Bis zu 50 Prozent mehr Umsatz beim Verkauf von Fahrrädern wurden für den Monat Juni 2026 gemeldet, besonders in der Region um die Nordbrücke.
Mit dem Rad am Stau vorbeiNordbrücken-Sperrung verursacht hohe Nachfrage bei Fahrradhändlern in Rhein-Sieg

Auch Radfahrende nutzen nach der Sperrung der Bonner Nordbrücke verstärkt die Fähre zwischen Niederkassel-Mondorf und Bonn-Graurheindorf.
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Einen unerwarteten Effekt hat die Sperrung der Nordbrücke offenbar bei den Fahrradhändlern in der Region erzielt. Ihre Verkaufszahlen sind im Monat Juni 2026 im Vergleich zum Juni 2025 um bis zu 50 Prozent gestiegen. „Für uns war das völlig unerwartet“, berichtet Frank Breuer von der Geschäftsführung Veloland in Sankt Augustin-Menden. Als die Kundinnen und Kunden ihm aber berichtet hätten, dass sie wegen der Staus ein E-Bike wollten, um flexibel neben den Autostaus auf den Straßen über die Radwege fahren zu können, sei ihm das schnell klar geworden.
Mit einem Fahrrad müsse man sich nicht in die langen Schlangen vor der Fähre einreihen. Man könne direkt zur Rampe an den Rhein fahren und schneller aufs Schiff gelangen, so ein weiteres Argument der Kundschaft. Zurzeit darf die Nordbrücke nicht befahren werden, es war aber angekündigt worden, dass sie zumindest für Fahrradfahrer und Fußgänger wieder geöffnet werden könnte.
Wer auf die linke Rheinseite gelangen möchte, der muss den Fluss über die Kennedy- oder Südbrücke passieren. Gerade während der Hauptverkehrszeiten bilden sich dort lange Staus im Autoverkehr, auf den separaten Radwegen ist man oft schneller.
Die Sperrung hat dazu geführt, dass viele Menschen das Fahrrad als neues und umweltfreundliches Verkehrsmittel entdeckt haben.
Im Spätsommer soll die Nordbrücke wieder für Radfahrer und Fußgänger eröffnet werden, das teilte eine Sprecherin der Autobahn GmbH auf Anfrage der Redaktion mit. Damit ergibt sich wieder eine dritte und schnelle Möglichkeit, auf zwei Rädern über den Rhein zu gelangen. „Die Sperrung der Nordbrücke ist zwar sehr ärgerlich, aber sie hat dazu geführt, dass viele Menschen hier im Rhein-Sieg-Kreis das Fahrrad als neues und umweltfreundliches Verkehrsmittel entdeckt haben“, so Breuer.
Das bestätigt Peter Feld von XXL Feld, einem der größten Fahrradanbieter in der Region. „Auch bei uns sind im Juni die Verkaufszahlen plötzlich nach oben gegangen.“ Von der plötzlichen Nachfrage profitieren aber auch kleinere Geschäfte. So bestätigt Yävähän Zubko vom Z-Bike aus Niederkassel-Mondorf einen plötzlichen Anstieg des Umsatzes im Juni. Vergleichszahlen für 2025 liegen ihm nicht vor, da er sein Geschäft erst dieses Jahr eröffnet hat.
Im rechtsrheinischen Kölner Stadtgebiet ist Zweirad Prumbaum ein großer Anbieter. Auf Nachfrage der Redaktion kann Inhaber Jörg Prumbaum nicht von einer solchen plötzlichen Umsatzsteigerung sprechen. „Wir haben zwar durch gezielte Werbeaktionen in den letzten Wochen ein Plus beim Verkauf, jedoch nicht in der Größe wie im Rhein-Sieg-Kreis. Es muss sich da um einen Sondereffekt wegen der Brückensperrung handeln.“
Das sieht auch der Verband des Deutschen Zweiradhandels (VDZ) in Bielefeld so. „Konkret können wir dazu keine Stellung nehmen, da uns keine so zeitnahen Zahlen gemeldet werden. Es muss sich aber um ein lokales Phänomen handeln. Ein solch prozentuales Plus gab es nicht einmal während Corona, und wenn doch, dann vereinzelt“, teilt Hans-Peter Obermark vom VDZ mit.
Zahl der Fahrräder über die Kennedybrücke in Bonn hat sich fast verdreifacht
Axel Mörer, Sprecher des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs Bonn/Rhein-Sieg (ADFC), kann den neuen Trend mit Zahlen untermauern. Vor der Sperrung der Nordbrücke fuhren täglich rund 8000 Zweiräder über die 394 Meter lange Kennedybrücke in Bonn. „Jetzt sind es täglich zwischen 20.000 bis 22.000 Fahrräder.“
Dabei seien es nicht die Menschen, die wegen der langen Autostaus auf den Straßen mit dem Fahrrad aus dem Rhein-Sieg-Kreis nur nach Beuel führen, ohne den Rhein zu überqueren. Auf der vom Bonner Zentrum weiter entfernten 770 Meter breiten Südbrücke habe sich der Fahrradverkehr von 2500 auf täglich 5000 „nur verdoppelt“.
Mörer berichtet, nicht nur der Verkauf von Fahrrädern sei in die Höhe geschossen. „Viele kleinere Werkstätten haben nun viel zu tun“, schildert der ADFC-Sprecher. „Die Menschen haben ihr Rad aus dem Keller geholt und lassen es jetzt überholen, um so dem täglichen Stau auf den Straßen zu entkommen.“ Auch er habe beobachtet, dass durch die Sperrung der Nordbrücke das Fahrrad nun als alternatives Verkehrsmittel wieder von vielen Menschen neu entdeckt worden sei.
Auf dem Fahrradmarkt gibt es mit Gravel Bikes einen neuen Trend in Deutschland
E-Bikes werden nach wie vor oft gekauft. Viele schätzen ein solches Rad mit einer Akku-Leistung von bis zu 800 Wattstunden. Damit können gerade Einsteiger, die sich nicht so gut mit dem stromsparenden taktischen Rauf- und Runterschalten der Gänge auskennen, größere Strecken bewältigen. Es zeichnet sich aber ein neuer Trend ab: Immer öfter wird nach Gravel Bikes gefragt. Diese „sportlichen Rennräder mit dicken Reifen“, wie es Mörer formuliert, waren früher vor allem bei der Jugend geschätzt. Jetzt haben ältere Fahrerinnen und Fahrer sie entdeckt. Bei der Radreisemesse im März in Siegburg waren sie ein Schwerpunktthema.

Frank Breuer, Geschäftsführer von Veloland, mit einem Gravelbike ohne E-Motor.
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Deswegen hat Veloland , das eigentlich nur E-Bikes verkaufen wollte, eine Ausnahme gemacht: „Wir haben nun auch Gravel Bikes ohne Motor im Laden, weil immer mehr Kunden danach gefragt haben“, berichtet Breuer. „Biobikes“ nennt sich so etwas, weil es biologisch mit den Beinen bewegt wird. „Es ist ganz klar ein neuer Trend“, bestätigt Prumbaum.
Armin Mathes aus der Geschäftsführung von Veloland sieht das ein wenig anders: „Herkömmliche E-Bikes sind nach wie vor gefragt, der Kundenkreis differenziert sich zurzeit ein wenig.“ Es komme auf die konkrete Nutzung des Rades im Alltag an. „Und deswegen ist die Beratung vor Ort nach wie vor wichtig.“

