Abo

Zweigeteiltes Konzept im „Majas“Siegburg: Café unten, 14 Arbeitsplätze oben im Brauhof

Zwei Gründerinnen wagen in der Siegburger Innenstadt den Neustart: unten Café, oben Arbeitsplätze für Coworking.

Von

Mariam Elisa Timera vor dem „Majas“ in der Brauhof-Galerie.

Es ist auffällig hell in der Brauhof-Galerie, wo bis vor wenigen Monaten noch ein Lederbekleidungsladen war. An der Wendeltreppe, die in die offene Galerie im ersten Stock führt, hängen jetzt Fotos vom „Pre-Opening“ am vergangenen Samstag. Unter der Glashaube warten Bagels auf Kunden. Es ist der zweite Öffnungstag von „Majas“, dem neuen Café mit Coworking-Space in der Siegburger Innenstadt – und schon jetzt ist klar, dass hier mehr entstehen soll als nur ein weiterer Ort für Kaffee to go.

Umfangreiche Umbauarbeiten

Mariam Elisa Timera, 24, und ihre Geschäftspartnerin Janina Beilmann, 36, haben das Ladenlokal jetzt am Montag eröffnet. Bis dahin war es ein langer und anstrengender Weg, sagt Timera. Die Umbauarbeiten waren größer als gedacht: Aus ehemaligen Umkleidekabinen wurden Toiletten, Wände wurden heraus- und wieder aufgebaut, auch die Elektrik musste erneuert werden. „Mit sehr viel Eigenleistung haben wir alles mehr oder weniger selber gemacht, bis auf die Sanitärinstallation“, erzählt Timera im Gespräch mit dieser Zeitung. Vor allem die Familie ihrer Partnerin habe tatkräftig mitgeholfen.

Zwei Siegburgerinnen und ihre Standortwahl

Für beide war klar, dass es nur die Siegburger Innenstadt sein konnte. Timera ist hier zur Schule gegangen, Beilmann sei „von Herzen nur Siegburgerin", so Timera. Als die beiden sich zufällig auf einem Stadtfest kennenlernten, war die Idee eines gemeinsamen Cafés schnell geboren. Das Ladenlokal war erst der zweite Besichtigungstermin. „Da war uns eigentlich direkt klar, hier müssen wir unbedingt rein“, erinnert sich die 24-Jährige.

Hoher Leerstand am Brauhof

Der Standort ist kein Zufall – und keine Selbstverständlichkeit. Die Brauhof-Galerie gehört zu den Siegburger Lagen mit den höchsten Leerständen: Bei der jüngsten Erhebung des Einzelhandelsverbands Bonn/Rhein-Sieg/Euskirchen stand mit 26,7 Prozent gut jedes vierte Ladenlokal am Brauhof leer. Seit der Schließung von Galeria Kaufhof Anfang 2024 und dem Umzug von C&A ins neue Kaiser-Carré ringt die Innenstadt um neue Nutzungen. Im ehemaligen C&A-Gebäude gegenüber sollen demnächst ein Woolworth-Warenhaus und ein Studio der Fitnesskette City Fit einziehen. Mit dem künftigen Fitnessstudio-Nachbarn seien laut Timera bereits Kooperationen in Planung, Details nennt sie noch nicht.

Zweigeteiltes Konzept im „Majas“

Das Konzept des „Majas“ ist zweigeteilt. Unten gibt es ein Specialty-Café, das mit der ältesten Kaffeerösterei Kölns zusammenarbeitet; für Softdrinks wird Wasser der ältesten Kölner Brauerei verwendet. „Das war uns sehr wichtig, dass es auch lokal ist“, sagt Timera, deren Wurzeln in den Senegal reichen. Langfristig hofft sie, auch Kaffeebauern aus Westafrika einzubinden. Serviert werden Bagels, belegte Croissants, Patisserie und Kuchen – Laptops sind im Café unten aber ausdrücklich unerwünscht. Oben wartet der zweite Teil des Konzepts: ein offener Coworking-Bereich mit aktuell 14 Arbeitsplätzen, dazu drei abgetrennte Büros, die später zu kleinen Besprechungsräumen und Telefonie-Kabinen werden sollen. Die Idee dazu stammt aus Timeras Alltag als Studentin. „Ich habe immer nach Plätzen gesucht, wo ich lernen kann“, erklärt sie. Mit Beilmann habe sie schnell festgestellt, dass es in Siegburg kaum Alternativen zur oft überfüllten Stadtbücherei gebe. Schüler und Studierende erhalten zehn Prozent Rabatt auf das Coworking-Angebot. Gebucht werden kann stundenweise, vom „Quick Pass" über zweieinhalb Stunden mit Heißgetränk bis zum ganzen Tag. Geplant sind künftig feste Lieblingsplätze zum Buchen sowie Telefonkabinen in den bislang offenen Nischen.

Akustik als technische Herausforderung

Technisch war vor allem die Akustik eine Herausforderung: Hohe Wände und harte Flächen sorgen laut Timera für „die absolut schlechtesten Voraussetzungen“, um es oben ruhig zu halten. Gemeinsam mit Akustikexperten wurden Teppiche und isolierende Kacheln eingeplant.

Gesellschaftliches Engagement geplant

Neben Kaffee und Arbeitsplätzen wollen die Gründerinnen auch gesellschaftlich etwas bewegen. Geplant ist unter anderem ein Besuch von Kindern aus der Zufluchtsstätte Sankt Augustin, die Wünsche an einen Olivenbaum im Café hängen sollen – Gäste können die Wünsche dann erfüllen. Auch ein Adventsbasteln sowie ein Treffen für alleinerziehende Mütter aus Siegburg sind in Vorbereitung. „Deswegen ist der Tisch auch einfach so groß“, sagt Timera über den zentralen Gemeinschaftstisch im hinteren Bereich neben der Theke.

Die ersten Wochen sollen zeigen, was gefragt ist

Ob sich am Ende eher das Café oder der Coworking-Bereich durchsetzt – oder beide –, bleibt bewusst offen. Am Eröffnungstag war das Lokal nach Angaben der Gründerinnen voll, am Tag danach war es indes deutlich ruhiger – auch weil der Tag mitten in die Woche fiel. Timera und Beilmann wollen das Konzept bei Bedarf anpassen. Die ersten Wochen, vermutet Inhaberin Mariam Elisa Timera, würden nun zeigen, „was eigentlich interessanter für die Leute ist.“ (jv)