Der Trainer des Südstadt-Klubs spricht über die Dritte Liga, seine Anfänge, den Kader sowie über die vergangene Meistersaison.
Matthias Mink„Wir sind gierig und selbstbewusst“

Fortuna Kölns Trainer Matthias Mink spricht im Interview auch über die kommende Saison in der Dritten Liga.
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Herr Mink, das Pokalfinale liegt einige Wochen zurück. Konnten Sie überhaupt abschalten – oder waren Sie sofort wieder in der Kaderplanung?
Matthias Mink: Letztlich hat uns der Aufstieg vieles erleichtert. Alle Verträge haben sich verlängert – außer der von Kian Hekmat. Das hat es nach dem Pokalspiel einfacher gemacht, sodass ich auch in den Urlaub fahren konnte. Wobei man im Urlaub immer wieder im Austausch ist – mit dem Verein, mit Beratern.
Wie fühlte sich die Woche nach dem Aufstieg an?
Schwierig zu beschreiben. In den letzten Spielen war Druck da – aber kein lähmender, eher dieses: Wann ist es endlich soweit? Ein Warten auf den Moment. Und dann, mit dem Spiel gegen Siegen, war zunächst Erleichterung da – und gleichzeitig ekstatische Freude. Das hat man ja gesehen, was hier los war. Es gab viele schöne Momente nach dem Schlusspfiff. Letztlich ist ein Traum in Erfüllung gegangen – und dass das ausgerechnet hier mit Fortuna passiert ist, ist noch mal etwas total Außergewöhnliches. Für mich, aber auch für den Klub.
Sie haben 1992 selbst hier als Spieler gespielt. Was verbindet Sie mit diesem Verein?
Das war mein Start als Profi. Die Zweite Liga war damals gerade zusammengelegt worden – Nord und Süd in einer einheitlichen, nationalen Liga mit 24 Mannschaften. 46 Spiele plus Pokal in einem Jahr. Man war ständig unterwegs, hat Hansa Rostock, FSV Zwickau, all diese Stadien erlebt. Das war als junger Profi sensationell. Und das Umfeld hier – vergleichbar mit heute – war damals schon etwas Besonderes. Wenn mir damals jemand gesagt hätte, dass ich diese Mannschaft 2026 als Trainer zur Meisterschaft in der Regionalliga führe – das wäre vollkommen undenkbar gewesen. Mit 24 denkst du nicht an solche Dinge. Du bist überwältigt von dem, was im Profifußball auf einen einprasselt.
Hat Ihre eigene Spielerkarriere Ihnen als Trainer geholfen?
Es ist immer sinnvoll, wenn man als Spieler im bezahlten Fußball unterwegs war – egal auf welchem Niveau. Weil du weißt, wie eine Kabine funktioniert, wie eine Mannschaft miteinander interagiert. Trainererfahrung ist ohnehin ein extrem hohes Gut. Wenn dann noch Spielererfahrung hinzukommt, hat man da schon eine Waffe.
Identifikation ist ein extrem wichtiger Aspekt – den nehmen wir auch als Grundlage für Spielergespräche im Zuge von Vertragsunterzeichnungen
Sie gelten als erfolgreichster Trainer der Vereinsgeschichte. Im Umfeld hört man immer wieder: Die Mannschaft vertraut Matthias. Wie erklärt sich das?
Das liegt im täglichen Arbeiten begründet. Wir haben ein sehr gutes Miteinander – auch was den Staff angeht. Identifikation ist ein extrem wichtiger Aspekt – den nehmen wir auch als Grundlage für Spielergespräche im Zuge von Vertragsunterzeichnungen. Das gilt für meinen Co-Trainer Hamdi Dahmani nicht anders. Der ist hier eine Institution. Die Mannschaft merkt, wie wir uns mit kleinen Dingen inhaltlich identifizieren – und gewisse Sachen vorleben. Deswegen hat sie es auch als Team sehr gut hingekriegt.
Täuscht der Eindruck, oder ist Ihre Ruhe eine Ihrer größten Stärken?
Als Trainer musst du Ruhe ausstrahlen. Aber es gibt auch andere Seiten von mir – vor allem auf dem Trainingsplatz. (lacht) Es soll immer konstruktiv und lösungsorientiert zugehen. Ich halte seit 15 Jahren im Lehrstab des Fußballverbands Mittelrhein Vorträge über Leadership im Rahmen der B-Lizenz – und habe dort selbst extrem viel gelernt. Was den Umgang mit Mannschaften und unterschiedlichen Persönlichkeiten angeht, habe ich mich in den letzten Jahren noch einmal deutlich weiterentwickelt.
Gab es einen Moment in der Saison, in dem Sie sicher waren: Das wird der Aufstieg?
