Im Interview spricht der Trainer von Fortuna Düsseldorf vor dem Drittliga-Derby über seine Verbindung zum Südstadt-Klub.
Alexander Ende„Fortuna Köln wird bei mir immer einen besonderen Stellenwert haben“

Alexander Ende während des Trainings mit den Profis von Fortuna Düsseldorf.
Copyright: Herbert Bucco
Herr Ende, Sie kehren am Sonntag (19.30 Uhr) mit Fortuna Düsseldorf an Ihre frühere Wirkungsstätte zurück. Was löst die Rückkehr ins Südstadion bei Ihnen aus?
Alexander Ende: Sehr viel. Ich habe auf meinem Handy noch immer einen eigenen Fortuna-Köln-Ordner, in den ich ab und zu sehr gerne hineinschaue. Es war meine erste Trainerstation im Herrenbereich. Dazu kam die besondere Zeit rund um Corona. Und trotzdem ist in diesen zwei Jahren eine außergewöhnliche Gemeinschaft entstanden.
Was macht diese Zeit für Sie so besonders?
Wir hatten eine Mannschaft, die sehr viel miteinander unternommen hat, Siege gefeiert hat, wie man Siege feiern sollte, und auch neben dem Platz viel zusammen gemacht hat. Wir hatten tolle Charaktere dabei. Wir haben versucht, die gesamte Gruppe stark zu machen – nicht nur die Spieler. Auch alle, die im Umfeld des Vereins gearbeitet haben, waren Teil dieser Gemeinschaft. Es war nicht nur eine Mannschaft, sondern tatsächlich eine große Gruppe.
Was hat damals zum ganz großen Sprung gefehlt?
Im ersten Jahr war sicherlich die Kaderbreite ein Faktor. Wir hatten eine sehr lange Saison mit vielen englischen Wochen. Wenn du dann in die letzten Spiele gehst, merkst du das irgendwann. Zumal uns Julian Günther-Schmidt im Winter verlassen hat und wir nur noch einen einzigen Stürmer im Kader hatten. Im zweiten Jahr waren wir sehr lange ganz oben dabei. Aber wir hatten das eine oder andere Unentschieden zu viel. Gleichzeitig gab es mit RW Essen einen Konkurrenten, der am Ende fast 90 Punkte geholt hat.

Alexander Ende während seiner Zeit als Trainer von Fortuna Köln.
Copyright: Peter Rakoczy
Kommen wir zu Ihrer aktuellen Aufgabe bei Fortuna Düsseldorf. Wie groß war die Erleichterung nach dem 1:0 gegen Stuttgart?
Natürlich groß. Wenn du in eine Saison startest und die ersten beiden Spiele verlierst, ist die Sehnsucht nach einem positiven Erlebnis bei allen groß. Gerade bei einem Verein wie Fortuna Düsseldorf, wo sehr viele Menschen diesen Klub im Herzen tragen. Nach dem Abstieg aus der vergangenen Saison war die Enttäuschung ohnehin riesengroß. Deshalb war die Erleichterung nach dem ersten Sieg natürlich enorm. Wir haben hochverdient gewonnen. Das war ein wichtiger erster Schritt zurück in die Erfolgsspur.
Aber eben nur ein erster Schritt.
Genau. Wir wissen, dass es eine harte Saison wird. Fortuna Düsseldorf ist für jeden Klub ein besonderer Gegner. Dazu hatten wir einen enormen Umbruch. 19 neue Spieler sind eine außergewöhnliche Zahl. Viele Spieler sind erst im Laufe der Vorbereitung oder sogar danach dazugekommen. Da ist es logisch, dass nicht vom ersten Tag an alles perfekt abgestimmt ist. Jetzt ist die Gruppe zusammen, und der Sieg hilft uns enorm.
Was muss passieren, damit Fortuna Düsseldorf endgültig in der Dritten Liga ankommt?
Wir müssen Entwicklungsschritte machen. Wir haben einen Prozess angestoßen, nach sechs Wochen Vorbereitung mit so viel Bewegung kann noch nicht alles perfekt sein. Das Spiel in Mannheim hätte auch anders ausgehen können. Gegen Hoffenheim waren wir nicht gut. Nach Stuttgart geht es jetzt darum, die guten Dinge zu festigen und die Abläufe stetig zu perfektionieren.
Wie erleben Sie die Wucht, die dieser Klub entwickelt?
