Andreas Heller nimmt den Verlust eines Drittels seiner Stadt nicht klaglos hin. Dabei ist er bei seinem Vorgehen wenig zimperlich.
Was kommt nach der Kohle?Elsdorfs Bürgermeister kämpft mit allen Mitteln


Ein Blick in Elsdorfs Zukunft: Mit dem Siegerentwurf für den Einlauf des Rheinwassers in den Tagebau soll die Seebefüllung erlebbar gestaltet werden.
Copyright: Entwurfsskizze: Neuland Hambach/Treibhaus Landschaftsarchitektur/Lindenkreuz Eggert
Zehn Rathäuser, zehn Bürgermeister. Korrekt neun – und eine Bürgermeisterin: Carolin Weitzel in Erftstadt. So unterschiedlich die zehn Städte sind, so verschieden sind auch ihre jeweiligen Stadtchefs . . . und die eine -chefin. Da gibt es diejenigen, die ganz in ihrem Job aufgehen und den öffentlichen Auftritt eher meiden: So wie Frank Keppeler (CDU) in Pulheim oder in Ansätzen auch Weitzel. Auf der anderen Seite gibt es diejenigen, die auf die Bühne drängen. Dort fühlen sich Volker Mießeler und mehr noch Dirk Breuer (beide CDU) äußerst wohl. Aber an einen reichen auch sie nicht heran: an ihren Parteifreund Andreas Heller aus Elsdorf.
Der Bürgermeister der kleinsten Gemeinde im Kreis (22.000 Einwohner) bevorzugt die lauten Töne. Da kündigte Heller im vorigen Jahr an, er werde „bis zur letzten Patrone kämpfen“, damit sämtliche Tagebauflächen, die heute RWE gehören, Elsdorf übertragen werden „und niemandem sonst gehören dürfen. Erst recht keinem grünen Umweltminister“. Zudem machte er klar: „Wenn RWE für die Rheinwasserentnahme zu zahlen hat, steht dieses nur uns in der Region vollständig zu.“ Andernfalls würde er den Strukturwandel für beendet erklären.
Elsdorf: Heller wettert über die „üblichen Gutmenschen“
Auch an anderer Stelle scheut Heller nicht die Konfrontation. Als 2023 der Anteil, den die Städte an den Kreis abführen müssen, erhöht werden sollte, war er es, der Landrat Frank Rock (CDU) deswegen attackierte. Er drängte sogar den Elsdorfer Abgeordneten im Kreistag, Stefan Borst, gegen die erhöhte Kreisumlage zu stimmen und sich vom damaligen Fraktionschef Willi Zylajew zu distanzieren. Weder Borst noch Heller bestritten das.
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Mit den Klagen gegen den Braunkohlenplan des Landes NRW zeigt der CDU-Politiker, erneut, dass ihm Diplomatie fremd ist. Parteifreunde werfen Heller hinter vorgehaltener Hand vor, er denke nicht strategisch. Denn: in die Hand zu beißen, die einen füttert, spreche nicht unbedingt von Weitsicht. Die Kritik von Grünen und BUND an seinem Vorgehen lässt der Stadtchef in der für ihn üblichen Nonchalance abprallen. Dies seien doch eh die „üblichen Gutmenschen“, die er noch nie in seiner Stadt gesehen habe.

Andreas Heller ist einer der offensiveren Bürgermeister-Vertreter im Rhein-Erft-Kreis.
Copyright: Dietmar Fratz
Das mag unter Umständen sogar stimmen. Aber die Gründe dafür muss Andreas Heller bei sich selbst suchen – weil er den Dauermodus „Attacke“ gewählt hat. Das funktioniert in Elsdorf bestens, weil es Heller und der CDU gelungen ist, jegliche Opposition einzulullen. Was bei der konturlosen SPD nicht schwer fiel; und die übrigen Parteien haben resigniert. So bugsiert sich Elsdorf nicht nur geografisch an den Rand des Rhein-Erft-Kreises.
Eines muss man dem Bürgermeister, der sich in der Rolle des Unbeugsamen gefällt, zugutehalten: Niemand durfte die Ankündigung des Klagewegs unvorbereitet getroffen haben. Mehrfach hat Heller klargemacht, dass Elsdorf einen Preis für sein abgebaggertes Territorium fordern werde. So auch vor fast exakt vier Jahren im Gespräch mit dieser Redaktion: „Wir erwarten eine angemessene Entschädigung im Rahmen des vorgezogenen Kohleausstiegs durch das Land“, ließ er wissen.
So redselig er damals war, so wenig auskunftsfreudig zeigt sich Heller am Ende einer an Schlagzeilen reichen Woche für Elsdorf. Ein Interview lehnte er ab und ließ durch einen Sprecher auf die Pressemitteilung von Montag verweisen. So bleiben wichtige Aspekte unbeantwortet: nicht zuletzt der, warum Heller 2024 den Braunkohlenplan als Mitglied einer Kommission mitgetragen hat und wie er den Widerspruch auflöst, gegen seinen eigenen Beschluss gerichtlich vorzugehen.
Da wird's ganz leis' in Elsdorf.
