündnis mit sich bringt – die Vorteile mitunter dabei aber ausblendend.

Ein Fahrzeug mit dem fiktiven Kfz-Kennzeichen für Elsdorf. (Fotomontage)
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Nun hat Elsdorf wieder einen kreativen Impuls gesetzt. In seiner vorletzten Videobotschaft hat Heller dazu aufgefordert, einen orangefarbenen „ELS“-Aufkleber in den Sommerferien am Urlaubsort irgendwo „hinzupappen“, ein Foto davon zu machen und es einzuschicken. Denn: Tolle Preise winken.
Andernorts liest man immer wieder, dass das Aufbringen von Aufklebern und vor allem, sie wieder zu entfernen, ein Ärgernis ist. Und man muss es nicht mal genau nehmen: Es handelt sich um Sachbeschädigung, wenn es fremdes Eigentum ist.
