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ProzessFahnder stoppen  Drogenkurier an der Autobahn in Siegburg

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Autos an einer Autobahnraststätte

An der Raststätte Siegburg-West in Richtung Frankfurt stoppte im August 2025 die Polizei einen Drogentrransport.

Vor dem Landgericht Bonn muss sich ein 39-Jähriger wegen des Transports von Drogen verantworten.

„Ich bin kein Krimineller“, versicherte der Angeklagte, „nur ein ganz normaler Mann, der eine falsche Entscheidung getroffen hat.“ Und zwar die, bei einem Drogenschmuggel mitzumachen: Am 6. August 2025, mittags gegen 12.30 Uhr, wurde der Serbe an der Autobahnraststätte Siegburg mit verbotenem Frachtgut erwischt, jetzt muss sich der 39-Jährige wegen Einfuhr und Handels mit Betäubungsmitteln „in nicht geringen Mengen“ vor der 11. Großen Strafkammer des Bonner Landgerichts verantworten.

Die Geschichte, die er seinen Verteidiger vortragen ließ, ist eine, die Gerichte vermutlich schon oft gehört haben: Ein Bekannter, der wie der Angeklagte in einer Industriestadt eine knappe Autostunde von Belgrad entfernt wohnt, fragte ihn, ob er schnell Geld verdienen wolle. Er müsse eine Ware „nur von A nach B“ fahren, das sei „eine total sichere Sache“. Der 39-Jährige, gelernter Maschinenführer im Stahlwerk des Heimatorts, aber zuletzt von Gelegenheitsarbeiten lebend und deshalb finanziell in der Klemme, sagte zu. 1500 Euro waren ihm für den Job versprochen worden.

Beim Verladen kam DNA des Angeklagten an die Drogen

Zwei Hintermänner, deren Name er nicht verraten will, brachten ihn am 5. August 2025 nach Wuppertal, wo er eine Nacht schlief und am folgenden Morgen an einem Garagenhof aufmerksam beobachtete, wie Männer einen VW-Transporter („Crafter“) beluden. Er habe zunächst etwas abseits gestanden und einen Kaffee getrunken, bis ihn einer gefragt habe, ob er mal sehen wolle, was er transportieren werde. Der Angeklagte trat näher und nahm einen Block mit Drogen in die Hand, so kamen seine DNA an das Paket und Rauschgiftspuren an seine Finger. Beides sollte später als Beweismittel dienen.

Der Klein-Lkw mit österreichischem Kennzeichen war für die Schmuggeltour präpariert worden: Auf der Ladefläche war ein dreieckiges Gestell gebaut worden, in dem große Fensterscheiben lehnten. Darunter befand sich ein Boden, der zur Seite hin aufgeklappt werden konnte, um darin das Rauschgift zu verstecken: insgesamt fünf Blöcke mit je einem Kilogramm Kokain sowie 65 Kunststofftüten, gefüllt mit knapp 54 Kilogramm Marihuana. Jens Ahland, der Sprecher des Hauptzollamts Köln, bezifferte den Straßenverkaufswert der sichergestellten Drogen auf rund eine Million Euro.

Zollstreife lotste den Kurier auf die Raststätte Siegburg

Der Angeklagte leugnete vor Gericht gar nicht erst, von der illegalen Ware im Transporter gewusst zu haben. „Ich habe Drogen transportiert, um sie an eine dritte Person weiterzugeben“, sagte er. Fahrtziel sollte Wien sein, doch so weit kam er nicht. Auf der A 3 Richtung Frankfurt lotste ihn eine Streife des Zolls auf die Raststätte Siegburg; da der Fahrer sich widersprüchlich zum Grund seiner Reise mit den Glasfenstern äußerte, machten die Zollfahnder einen sogenannten Drogenwischtest an den Händen, der positiv ausfiel. Anschließend überprüften sie den Wagen und entdeckten mit Hilfe eines Hohlraumsichtgerätes das Drogenversteck.

Der angebliche „Glaserei“-Wagen mit dem österreichischen Kennzeichen war den Fahnder nicht spontan ins Visier gekommen, der Transporter  war wohl bereits länger observiert worden, wie der Verteidiger erfahren hatte. Der 39-Jährige wurde festgenommen und sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Im Gefängnis bekomme er mit, was Rauschgift mit Menschen mache. Deshalb schäme er sich für das, was er getan habe, erklärte er.