Es gibt Spieler, für die man ins Stadion geht. Spieler, für die man das Eintrittsgeld gern ausgibt. Bayer 04 hatte in der Klubgeschichte einige davon. Nun gehört auch Ibrahim Maza zu ihnen. Beim 20-Jährigen wartet man immer auf den Moment, in dem etwas passiert, das so nicht im Trainingsplan steht.
Dieser Moment kam am Sonntag gegen den SC Freiburg. Vor dem entscheidenden Treffer zum 2:1 hielt er an der rechten Eckfahne den Ball gegen zwei Verteidiger im Spiel, tunnelte den einen und legte mit dem nächsten Beinschuss auf Patrik Schick ab. Schick musste nur noch den Fuß hinhalten. Wer das Spiel gesehen hat, weiß, warum die Szene noch lange nachwirkt.
Sie erinnert an ein Tor, mit dem Florian Wirtz im Herbst 2023 Bayer 04 gegen den gleichen Gegner geprägt hat. Am 29. Oktober 2023, also fast genau drei Jahre zuvor, erzielte Wirtz das 1:0 mit einem unvergleichlichen Solo an genau jener Ecke vor der Nordkurve in der BayArena. Er zog im Strafraum durch den Freiburger Riegel, mit 14 engen Ballkontakten und schloss mit einem trockenen Linksschuss ab. Sport-Ggeschäftsführer Simon Rolfes nannte es damals „einen Wahnsinnstreffer“. Ex-Trainer Xabi Alonso sprach von einer „sensationellen“ Aktion. Maza erinnert in einigen Aspekten an Wirtz. Er dribbelt nicht nur durch das Zentrum, sondern kommt auch von außen und sucht oft den engen Raum an der Linie. Die Wirkung auf die Zuschauer ist ähnlich: Die Menschen stehen auf, bevor sie wissen, was passieren wird.
Bemerkenswert ist, wie Maza selbst über seine Tricks spricht, die er in seiner Geburtsstadt Berlin gelernt hat. Er sagt: „Ja, so ein bisschen bin ich damit aufgewachsen. Dann macht man halt einfach, was man denkt, was einem einfällt. Manchmal klappt es, manchmal nicht. Da hat es zum Glück geklappt.“ Das klingt nach Straße und Käfigfußball, nicht nach Lehrbuch. Genau das macht den Reiz des Sohnes eines algerischen Vaters und einer vietnamesischen Mutter aus. Ein Spieler, der sich nicht nur an die Abläufe hält, bringt Spannung in ein Spiel, das sonst in fadem Ballbesitz erstickt. Die Bayer-Fans haben ihm bereits einen Spitznamen verpasst: Mazadonna.
Trainer Carles Martínez sieht in ihm mehr als einen Techniker. „Er ist ein großes Talent. Er gibt sehr viel und bewegt sich viel. Er wechselt oft von rechts nach links, und das schätze ich an ihm sehr.“ Gleichzeitig ist er für den Trainer ein Rohdiamant, der noch weiter geschliffen werden will. „Wir müssen seine Mobilität in manchen anderen Aspekten ausgleichen. Er will arbeiten und sich verbessern. Er ist jung, mit großem Talent. Wir müssen mehr auf sein Engagement achten, damit er der Mannschaft noch besser helfen kann.“ Das Talent ist also da. Die Konstanz soll folgen.
Der Reiz für die Fans liegt genau darin. Eine Attraktion ist kein Versprechen auf Tore, aber sie ist ein Grund, früh zu kommen und bis zum Schluss zu bleiben. Maza liefert diesen Grund. Er hat nicht nur das 2:1 vorgelegt, sondern auch das 1:1 eingeleitet und selbst erzielt. Der Höhepunkt des Tages bleibt aber der Tanz an der Eckfahne und die Analogie zu Florian Wirtz.
Ein Wermutstropfen bleibt jedoch: Der gebürtige Berliner hat sich bereits für die algerische Nationalmannschaft entschieden. Für Bundestrainer Jürgen Klopp, der am Sonntag in der BayArena saß, ist er damit keine Option. Die Frage, ob Maza sich nicht doch dem Duell mit Wirtz und Jamal Musiala in der deutschen Elf hätte stellen sollen, wird noch öfter gestellt werden. Maza selbst sagte nach dem Spiel über Klopp: „Ich weiß nicht, was er sich gedacht hat. Ich hoffe, ich bin ein guter Spieler.“ Maza selbst geht damit gelassen um: „Ich bin jetzt algerischer Nationalspieler. Darauf bin ich stolz, und ich werde immer alles geben.“
Für Bayer 04 war es mehr als ein schöner Abend. Der Verein hat wieder einen Spieler, für den sich der Weg in die BayArena lohnt. Ob Maza die Erwartungen über eine ganze Saison erfüllen kann, wird sich zeigen. Am Sonntag hat er jedenfalls gezeigt, wie schön Fußball sein kann.
Seinen Marktwert hat der Maza seit seinem Elf-Millionen-Euro-Wechsel von Hertha BSC zur Werkself 2025 bereits auf 50 Millionen Euro gesteigert. Wenn er so weitermacht, ist das bei weitem nicht das Ende. Für Leverkusen ist die Aussicht im kommenden Sommer klar: Entweder hat der Verein weiter einen Publikumsliebling in den Reihen, oder das Bankkonto füllt sich wieder erheblich.