Die Liebe der Menschen zu diesem Verein ist riesengroß – und damit auch die Leidenschaft. Das macht einen Traditionsverein aus. Was die Erwartungshaltung angeht, sind wir alle total ambitioniert und wollen das Maximum aus der Saison herausholen. Aber jeder Prozess braucht eben eine gewisse Zeit. Die hat man im Umfeld tendenziell etwas weniger, weil die Sehnsucht nach Erfolgen und nach einer guten Saison so groß ist. Aber dass die Wende schnell gehen kann, habe ich beim SC Verl erlebt. Ich bin damals in der Dritten Liga gestartet und wir haben die ersten drei Spiele verloren. Trotzdem war die Überzeugung da, dass wir den Turnaround schaffen. Nach 16 Spieltagen standen wir auf Tabellenplatz drei.
Ist die tägliche Arbeit bei Fortuna Düsseldorf überhaupt mit Ihren früheren Stationen in Verl und bei Fortuna Köln vergleichbar?
Wenn ich auf dem Platz bin, bin ich auf dem Platz. Das Medieninteresse ist natürlich größer. Das Feedback und die Echos von verschiedensten Seiten sind noch einmal etwas anderes. Aber im Kern ist die Arbeit dieselbe. Wir arbeiten im Trainerteam, mit der Mannschaft und mit dem Team drumherum so, wie wir es immer gemacht haben. Natürlich bedeuten die Dinge drumherum mehr. Es ist größer, lauter, und es steckt mehr Power dahinter.
Sie waren bei Preußen Münster und Fortuna Düsseldorf Teil von zwei Abstiegen. Wie haben Sie das persönlich verarbeitet?
Man muss das Ganze differenziert betrachten. Bei Preußen Münster hatten wir unfassbares Verletzungspech. Wir hatten mit dem kleinsten Etat der Liga teilweise sechs oder sieben Stammspieler gleichzeitig draußen – über Wochen und Monate. Trotzdem standen wir nie auf einem direkten Abstiegsplatz. Und in Düsseldorf hatte ich eine begrenzte Zeit mit ebenfalls vielen Verletzten. Wir haben dennoch zwei tolle und unerwartete Heimsiege gefeiert und in einer Tabelle meiner Zeit lagen wir auf Platz zwölf. Das ist sicher kein Trost, aber es ist Fakt.
Kommen wir zu Dominique Heintz. Der kam im Sommer vom 1. FC Köln nach Düsseldorf, konnte seine Rolle als Abwehrchef aber noch nicht ausfüllen.
Er ist ein super Typ und hat eine Vita, die für sich spricht. Ich bin überzeugt: Heintzi wird in dieser Saison ein ganz wichtiger Spieler und eine wichtige Persönlichkeit für uns sein.
Jeder Ort und jeder Standort hat seine Besonderheiten. Es ist nicht vergleichbar, weil jeder Verein seine eigene Identität und seinen eigenen Charme hat. Und der SC Fortuna Köln hat definitiv großen Charme
Haben Sie Zeit gefunden, sich über den Aufstieg von Fortuna Köln zu freuen?
Ja, auf jeden Fall. Ich war immer wieder im Austausch mit einigen Personen, habe Glückwünsche zu Siegen geschickt und am Ende die Daumen gedrückt, dass sie das Ding über die Linie bringen. Ich habe mich extrem für die Menschen im Verein gefreut, die ich noch kenne.
Gibt es jemanden, der Sie besonders beeindruckt hat?
Geschäftsführer Niklas Müller macht einen herausragenden Job. Er macht sich inzwischen auch außerhalb von Köln im deutschen Fußball einen Namen. Es wird wahrgenommen, was für einen Job er leistet. Und natürlich gibt es die Menschen wie Hannes Westendorf und Stefan „Putsch“ Puczynski, der sich ehrenamtlich über so viele Jahre unglaublich für diesen Verein eingesetzt hat und sicherlich sehr viel Zeit, Herz und Liebe investiert. Dazu kommen die Leute im Vorstand, die Mitarbeiter, die Fans und all die Menschen, die ich dort kennengelernt habe. Ich habe bei Fortuna Köln so viele Freundschaften geschlossen und so viele herzliche Menschen kennengelernt. Für alle hat mich der Aufstieg wahnsinnig gefreut.
Vermissen Sie die vergleichsweise ruhige Atmosphäre in der Südstadt?
Jeder Ort und jeder Standort hat seine Besonderheiten. Es ist einfach manches anders gelagert. Es ist nicht vergleichbar, weil jeder Verein seine eigene Identität und seinen eigenen Charme hat. Und der SC Fortuna Köln hat definitiv großen Charme. Es ist ein toller Klub, der bei mir immer einen besonderen Stellenwert haben wird. Das Gespräch führte Alexander Wolf
