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Oliver Range im GesprächKI-Experte aus Pulheim fordert Mut bei Innovation und Investition

3 min
Zu sehen ist Oliver Range.

Oliver Range hat in Königsdorf das KI-Unternehmen „auraNexus.ai“ gegründet.

Künstliche Intelligenz wird tiefgreifende Veränderungen bewirken, da ist sich der Berater aus Brauweiler sicher.

Oliver Range (55) aus Pulheim-Brauweiler war bis Ende vergangenen Jahres im Vorstand der Bluegardens AG, einem Unternehmen im Garten- und Landschaftsbau, tätig. Mit „auraNexus.ai“ startet er nun als KI-Berater durch. Im Gespräch mit Karl Rodriguez gibt der Experte für Künstliche Intelligenz Einblicke in die neue Technologie.

Herr Range, Sie haben Ende 2025 Ihre Vorstandstätigkeit bei Bluegardens beendet, sich als KI-Manager ausbilden lassen und „auraNexus.ai“ gegründet. Inwiefern hat sich Ihr Blick auf die neuen technologischen Möglichkeiten verändert?

Oliver Range: Die TÜV-zertifizierte Ausbildung war für mich das Fundament, um noch intensiver in das Thema KI einzusteigen. Was aktuell in diesem Bereich passiert, ist beeindruckend – die Möglichkeiten sind enorm. In der Industrie gibt es zahlreiche Bereiche, in denen Automatisierung und KI-Einsatz helfen könnten. Viele Unternehmen können diese Technologien jedoch nicht selbst implementieren, weil sie durch Datenschutz- und Regulierungsanforderungen eingeschränkt sind. Sie dürfen nicht einfach ChatGPT einsetzen – zu Recht, denn sonst würden sensible Daten auf US-Servern landen.

Können Sie konkrete Beispiele nennen, wo auraNexus.ai bereits im Einsatz ist?

Aktuell arbeite ich mit der KS21 Software & Beratung GmbH, einer Softwarefirma im Gartenlandschaftsbau zusammen. Diese bietet Software speziell für ihre Branche an, die den gesamten Prozess abbildet: Zeiterfassung, Baustellenmanagement sowie Lösungen für Kalkulation und Abrechnung. Ich ergänze das System um eine KI-gestützte Visualisierungskomponente. Ein Kunde sagt, er möchte eine Terrasse, einen Pool und bestimmte Bepflanzung - die Software erstellt sofort eine fotorealistische Vorher-Nachher-Visualisierung und generiert parallel den Kostenvoranschlag. Was früher Tage oder Wochen dauerte, ist jetzt per Knopfdruck erledigt. Das bedeutet eine enorme Effizienzsteigerung für Garten- und Landschaftsbaubetriebe.

Im Rhein-Erft-Kreis entsteht bald ein großes Microsoft-Rechenzentrum. Was versprechen Sie sich davon?

Das wird ein echtes Leuchtturmprojekt für die Region und schafft neue Arbeitsplätze. Wir müssen mehr solcher großen Namen in die Region holen. Köln ist attraktiv, aber auch außerhalb gibt es Potenzial. Dafür sorgt etwa eine gute Anbindung an die S-Bahn.

Was fehlt in Deutschland im Vergleich zu anderen Standorten?

Viele Gründer zieht es in die USA – unabhängig von der politischen Situation dort. Der Grund: die bessere Verfügbarkeit von Risikokapital. Ich brauche das für mein Geschäft nicht, aber wer es braucht, stößt in Deutschland auf Hindernisse. Viele gute Ideen sind anfangs kapitalintensiv – man muss entwickeln und testen.

Was müsste sich ändern?

Wir brauchen mehr Mut. Nicht nur bei potenziellen Geldgebern. Das beginnt in der Schule und setzt sich an der Universität fort – junge Menschen müssen zur Selbstständigkeit ermutigt werden. Sie brauchen Begleitung durch erfahrene Unternehmer. Ich habe durch meine jahrelange Erfahrung als Selbstständiger das nötige Wissen aufgebaut. Aber wer frisch von der Uni kommt mit einer brillanten Idee, steht vor einem Berg von Fragen: Was ist der erste Schritt? Wohin wende ich mich? Eine Ausbildung vor dem Studium hilft bereits – das habe ich selbst so gemacht.

Fachmann sieht tiefgreifenden Veränderungsprozess

Viele Menschen haben Angst vor Jobverlust durch KI. Zu Recht?

Es handelt sich um einen tiefgreifenden Umwälzungsprozess – das lässt sich nicht beschönigen. Elon Musk hat kürzlich sogar das Ende der klassischen Rente prognostiziert. Ja, bestimmte Jobs werden verschwinden. Aber es entstehen auch neue. Möglicherweise werden wir effizienter und arbeiten künftig nur noch drei statt fünf Tage bei gleichem Gehalt – aber dafür müssen die Prozesse optimiert werden. Gleichzeitig sollte die wachsende Kluft zwischen arm und reich angegangen werden – diese Entwicklung ist nicht gesund.

Können Sie bestehende Ängste vor den Veränderungen nachvollziehen?

Als Microsoft sein Office-Paket einführte, fürchteten Grafiker um ihre Jobs, Buchhalter hatten Angst vor Excel. Es gab also schon vor Jahren einen Veränderungsprozess, ohne dass es zum massenhaften Jobverlust gekommen ist. Meine Hoffnung ist, dass wir die Arbeitsabläufe so optimieren, dass Menschen trotzdem gut davon leben können – idealerweise mit mehr Freizeit bei gleichem Einkommen. Dafür müssen sowohl Unternehmen als auch der Staat die Rahmenbedingungen schaffen. Man sollte andererseits KI-Anwendungen nicht blind vertrauen, etwa indem man ungeprüft Unternehmensdaten in KI-Systeme eingibt.