Das Gremium mit 100 Mitgliedern tagte jetzt zum ersten Mal in Jülich – Ideen fürs Revier von der Basis.
StrukturwandelMenschen aus dem Rhein-Erft-Kreis gestalten im Bürgerrat mit

NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur in Jülich über die Zukunft des Rheinischen Reviers. Gesprächsrunde mit Bürgern auch aus dem Rhein-Erft-Kreis.
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„Ich freue mich jetzt schon darauf, Ihre Empfehlungen auf den Schreibtisch zu bekommen, und ich sage Ihnen zu, dass diese Empfehlungen nicht in der Schublade verschwinden werden“, versprach NRW-Wirtschaftsministerien Mona Neubaur (Bündnis 90/Die Grünen) den fast 100 Menschen, die sich am Samstagmorgen in einem extragroßen Stuhlkreis versammelt hatten. Treffpunkt für die bunt gemischte Gruppe war die Kulturmuschel im Jülicher Brückenkopfpark.
Dort fand die erste Sitzung des von der Landesregierung initiierten „Bürgerrats für das Rheinische Revier“ statt. Mit dabei sind auch Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus dem Rhein-Erft-Kreis. Das neue Gremium soll den Strukturwandel quasi von der Wurzel her befruchten. Bürgerbeteiligung heißt das Zauberwort, und da hat sich die beim Wirtschaftsministerium angesiedelte Stabsstelle „Strukturwandel Rheinisches Revier“ einiges einfallen lassen.
Post für 7000 zufällig ausgewählte Menschen aus NRW
Zunächst bekamen 7000 eher zufällig ausgewählte Bürgerinnen und Bürger Post von der Landesregierung, in der das Vorhaben erklärt und die grundsätzliche Bereitschaft zum Mitmachen abgefragt wurde. Aus den positiven Rückmeldungen siebte man nach Alter, Geschlecht, Beruf, Bildungsgrad, Wohnort und anderen Kriterien eine schon deutlich kleinere Gruppe aus.
Übrig blieben letztendlich 100 Menschen aus dem Rhein-Erft-Kreis, dem Kreis Düren, der Städteregion Aachen, dem Kreis Heinsberg, dem Rhein-Kreis Neuss und der Stadt Mönchengladbach. Sie sollen im Bürgerrat nun repräsentativ für insgesamt rund 2,5 Millionen Revierbewohnerinnen und -bewohner möglichst viele gute Ideen und Handlungsempfehlungen rund um den Strukturwandel sammeln.
Den Mitgliedern wird für eine kleine Aufwandsentschädigung einiges abverlangt: An drei Sommerwochenenden sind jeweils zwei ganztägige Konferenzen mit vielen großen und kleinen Gesprächsrunden geplant. Am Ende möchte man dann einen dicken Katalog mit Strukturwandel-Ideen der bürgerschaftlichen Basis in der Hand haben. Ende September soll er der Landesregierung vorgelegt werden.
Soviel Freizeit für gesellschaftspolitische Kärrnerarbeit zu opfern ist keine Selbstverständlichkeit. So ließen es sich Ministerin Neubaur, Bodo Middelhoff als Geschäftsführer der Zukunftsagentur Rheinisches Revier, die Grünen-Landtagsabgeordnete Antje Grothus und andere hochrangige Gäste denn auch nicht nehmen, sich zur Eröffnungsrunde des neuen Bürgerrats zu gesellen und die Mitglieder mit Lob für ihr Engagement zu überhäufen.
„Ich war schon ziemlich überrascht, als ich da plötzlich Post von der Landesregierung im Briefkasten hatte. Der erste Gedanke: Wie kommen die ausgerechnet auf mich?“, erzählt Andrea Wagner. Doch das Bürgerratsmitglied aus Kerpen musste nicht lange überlegen: „Der Strukturwandel betrifft uns alle, und da finde ich es richtig gut, dass die da oben die Bürgerinnen und Bürger von der Basis mit ins Boot holen.“
Rhein-Erft: Teilnehmende aus Kerpen und Elsdorf haben Erwartungen
Mit Politik hat Andrea Wagner eigentlich nicht viel am Hut: „Mich interessieren eher die kleinen Dinge in meinem direkten Wohnumfeld, wünsche mir beispielsweise mehr Unterstützung für Kinder, Eltern und ältere Menschen, eine bessere Pflege der Natur oder als Tierhalterin auch mehr Hundespielplätze. Ich bin gespannt, was ich hier einbringen kann und ob am Ende auch etwas umgesetzt wird.“
Auch Patrick Bunk aus Elsdorf hofft, dass der Strukturwandelprozess genutzt wird, um ein gutes gesellschaftliches Miteinander zu stärken. Die Schaffung von Arbeitsplätzen sei sicher wichtig. „Aber ich wünsche mir auch eine bessere soziale Infrastruktur, insbesondere mehr barrierefreie Angebote, wo wir uns im öffentlichen Raum ganz analog von Mensch zu Mensch begegnen können“, erklärt der Grafik-Designer. Ob solche Erwartungen im Bürgerrat ihren Platz finden, bleibt abzuwarten. Das Gremium tagt im „geschützten Raum“ hinter verschlossenen Türen. Umso interessanter wird es, wenn im Herbst die Ergebnisse vorgestellt werden.
