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Nach Pfiffen der Bayer-FansMartínez und Medina geben Tillman Ratschläge

Facundo Medina trifft im Europa-League-Heimspiel auf seinen Ex-Klub Olympique Marseille – und ist in Leverkusen längst mehr als ein robuster Innenverteidiger.

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ARCHIV - 16.09.2026, Nordrhein-Westfalen, Leverkusen: Fußball, Männer, Europa League, Bayer Leverkusen - NK Celje, Vorrunde, 1. Spieltag, BayArena. Facundo Medina (Bayer Leverkusen) freut sich über sein Tor zum 2:0. (zu dpa: ««Kämpfer» Medina vor Wiedersehen mit Ex-Club Marseille») Foto: Rolf Vennenbernd/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Facundo Medina (Bayer Leverkusen) freut sich über sein Tor zum 2:0 gegen NK Celje in der Europa League.

Facundo Medina kennt die Gesichter auf der anderen Seite noch gut. Erst im Sommer verließ der Argentinier Olympique Marseille nach einer Saison und wechselte nach Leverkusen. Am Donnerstagabend (21 Uhr) trifft er in der BayArena auf seinen Ex-Klub in der Europa League. Sentimentalitäten sind von ihm nicht zu erwarten. „Sie sind eine gut zusammengestellte, gut positionierte Mannschaft mit erfahrenen Spielern“, sagte Medina. „Es wird ein kompliziertes, physisches Spiel.“

Trainer Carles Martínez sieht es ähnlich. Marseille habe im Sommer viele Veränderungen verkraften müssen, im Kader, in der Führung, auch auf der Trainerbank. Die Mannschaft sei dennoch „sehr, sehr gut“, in der Ligue 1 gelangen zuletzt vier Siege in Serie. „Morgen müssen wir, wie immer, perfekt sein“, sagte Martínez. „Wenn nicht, wird das Spiel schwer.“

Medina verspricht Einsatz: „Wir werden versuchen, unsere Fehler abzustellen, und unser Bestes geben, um hier zu Hause zu gewinnen.“ Gemeint sind die Mängel aus dem 2:4 gegen den VfB Stuttgart. Neun Gegentore in drei Pflichtspielen in Folge stehen zu Buche. In der Europa League blieb Bayer dagegen ohne bisher ohne Gegentreffer, gewann alle drei Partien gegen Celja, Posen und Kreta. Marseille ist der erste richtige Prüfstein für die Werkself.

Bayer 04 hat mit Medina Haltung verpflichtet

Genau dafür hat der Klub Medina verpflichtet. Der 27-Jährige ist ein Abwehrspieler, der Zweikämpfe sucht, und er soll der Mannschaft jene Haltung mitgeben, die sie in der vergangenen Saison über einige Strecken vermissen ließ. Martínez beschreibt ihn als „Wettkämpfer“. Bei den Gesprächen mit ihm vor der Verpflichtung habe er viel über Medinas Energie und dessen positive Haltung gesprochen. „Nach Aktionen, die wir manchmal verpassen, ist seine erste Reaktion oft: ‚Komm schon, wie kann das sein?‘“, sagte der Trainer. „Nach zwei, drei Sekunden sagt er dann: ‚Komm, es kommt eine neue Chance.‘“

Das motiviere die Mitspieler und die Fans. „Er ist gekommen, um als Innenverteidiger oder als Außenverteidiger zu helfen, vor allem aber mit seiner Einstellung und seinem Verhalten.“ Beim 4:0 gegen Union Berlin köpfte Medina sein erstes Tor für Bayer. Ibrahim Maza sagte danach: „Vor ihm hat man ein bisschen Angst.“ Sport-Geschäftsführer Simon Rolfes ordnete ein, Medina sei nicht nur robust, sondern ein guter Fußballer, der sich mit Miguel Gutiérrez auf der linken Seite ergänze. „Dieses Element tut jeder Mannschaft, aber auch unserer, gut“, sagte Rolfes.

Medina selbst erzählt die Geschichte seiner Ankunft ohne Pathos. Die Menschen, die Mitspieler und die Verantwortlichen hätten ihn „auf beeindruckende Weise aufgenommen“. Das helfe ihm, sich schnell in die Gruppe einzufügen, auch bei jenen, die „die unsichtbare Arbeit“ für den Klub leisten. Seine Ziele formuliert er vorsichtig, aus Aberglauben. Er wolle nichts heraufbeschwören, sagte er. „Wichtig ist, von Spiel zu Spiel zu denken“, um Bayer im nächsten Jahr in die Champions League zu führen. Dabei lacht er, im Wissen, dass intern hohe Ziele längst formuliert wurden. Auch die argentinische Nationalmannschaft, zu der er in der kommenden Woche wieder reisen wird, nimmt er als Ansporn: Es sei wichtig, im Verein die Leistung zu bringen, denn davon hänge die Berufung ab. Dann folgt der Satz, der zu ihm passt: „Und warum sollte man nicht groß denken, um Titel zu gewinnen?“

Dass Medina auch ein Gespür für die Lage im Kader hat, zeigt sein Blick auf Malik Tillman. Der US-Nationalspieler war beim 2:4 gegen Stuttgart in der 75. Minute beim Stand von 1:4 eingewechselt und von Teilen der Fans mit Pfiffen empfangen worden. „Uns alle kann es treffen, dass wir beschimpft werden“, sagte Medina. „Das gehört zum Fußball. Man muss offen für Kritik sein.“ Zugleich nahm er den Mitspieler in Schutz. Die Situation tue ihm leid, Tillman sei ein sehr wichtiger Spieler. „Ich bin mir sicher: Wenn er sich noch ein bisschen mehr wappnet – vor allem mental –, kann er uns extrem viel geben.“ Martínez zeichnete ein ähnliches Bild. Er habe viel mit Tillman gesprochen, um die Balance zwischen den emotionalen und den taktischen Dingen zu finden. Der Spieler sei jung und talentiert, müsse aber seine beste Version finden. Wenn er am Donnerstag die Chance bekomme, müsse er zeigen, dass er der Mannschaft helfen könne.

So steht Medina vor einem Abend, an dem er mehr verteidigen soll als sein Tor. Ein Gegner, den er aus dem Alltag kennt, trifft auf eine Mannschaft, die aktuell Stabilität sucht. Medinas Antwort darauf fällt knapp aus: Man müsse die Fehler abstellen und zu Hause gewinnen.