Die Sozialdemokratin war Abgeordnete in der Nationalversammlung, im preußischen Landtag und in der Kölner Stadtverordnetenversammlung.
150 aus 150Elisabeth Kirschmann-Röhl war eine bedeutende Sozialdemokratin

Die sozialdemokratische Politikerin Elisabeth Kirschmann-Röhl. (Archivfoto)
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Zum 150. Geburtstag des Kölner Stadt-Anzeiger stellen wir jeden Tag eine bedeutende Kölner Persönlichkeit vor. Im 90. Teil der Serie geht es um die sozialdemokratische Politikerin Elisabeth Kirschmann-Röhl.
Bedeutung
Elisabeth Kirschmann-Röhl war eine bedeutende Sozialdemokratin, die sich für Frauenrechte und Gleichberechtigung einsetzte. Sie begann als Dienstmädchen und zog als 16-Jährige nach Berlin, wo sie als Näherin arbeitete. 1906 trat sie in die Gewerkschaft ein, zwei Jahre später in die SPD. In Berlin war ihre Schwester Maria Juchacz (1879 bis 1956) politisch aktiv. Als diese 1913 für vier Jahre als Frauensekretärin nach Köln ging, zog die jüngere Schwester mit ihrem Sohn aus erster Ehe mit. Auch sie war bereits politisch tätig gewesen und setzte das in Köln fort.
Im Ersten Weltkrieg war sie Mitglied städtischer Kommissionen, vor allem zur Wohlfahrtspflege. Von Januar 1919 bis Juni 1920 war sie, wie ihre Schwester, Mitglied der Weimarer Nationalversammlung, in der sie sich für die Gleichstellung unehelicher Kinder einsetzte. Als Abgeordnete im Preußischen Landtag wirkte sie von 1921 bis zu ihrem Tod. Kirschmann-Röhl gab Beilagen von Parteizeitungen mit Frauenthemen heraus, schrieb Artikel und sprach im Rundfunk.
Elisabeth Kirschmann-Röhl
Geboren: 22. August 1888 in Landsberg an der Warthe
Gestorben: 21. September 1930 in Köln
In der SPD warb sie für mehr Einfluss der Frauen. 1920 bemängelte sie auf einer Frauenkonferenz, dass kein SPD-Spitzenamt mit einer Frau besetzt sei. 1922 heiratete sie in zweiter Ehe den späteren Reichstagsabgeordneten Emil Kirschmann. Im Reichstagswahlkampf 1930 geriet sie in eine Versammlung der Nationalsozialisten und meldete sich mutig zu Wort, woraufhin sie vom Podium gezerrt wurde.
Wirken in Köln
Von 1918 bis zum Lebensende gehörte Kirschmann-Röhl dem Kölner SPD-Vorstand an. Als Rednerin war sie häufig in der Stadt und im Umland zu aktuellen Themen zu hören. Sie war von 1919 bis 1924 Mitglied der Stadtverordnetenversammlung und ergriff dort als erste Frau das Wort. In Köln baute sie die von ihrer Schwester in Berlin gegründete Arbeiterwohlfahrt auf.
Bemerkenswert
Die beiden Schwestern pflegten eine enge Beziehung und wohnten zeitweilig zusammen. Zu ihrer Beerdigung auf dem Südfriedhof kamen mehrere Tausend Menschen, was auch als Demonstration gegen den Wahlsieg der Nationalsozialisten kurz zuvor gewertet wurde.
Spuren in der Stadt
Das Grab beider Schwestern befindet sich auf dem Südfriedhof.
Der Autor der 150 Kölner Persönlichkeiten ist Dr. Ulrich S. Soénius. Der Historiker und Direktor der Stiftung Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln (RWWA) hat als Mitherausgeber des Kölner Personenlexikons (2008) über 630 Biographien für das Standardwerk zur Kölner Geschichte verfasst.
