Schon in der fünften Generation gibt es auf dem Hof Bernschein Spargel in Niederkassel-Lülsdorf.
Gemüse mit FamilientraditionMit der Hitze fallen die Preise am Spargelhof Bernschein in Niederkassel

Computer helfen heute bei der Spargelernte. Matthias Bernschein ist die fünfte Generation auf dem Spargelhof, er ist nach seinem Studium der Agrarwirtschaft voll in den Betrieb eingestiegen.
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Auf den Feldern des Spargelhofes Bernschein in Niederkassel-Lülsdorf ist die Ernte in vollem Gange. Vor Ostern ging es langsam los. Das Tempo hat aber zugenommen. Täglich stoßen immer mehr weiße Spitzen von unten aus der Erde an die dunkle Folie, die die Pflanzdämme von oben bedeckt. Den ganzen Vormittag wird frisch geernteter Spargel auf den Hof in Lülsdorf gebracht. Hier wird er sortiert und kommt dann direkt in den Hofladen nebenan.
Matthias Bernschein koordiniert die Anlieferung. Nach seinem erfolgreich abgeschlossenen Master-Studium der Agrarwissenschaft an der Universität in Bonn ist der 33-Jährige nun voll in den elterlichen Betrieb eingestiegen. Das freut Mutter Maritta Schäfer-Bernschein ganz besonders: „Mit Matthias ist nun schon die fünfte Generation auf dem Hof.“ Spargel sei schon „Achtzehnhundertnochwas“ von ihrem Uropa auf den Feldern in Rheinnähe angebaut worden. Ein Gemüse mit Familientradition.
Sieben Aufnahmen werden von jedem einzelnen Spargel gemacht
Unterstützt werden die Bernscheins von Helfern aus Rumänien und der Ukraine. Sie kommen zur Saison und helfen seit Jahren routiniert bei der arbeitsintensiven Spargelernte. Modernste Technik ergänzt den Verarbeitungsprozess. Nach dem Waschen werden die weißen Stangen auf ein Förderband gelegt. Es läuft in einen dunklen Tunnel. Dort übernimmt die Maschine die Arbeit. „Sieben Aufnahmen werden von jedem einzelnen Spargel gemacht“, erklärt Matthias Bernschein.

Auf einem Förderband aufgereiht werden die Spargel in den optischen Sortierer transportiert.
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Der optische Sortierer misst so den Durchmesser, die Krümmung, die Länge und überprüft die Färbung. Er schneidet den Spargel auf eine Länge von 25 Zentimetern und befördert ihn gleich in den richtigen Warenkorb. Von dort aus wird er von den Helfern in den Laden gebracht. „Der größte Teil der Ware kommt jedoch in die Märkte in der Umgebung. Auch Restaurants schätzen unseren frischen Spargel“, betont Maritta Schäfer-Bernschein.
Spargelfeld bringt acht bis zehn Jahre Ertrag, dann wird es umgepflügt
Sieben bis acht Jahre bringt ein Spargelfeld Ertrag, dann lässt die Erntemenge nach. „Wegen des Mindestlohnes müssen wir auf die Effizienz achten“, erklärt Matthias Bernschein. Deshalb wird jede geerntete Kiste sorgfältig gewogen und in einer Liste notiert, aus welchem Feld sie kommt. Am Ende der Saison werden die Werte addiert. So sehen die Bernscheins schnell, welche Menge pro Quadratmeter bis zum 24. Juni produziert wurde. Ist das Feld nicht mehr ergiebig genug, wird es umgepflügt. Kartoffeln und Getreide werden dort für rund zehn Jahre angebaut, erst dann kann wieder Spargel gepflanzt werden.
„Der Klimawandel macht sich auch bei uns bemerkbar“, berichtet Maritta Schäfer-Bernschein. Im vorigen Jahr begann die Ernte eine Woche später. Zurzeit seien die Nächte aber noch kalt, sodass der Spargel noch relativ langsam wachse. Das könne sich aber in den nächsten Tagen ändern, wenn durch starke Sonneneinstrahlung die Temperatur unter der Folie ansteige. Das mache sich als Wachstumsturbo bemerkbar.

Die Ernte von Spargel ist noch immer Handarbeit.
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Mit dem stärkeren Angebot fallen meist die Preise. Das ist schon immer so gewesen. Vor Ostern ist der Spargel teuer, dann sinkt der Preis. Derzeit liegt das Preisniveau auf dem Hof der Bernscheins zwischen 5 Euro pro Kilo für Bruchspargel und 16 Euro pro Kilo für die Handelsklasse lang. Dazwischen gibt es dünne, hohle, mittlere und krumme Stangen. Auch Spargelspitzen für 15 Euro das Kilo finden sich in der Auslage.
Forschungsprojekt der Uni Bonn: Spargel bindet auch CO₂
Der Agrarwissenschaftler Bernschein lobt die Güte des heimischen Gemüses. Kurze Transportwege in den Handel würden die Umwelt schonen. Und er sei auch gesund. Seine große Menge an Folsäure unterstütze Wachstumsprozesse und die Zellteilung im Körper. Ein Folsäure-Mangel begünstige zum Beispiel degenerative Erkrankungen wie Arteriosklerose und Demenz. Und nicht nur das. Bei einem Forschungsprojekt an der Uni Bonn, an dem der 33-Jährige beteiligt war, wurde herausgefunden, dass der Spargel auch CO₂ binde. „Bis zu 50 Prozent seiner Trockenmasse“, erklärt Bernschein.
Neben den Spargelfeldern sind seit knapp zehn Jahren auch Rhabarberblätter zu erkennen. Dieses Gemüse hat Matthias Bernschein im Jahr 2017 auf dem Hof eingeführt. Inzwischen ist es aus dem Angebot nicht mehr wegzudenken. Früher war der Rhabarber aus Niederkassel in ganz Deutschland bekannt. Er wurde mit einer Kleinbahn transportiert. Die wurde am 25. Mai 1914 auf der Strecke von Lülsdorf über Sieglar bis nach Siegburg in Betrieb genommen. In der Bevölkerung wurde die Linie deswegen Rhabarber-Schlitten genannt. Ein Rhabarberbrunnen in Mondorf erinnert heute an diese Zeit.

