Microsoft spricht wegen der geschlossenen Kühlsysteme nur von einem geringen Wasserverbrauch. Konkrete Zahlen nennt das Unternehmen nicht.
Informationen unter VerschlussHöhe des Wasserverbrauchs in Rechenzentren in Rhein-Erft unklar

Die Microsoft-Rechenzentren im Kreis haben für Aufbruchstimmung gesorgt, beim Wasserverbrauch hüllt sich Microsoft in Schweigen.
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Die geplanten Microsoft-Rechenzentren in Bedburg, Bergheim und Elsdorf haben für Aufbruchstimmung gesorgt. Die Hyperscaler des Tech-Giganten sollen viele moderne Unternehmen in die Region locken und so den Weg für eine prosperierende Zukunft eröffnen.
Doch die Rechenzentren werden Wasser für die Kühlung brauchen – und in einer vom Tagebau geprägten Region ist die Ressource ein sensibles Thema. Wie ein Sprecher des Trinkwasserversorgers in der Region, der Rheinisch-Westfälischen Wasserwerksgesellschaft (RWW), bestätigt, bekommt das Rechenzentrum für die Kühlung das gleiche aufbereitete Trinkwasser, mit dem auch alle übrigen Kunden versorgt werden.
Keine Prognose zum Wasserverbrauch der Rechenzentren
Doch wie viel Wasser wird es sein? „Eine Prognose zum Verbrauch liegt uns aktuell nicht vor“, sagt ein Sprecher des Wasserversorgers RWW. Auf Anfrage an die Stadt Elsdorf, ob die Kommune nicht einmal eine Planungsgröße hat, um auszuschließen, dass sich das Rechenzentrum auf dem Stadtgebiet am Ende als belastend darstellt, erklärt die Elsdorfer Pressestelle: „Es ist Aufgabe des Vorhabenträgers, den Wasserbedarf mit dem Versorger zu klären. Zur technischen Ausführung zur Kühlung der Anlage liegen uns noch keine Infos vor.“
Die Stadt Bedburg und die Kreisstadt antworten ähnlich. „Auch wenn die technischen Details und Abstimmungen in der Zuständigkeit des Vorhabenträgers noch nicht finalisiert sind, ergibt sich aus der Erkenntnis, dass es sich um ein geschlossenes Kühlwasserkreislaufsystem handelt, dass der Wasserhaushalt nicht stark belastet wird“, so die Pressestelle der Stadt Bergheim.
Auch dem Rhein-Erft-Kreis ist nicht bekannt, wie hoch der Wasserbedarf sein wird. Aus dem Bebauungsplan zum Rechenzentrum in Bergheim gehe allerdings hervor, dass der Wasserversorger 1,33 Liter pro Sekunde an Trinkwasser für den Sanitärwasserbedarf und für Kühlzwecke maximal 22,2 Liter pro Sekunde gewährleisten könne, ohne dass es nachteilige Auswirkungen auf das Versorgungsgebiet hat, so die Pressestelle des Kreises: „Werden entsprechende Festsetzungen im Bauleitplan verankert, so obliegt es der Stadt, diese zu überwachen.“
Microsoft rechnet mit nur sehr geringem Verbrauch
Ein Microsoft-Sprecher sagt auf Anfrage: „Alte Rechenzentren verbrauchen Wasser, weil sie luftgekühlt sind.“ Durch ein Kühlsystem mit geschlossenem Wasserkreislauf werde der Wasserverbrauch der Rechenzentren in Bedburg, Bergheim und Elsdorf sehr gering sein: „Das ist wie beim Auto. Da müssen sie ja auch nicht alle 100 Kilometer neues Wasser einfüllen“, so der Microsoft-Sprecher. Wie viel Wasser dabei im System ist, hänge auch von der Rechenkapazität ab.
Doch konkrete Zahlen nennt Microsoft nicht – weder zur Rechenkapazität noch zum Wasserverbrauch der Rechenzentren. Das betrifft auch nicht nur die Rechenzentren im Kreis. Zwar sammelt die EU solche Informationen in einer Datenbank. Im Gesetz dazu gibt es aber eine Geheimhaltungspflicht für „alle Informationen und wesentlichen Leistungsindikatoren zu den einzelnen Rechenzentren“. Sie gelten als „vertrauliche Informationen, die die geschäftlichen Interessen der Betreiber und Eigentümer von Rechenzentren berühren.“
Geheimhaltungspflicht zu Daten über Rechenzentren in Kraft
Wie das internationale Journalistenteam von „Investigate Europe“ herausstellte, haben Microsoft und die Lobbygruppe „DigitalEurope“, zu der auch Amazon, Google und Meta gehören, Stellungnahmen mit konkreten Ergänzungen und Vorschlägen abgegeben, um die Geheimhaltungspflicht zu schärfen. Diese landeten teilweise Wort für Wort im EU-Gesetz.
„Infolgedessen werden lediglich allgemeine Daten auf nationaler Ebene veröffentlicht, während Informationen über die genauen Auswirkungen einzelner Rechenzentren den betroffenen Gemeinden, Wissenschaftlern, Journalisten und der breiten Öffentlichkeit vorenthalten bleiben“, so Investigate Europe in einem Bericht vom 17. April 2026.
Das Journalistenteam zitiert Rechtsexperten, laut denen diese Praxis die Charta der Grundrechte der Europäischen Union und die Aarhus-Konvention verletzt. Letztere schreibt unter anderem ein Recht auf Zugang zu Informationen, auf Öffentlichkeitsbeteiligung an Entscheidungsverfahren und auf Zugang zu Gerichten in Umweltangelegenheiten vor.
Kommunen sehen kein Transparenzproblem
Haben Rechenzentren also ein Transparenzproblem? Microsoft erklärt auf Anfrage, mehr Transparenz rund um Rechenzentren zu unterstützen. „Die Offenlegung von Nachhaltigkeitsdaten kann zu besseren Ergebnissen beitragen und das öffentliche Vertrauen stärken.“ Doch das Unternehmen wolle auch „vertrauliche Geschäftsinformationen“ schützen, so ein Microsoft-Sprecher.
In ihrer Stellungnahme zum EU-Gesetz hatte das Tech-Unternehmen mit der Cybersicherheit argumentiert: „Die Offenlegung der gesamten Bandbreitenkapazität eines Rechenzentrums kann Angreifern Aufschluss darüber geben, welches Datenverkehrsvolumen erforderlich ist, um die Anlage zu überlasten und außer Betrieb zu setzen.“
Die Stadt Elsdorf und die Stadt Bedburg erklären auf Anfrage, keine Bedenken wegen mangelnder Transparenz seitens von Microsoft zu haben. „Die Zusammenarbeit sowohl mit Microsoft als auch mit den Planungsbüros ist sehr kooperativ, vertrauensvoll und transparent“, sagt auch die Pressestelle der Stadt Bergheim.