Nach dem 18. Spieltag gegen Wuppertal, mit einem guten Trainingslager im Winter, hat man gespürt, dass extrem viel möglich ist. Aber wir wissen – und das habe ich im Fußball als Spieler wie als Trainer erlebt –, dass immer mal Themen kippen können. Es gab Schlüsselmomente, wie dieses späte Tor in Bochum, die so ein bisschen die Richtung vorgegeben haben. Man hat gespürt, wie der Glaube in der Mannschaft gewachsen ist. Diese Mannschaft hat es sehr gut hingekriegt, sich persönliche wie gemeinsame Ziele immer wieder vor Augen zu halten und neu zu stecken. Aber Gewissheit gibt es im Sport nie.
Welche Erlebnisse haben Sie auf Ihrem Karriereweg besonders geprägt?
Es gab sicher viele emotionale Momente. Einer der bewegendsten war der Klassenerhalt mit der U23 von Fortuna im Jahr 2021/22. Ich kam erst im Februar, hatte noch nicht einmal die komplette Wintervorbereitung. Zur Winterpause lagen wir 13 Punkte zurück, hatten noch 16 Spiele – und haben es am letzten Spieltag, in der 88. Minute, geschafft. Fast ein München-2014-Moment. Knapp 500 Zuschauer am Platz, und von der Emotion her ist es explodiert. Das zeigt: Es geht nicht immer um die Ligazugehörigkeit. Manchmal ist das Außergewöhnliche das, was einen prägt.
David Savic ist der erste Neuzugang der Saison. Wie läuft ein Transfer bei Fortuna ab?
Es ist klassisch für uns: Wir nehmen Spieler über einen längeren Zeitraum in Augenschein – vor allem über Pascal Lammerich, unseren Video-Scout, der bewusst auch jedes unserer eigenen Spiele sieht. Ein Scout muss wissen, wie die eigene Mannschaft funktioniert, um Personalentscheidungen fundiert begleiten zu können. David Savic hatten wir über Wochen und Monate auf unseren Listen. Als klar war, dass sein Vertrag in Düsseldorf ausläuft, haben wir Kontakt aufgenommen. Die Bedingung war klar – der Drittliga-Aufstieg. In der Regionalliga wäre er wohl nicht zu uns gekommen. Wobei die Gespräche so gut waren – das hätte ich auch da nicht völlig ausgeschlossen.
Was für ein Typ ist Savic?
Wenn du als 20-Jähriger schon die Binde tragen musst oder darfst, ist das ein Fingerzeig. Das ist ein guter Typ, ein Leader, der vorangeht. Er bringt genau die Tugenden mit, die uns über die komplette Saison stark gemacht haben – hohe Aktivität, hohe Intensität, Gegenpressing. Das hat er im Gespräch selbst hervorgehoben. Das ist keine Verpflichtung, die impliziert, wir geben da noch etwas ab. Wir verstärken uns.
Wir müssen uns als Ausbildungsverein definieren – weil hier keine Millionen und Abermillionen zur Verfügung stehen
In der Dritten Liga trifft die Fortuna auch auf Viktoria Köln. Was kann sich Fortuna bei der Viktoria in Höhenberg abschauen?
Extrem viel, was Weiterentwicklung und Infrastruktur angeht. Wir müssen uns als Ausbildungsverein definieren – weil hier keine Millionen und Abermillionen zur Verfügung stehen. Für die Fans ist es wichtig, dass wir uns als Nummer zwei in Köln sehen neben dem 1. FC Köln. Aber mir ist das eigentlich egal. Ich glaube nicht, dass es für unsere sportliche Situation relevant ist. Wir können fünfmal darüber reden, wie toll es ist, die Nummer zwei zu sein – aber wir sollten schauen, dass wir beide Derbys gegen Viktoria gewinnen. Das wird wichtig sein.
Was erwartet die Mannschaft in der Dritten Liga – abseits des Sportlichen?
Die Belastung wird erheblich höher. 38 Spieltage, das sind vier mehr. Dazu der Mittelrheinpokal – wir haben in diesem Jahr uns in Endspiel gespielt, sechs Pokalspiele gemacht. In Summe: 44 Pflichtspiele, ohne Testspiele. Das zeigt, was Kaderbreite bedeuten kann. Die Intensität der Spiele wird höher, die körperliche Belastung durch Reisen kommt dazu. Die Kadersituation – in Bezug auf Verletzungen und Tagesform – wird ein enorm wichtiger Faktor. Das lässt sich aber nur bedingt erklären. Letztlich muss man es erleben.
Ändert sich taktisch etwas?
Die spielen auch Fußball in der Dritten Liga. Es wird immer gesagt, da werde wenig Fußball gespielt – aber es gibt Mannschaften, die das sehr wohl tun. SC Verl zum Beispiel. Wir halten das so, wie wir es in der Regionalliga gehalten haben: dass du immer wieder Phasen hast, in denen du Fußball spielen musst. Klar, als Aufsteiger wirst du häufiger tiefer verteidigen müssen. Aber das entwickelt sich. Da wollen wir uns nicht limitieren.
