Abo

Anfassen erlaubtWilfried Vonderbank stellt in Lohmarer Kunsthalle aus

2 min
Wilfried Vonderbank stellt in Lohmarer Kunsthalle (LohmArt) aus

Wilfried Vonderbank vor einer seiner Arbeiten.

„Aus hellen und dunklen Welten“ heißt die Ausstellung, die Wilfried Vonderbanks Werke zeigt. Der Künstler nutzt vor allem Holz als Material.

Rodins ikonischer „Denker“, nachgeformt aus grünlackierten Kaninchendraht, ist eine der Arbeiten, die Wilfried Vonderbank aus Neunkirchen-Seelscheid in der Kunsthalle LohmART präsentiert. Doch eigentlich ist Holz der bevorzugte Werkstoff des 1954 geborenen Künstlers: „Schon als Kind bin ich oft im Wald gewesen und habe mir Sachen geschnitzt.“

Begegnung mit Indigenem inspirierte den Künstler

Zum Schlüsselerlebnis wird für ihn im Jahr 2000 eine Begegnung mit einem kreativen Indigenen an der Kanadischen Westküste: „Die Westküste bietet mit Zedern und Douglasien wunderbares Holz für Pfähle, die teilweise bis zu 30 Meter hoch sind. Dort ist Holz Gebrauchs- und Kultgegenstand.“

Wilfried Vonderbank stellt in Lohmarer Kunsthalle (LohmArt) aus

Holz ist der favorisierte Werkstoff bei Wilfried Vonderbank.

Ein Konzept, das Vonderbank aufgreift und in mehreren Kursen vertieft, wobei Holz ein anspruchsvoller Werkstoff ist, der große Sorgfalt und auch körperlichen Einsatz erfordert. Ein Aufwand, der sich lohnt, denn ein Teil der Schau zeigt helle, imponierend große Pfähle und Objekte, die teilweise glattpoliert sind und zum Anfassen einladen: „Ich werde oft gefragt, ob man meine Arbeiten berühren darf. Natürlich kann man das.“

Ich werde oft gefragt, ob man meine Arbeiten berühren darf. Natürlich kann man das.
Wilfried Vonderbank

Das Ausstellungsmotto „aus hellen und aus dunklen Welten“ wird auch in der zweiten Hälfte der Halle aufgegriffen. Hier sind verbranntes Holz, Steine und Metallsplitter ein Thema, auch mythologische Motive wie der Fährmann Charon oder der Totenfluss Styx tauchen auf. Vonderbank reagiert damit auf die zunehmende Verrohung der Gesellschaft, die im scharfen Widerspruch zu dem „Hellen“ und „Guten“ im Leben steht: „Ich habe Mittel und Ausdrucksmöglichkeiten gesucht, die in einem Kontrast zur schönen Oberfläche meiner sonstigen Skulpturen stehen.“

Wilfried Vonderbank stellt in Lohmarer Kunsthalle (LohmArt) aus

Die Installation „Der werfe den ersten Stein“.

Prompt wird Charon zu einem gesichtslosen schwarzen Objekt, dem achtlos ein paar Münzen für die letzte Überfahrt hingeworfen werden. Die Installation „wenn Du doch nur geschwiegen hättest“ hält den Betrachtenden unausweichlich den Spiegel vor, „Babel-Hochmut kommt vor dem Fall“ erweist sich als eine verkantete und verrostete Konstruktion. Besonders beeindruckt die großflächige Installation: „Der werfe den ersten Stein“, die mit einfachsten, aber beeindruckenden Mitteln ihre Aussage umsetzt.

Alle ausgestellten Arbeiten entstanden in jüngster Zeit. Mit ihrer klugen Positionierung in der Schau ermöglichen sie zudem einen neuen Blick auf die Halle LohmArt, die so ihre Stärke ausspielen kann. Es mangelte also nicht an Gesprächsstoff bei der gut besuchten Vernissage, bei der Sängerin Sabrina Bayard den musikalischen Rahmen setzte.

Die Ausstellung „aus hellen und aus dunklen Welten“ ist noch Donnerstag, 4. Juni; Samstag, 6. Juni und Sonntag, 7. Juni, jeweils von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Kunsthalle LohmART, Scheiderhöher Straße 42b in Lohmar.