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Nächster Rekord im BlickBayers Schick trifft weiter und hat sich nebenbei neu erfunden

Patrik Schick trifft für Bayer 04 so regelmäßig wie lange nicht. Die größere Veränderung zeigt sich jedoch dort, wo kein Tor fällt.

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BayArena Leverkusen, 18.10.2026, Fussball: Bundesliga Saison 26/27 6.Spieltag, Bayer 04 Leverkusen B04,rot vs SC Freiburg SCF, weiss Patrik Schick B04 jubelt nach seinem Tor DFL REGULATIONS PROHIBIT ANY USE OF PHOTOGRAPHS AS IMAGE SEQUENCES AND/OR QUASI-VIDEO *** BayArena Leverkusen, October 18, 2026, Bundesliga Season 2627, Matchday 6, Bayer 04 Leverkusen B04, red vs. SC Freiburg SCF, white Patrik Schick B04 celebrates after scoring a goal. DFL regulations prohibit any use of photographs as image sequences and/or quasi-video.

Leverkusens Patrik Schick bejubelt seinen Treffer zum 2:1 gegen Freiburg - im Hintergund: Malik Tillman.

Es war eine Entscheidung im Bruchteil einer Sekunde. Moussa Diaby legte den Ball im Freiburger Strafraum quer auf Patrik Schick, und der ließ ihn mit der Hacke weiterprallen, genau in den Lauf von Ibrahim Maza. Der traf mit dem Außenrist ins linke Eck, 1:1. Ein Mittelstürmer, der den Ball weiterreicht, statt ihn selbst versenken zu wollen: Das gehört nicht zum Standardrepertoire dieser Spezies. Bei Schick sagt es inzwischen einiges über den Spieler aus, der er geworden ist. Das möchte er auch am Donnerstagabend in der Europa League bei OFI Kreta (18.45 Uhr, RTL+) zeigen.

Carles Martínez hat nach dem wichtigen 2:1-Erfolg am Sonntag dann auch ausführlich über seinen Angreifer gesprochen. „Patrik hat mich noch mal etwas überrascht“, sagte der Trainer, er habe „keinen egoistischen Spieler gesehen“. Schick habe „nicht nur versucht, diesen Rekord zu erreichen“. Gemeint war das sechste Tor im sechsten Bundesliga-Spiel in Folge zu Beginn einer Saison, eine Serie, die in Leverkusen zuvor kein Spieler geschafft hatte. Schick selbst hielt die Zahl klein: „Das macht mich sehr glücklich, aber noch glücklicher bin ich über unseren Sieg.“

Niclas Füllkrug ist in der Torschützenliste gleichauf, bei Schick kommen aber zwei Vorlagen hinzu, deshalb steht er vor Füllkrug. Im Schnitt ist er alle 54 Minuten an einem Tor beteiligt. Maza sagte bei Sky: „Patrik ist im Strafraum ein eiskalter Killer.“

Man vergisst leicht, dass Schick schon einmal auf diesem Niveau gespielt hat. Er kam über Prag, Genua und Rom, 2019 per Leihe nach Leipzig, 2020 nach Leverkusen. In der Saison 2021/22 schoss er 24 Tore in 27 Ligaspielen und wurde hinter Robert Lewandowski Zweiter der Torjägerliste. Bei der Europameisterschaft 2021 traf er fünfmal, so oft wie Cristiano Ronaldo – wurde mit dem portugiesischen Weltstar Torschützenkönig des Turniers. Dann ließ ihn sein Körper im Stich.

Verletzungsmisere vor vier Jahren

Ab Herbst 2022 fehlte er wegen Adduktorenbeschwerden, im Juni 2023 wurde er operiert. Es war eine lange Odyssee mit Fehleinschätzungen und vielen Zweifeln. Im Oktober 2023 kehrte er in der Europa League gegen Qarabağ zurück, im Dezember gelang ihm gegen Bochum ein lupenreiner Hattrick, er hatte seinen Anteil an Bayers Meisterschaft und dem Pokalsieg. Die Gesundheit blieb zwar ein Thema, doch fortan waren es nur noch kleinere muskuläre Probleme.

Sein Status in Tschechien und der  Nationalelf erlaubten zudem keine Erholung. Bei der WM in Nordamerika schied Schick und sein Team dann als Gruppenletzter aus, nach Niederlagen gegen Mexiko (0:3) und Südkorea (1:2) und einem 1:1 gegen Südafrika. Am 25. Juni schrieb er auf Instagram: „Heute endet mein Kapitel in der Nationalmannschaft.“ Die Entscheidung sei nicht über Nacht gefallen. Ende August erklärte er in einem Podcast, die Auswahl habe ihm eher genommen als gegeben, und es habe ihn gestört, dass sich nichts ändere. Das klingt nicht nach Wehmut. Das klingt nach jemandem, der Ballast abgeworfen hat.

In Leverkusen ist seine Rolle gewachsen. Er ist Vizekapitän hinter Edmond Tapsoba. Martínez nennt ihn einen der „Anführer“, der „großen Einfluss auf unser Spiel“ habe. Man hört, dass er in der Kabine redseliger geworden ist. Auf dem Platz sieht man es dort, wo früher wenig passierte: Schick wartet nicht mehr im Strafraum auf seine Gelegenheit. „Patrik arbeitet, er verteidigt, hilft dem Team mit seinem ersten Kontakt und seinen Laufwegen im Strafraum“, sagte Martínez. Dazu passen die Daten: 11,4 Kilometer pro 90 Minuten, 49 Prozent gewonnene Zweikämpfe.

Wie gut das Zusammenspiel funktioniert, zeigte sich eine Viertelstunde vor Schluss. Diesmal tunnelte Maza zwei Freiburger und legte quer auf Schick, der zum 2:1 einschob. Die Gefälligkeit wurde noch im selben Spiel erwidert, und beide Treffer entstanden aus demselben Prinzip: Wer besser steht, bekommt den Ball. Es ist ein Prinzip, das Mannschaften stärker macht als jede Rekordjagd.

Er selbst bleibt nüchtern. „Ganz ehrlich, ich habe nichts verändert“, sagte Schick. „Ich mache die gleichen Sachen wie früher. Das Einzige ist vielleicht, dass ich jetzt lange Zeit gesund bin, das ist für mich das Wichtigste.“ Vermutlich liegt genau darin der Unterschied zu den Jahren davor. Simon Rolfes sagte es knapper: „Den Schick in der Form kann man immer gebrauchen.“

Am Sonntag in Hoffenheim kann Schick mit einem weiteren Tor Stefan Kießlings Klubrekord einstellen. Er hatte saisonübergreifend von April bis August 2013 Treffer in sieben Ligaspielen in Folge erzielt. Die Zahl wäre hübsch. Wichtiger ist, was hinter ihr steht: ein Stürmer, der im Strafraum weiter zuverlässig trifft, den Ball aber auch öfter weitergibt. Am Donnerstag auf Kreta wird sich zeigen, ob diese Mischung auch international trägt.