Wie groß ist der Faktor Fans bei Fortuna?
Schon die letzte Saison war unglaublich von der Euphorie her. Diese mitzunehmen ist extrem wichtig. Es knistert hier an vielen Stellen. Unsere Fans sind honorierend, sie gehen mit und sind nah dran. Hier im Südstadion, vielleicht vor 6000 oder 7000 Zuschauern zu spielen, ist total außergewöhnlich. Ich denke da an Essen, Duisburg, Aachen, Rostock, Düsseldorf, Preußen Münster. Das ist extrem geil. Da müssen wir die Heimstärke aus der Regionalliga in die Dritte Liga mittransportieren.
Wie lautet das Saisonziel?
Da bin ich pragmatisch – der Präsident nennt das die Schwarzwälder Variante: Nüchternheit. Es gibt diese 45 Punkte, die du ins Visier nehmen musst. Für uns heißt es vom ersten Tag an: Pünktchen sammeln, alles andere kommt von allein. Wir waren sieben Jahre nicht mehr in der Dritten Liga. Was in dieser Zeit in der Liga passiert ist – Umsätze, Zuschauerzahlen –, das macht deutlich, wie sehr man als Aufsteiger demütig und bodenständig sein muss. Aber wir freuen uns total drauf. Wir sind gierig und selbstbewusst. Das schließt sich nicht aus.
Sie sind gleichzeitig Sportdirektor. Bleibt das so in der Dritten Liga?
Was gut war, sollte die Möglichkeit haben, sich zu bestätigen. Wir wollen uns weiterentwickeln, aber substanziell – nicht von null auf hundert. Wir haben jetzt einen zweiten Physiotherapeuten, Paul Estrader als Leiter der medizinischen Abteilung. Bei Heimspielen ist nun immer ein Mannschaftsarzt dabei. Andy Moog wird hauptamtlicher Athletikcoach – auch eine Präventionsmaßnahme, denn wir hatten außergewöhnlich wenige Verletzte. Und im Torwartbereich übernimmt Tetsuo Taguchi hauptamtlich, nachdem Sven Bacher seinen Job nicht aufgeben kann. Er war schon auf Empfehlung von Sven im Trainingslager dabei – als er an Corona erkrankt war – und hat das sehr gut gemacht. Das mündet jetzt in eine Vollzeitstelle. Das sind die substanziellen Schritte, die wir machen.
Wie sieht es mit dem Trainingsgelände aus?
Man ist im Austausch. Sofort nach Saisonende standen Maschinen auf dem Platz – es wurde gelocht und gesandet. Das war seit Jahren nicht mehr gemacht worden. Was über Jahre vernachlässigt wurde, holst du nicht von einem Tag auf den anderen auf – aber wenn du diese Maßnahmen konsequent fortsetzt, hast du eine gute Grundlage, auch im Herbst. Das Stadion war für die Lizenz kein Problem. Es geht um die Trainingsplätze im Winter. Da musst du Lösungen finden – auf eigenem Weg, aber auch im Austausch mit der Stadt. Kleine Schritte, wie überall.
Es ist jetzt eine schöne Vollendung. Etwas, das ich mir immer zum Ziel gesetzt habe. Aber es ist noch nicht zu Ende
Als Trainer sind Sie mit 59 Jahren in der Dritten Liga angekommen. Wie gehen Sie dieses Abenteuer an?
Ich weiß, dass das eine Herausforderung wird. Ich wollte immer in dieses Segment, aber es war mir bisher durch Umstände verwehrt geblieben. Ich hatte mal die Möglichkeit, als Co-Trainer in die Bundesliga zu wechseln – das war zu Zeiten als U23-Coach in Leverkusen. Ein Kollege wollte mich mitnehmen, alles war vorbereitet, aber dann hat der Trainer, der auf der Kippe stand, doch angefangen zu gewinnen. Auch das Ausland wäre mal möglich gewesen – aber ich habe davon Abstand genommen. Mit Familie und all dem drum herum gibt es immer wieder Risiken. Deswegen ist es jetzt eine schöne Vollendung. Etwas, das ich mir immer zum Ziel gesetzt habe. Aber es ist noch nicht zu Ende.
Welche Erfahrung hilft Ihnen dabei?
Wir werden keinen Durchmarsch machen. Es wird auch von Misserfolgen geprägt sein. Deswegen trifft genau das zu – dieses Thema Trainererfahrung. Ich habe schon ein bisschen was erlebt und werde viele Sachen bereits in der Vorbereitung dementsprechend angehen. Wenn du gut vorbereitet bist – so war es zumindest in der Schule –, dann ist es leichter. Klar spielt im Fußball Glück eine große Rolle. Aber die Wahrscheinlichkeit wird erhöht, wenn du es gut vorbereitest.

