Gemeinsam mit dem Veedel e.V. engagiert sich der Verein für Kinder in einem der ärmsten Quartiere Kölns.
Gernsheimer StraßeKölner Spielewerkstatt e.V. schenkt Kindern Lebensfreude

Die Mitarbeiter der Kölner Spielewerkstatt bringen mit finanzieller Unterstützung von „wir helfen“ einmal pro Woche Freizeitspaß in die heruntergekommene Hochhaussiedlung in der Gernsheimer Straße, einem der ärmsten Quartiere Kölns.
Copyright: Michael Bause
Manchmal entscheidet allein der Straßenname über die Perspektiven eines jungen Menschen, der dort lebt. Ob er ausgegrenzt wird – oder nicht, positive oder schlechte Chancen auf eine gute Schulbildung, einen Ausbildungsplatz, einen Job hat, ihm ausreichend oder keine Freizeitangebote zur Verfügung stehen. Für die Fünftklässlerinnen Lara, Berivan und Ronya sowie rund 700 weitere minderjährige Jungen und Mädchen, die in der Gernsheimer Straße im Stadtteil Ostheim aufwachsen, dürften die Prognosen – rein statistisch gesehen – nicht sehr rosig ausfallen. Wäre da nicht der Veedel e. V. ...
Laut einer Umfrage der katholischen Hochschule NRW (Katho Köln) haben viele Angehörige der Jungen und Mädchen schlechte Erfahrungen gemacht, wenn sie bei Mitmenschen, Behörden oder Bewerbungen ihren Wohnort angeben haben. Einem Wohnort, der zu den ärmsten Quartieren Kölns zählt. Dessen Anteil von Kindern und Jugendlichen bei etwa 30 Prozent liegt (18,4 Prozent sind es in ganz Köln) – und die Quote an Bewohnerinnen und Bewohnern mit internationaler Geschichte bei über 90 Prozent.
70 Prozent der Unter-15-Jährigen erhalten Sozialhilfe
Einem Wohnort, in dem rund 70 Prozent der unter 15-Jährigen in SGB- II-Bedarfsgemeinschaften aufwachsen. Der geprägt ist von Armut, zu kleinem und vernachlässigtem Wohnraum, Diskriminierung, Stigmatisierung, fehlenden Bildungs- und Teilhabemöglichkeiten und einer Vielzahl von Drogenabhängigen. Von einer „alltäglichen Verwahrlosung, einem täglich aufs Neue demütigenden und stresshaften Wohnen, einem überbordenden Müllproblem und einer ignoranten Hausverwaltung“, ist die Rede in der Katho-Erhebung.
Hier in der Gernsheimer Straße wachsen benachteiligte Kinder in einem benachteiligte Quartier auf, was einer doppelten Benachteiligung gleichkommt
„Hier wachsen benachteiligte Kinder in einem benachteiligte Quartier auf, was einer doppelten Benachteiligung gleichkommt“, bringt es Rolf Blandow auf den Punkt. Der langjährige Mitarbeiter und Geschäftsführer des Veedel e. V. setzt sich gemeinsam mit seinem Team seit mehr als drei Jahrzehnten dafür ein, dass das Leben für Bewohnerinnen und Bewohner der Gernsheimer Straße, zwischen heruntergekommenen Hochhäusern, Bauzäunen und versiegelten, tristen Flächen weniger demütigend ist. Dass sich die Lebens- und Wohnbedingungen der Menschen nachhaltig verbessern. Und dass Kinder Perspektiven abseits der Kriminalität erhalten.
Ein zweites Zuhause: Die „Offene Tür Am Wunschtor“
Ein besonderer Fokus unserer Arbeit liegt darauf, kinderreiche Familien, deren Eltern meist bemüht sind, ihren Kindern Zukunftsperspektiven zu eröffnen, aber mit der Betreuung überfordert sind, zu unterstützen und zu fördern“, sagt Blandow. Herzstück der Kinder- und Jugendarbeit des „Veedel e. V.“ ist seit dem Jahr 1987 die Offene Tür (OT) „Am Wunschtor“, die zunächst als Stadtteilbüro in einem 20 Quadratmeter „großen“ Wohnzimmer einer kleinen Erdgeschosswohnung in der Gernsheimer Straße untergebracht war.

Kein wirklich kindgerechter (Wohn-)Ort, der „Spielplatz“ an der Hohhaus-Siedlung in der Gernsheimer Straße.
Copyright: Michael Bause
1994 zog sie in zwei gegenüberliegende Container um, wo das Veedel e.V.-Team bis vor wenigen Monaten täglich bis zu 100 Kindern und Jugendlichen ab sechs Jahren, von denen viele in der elterlichen Wohnung keinen Raum für Hausaufgaben und Privatsphäre haben, auf insgesamt 60 Quadratmetern ein verlässliches zweites Zuhause. Es gibt täglich wechselnde Freizeitaktivitäten ohne kommerziellen Druck, Hausaufgabenhilfe, Gespräche, Unterstützung und Beratung, auch für die Eltern.
Spieleparadies inmitten der Ödnius der Hochhäuser
„Unsere Räumlichkeiten waren von Anfang an zu klein, um alle Kinder- und Jugendgruppen unterzubringen, geschweige denn zwei Gruppen parallel laufen zu lassen, deshalb haben wir 20 Jahre lang um einen Neubau gekämpft“, sagt Blandow. Mit Erfolg: Im September 2025 beschließt ihn der Kölner Stadtrat, die Container sind längst abgerissen, ab 7. Mai soll in der heutigen Baulücke bis Ende nächsten Jahres ein 340 Quadratmeter großer Neubau entstehen. Bis der einzugsbereit ist, muss sich das OT-Team mit dem Wohnzimmer aus seinen Anfängen behelfen, dem Juppi-Mobil, einem Jugendtreff auf Rädern, das das Jugendamt ab Mai zur Verfügung stellt – und wenn das Wetter es zulässt, mit der öden Grünfläche hinter den Hochhäusern.

Projektleiter Adrian Wirths von der Kölner Spielewerkstatt.
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Wir möchten den Kindern einen Raum bieten, an dem sie sich angenommen und ermutigt fühlen, und an dem sie Gemeinschaft erleben können
Einmal pro Woche verwandelt das Team der Kölner Spielewerkstatt die triste Fläche für zwei, drei Stunden in ein buntes Spielparadies. Wenn Adrian Wirths und Georg Höcketstaller Montagsnachmittags mit dem Spielewerkstatt-Bus auf den Hof fahren, werden sie schon sehnlich erwartet von Lara, Berivan und Ronya und bis zu 50 weiteren Kindern zwischen sechs und zwölf Jahren.
Kölner Spielewerkstatt schenkt Perspektiven und Freizeitspaß
Ausgestattet mit einer meterlangen Hüpfschlange, einer Slackline, Pedalos und vielen Spielgeräten mehr möchten die beiden Sozialarbeiter mit ihrem – seit 15 Jahren von „wir helfen“ ermöglichtem – Angebot den Jungen und Mädchen, von denen viele motorische Defizite aufweisen, Bewegungsanreize, ein Gemeinschaftsgefühl und einen geschützten Raum bieten. „An dem sie sich angenommen und ermutigt fühlen können“, sagt Wirths. „Und an dem Freundeskreise entstehen. Wir erleben immer wieder, wie im gemeinsamen Spiel und in ungezwungenen Gesprächen Beziehungen zwischen den Kindern entstehen, die sie als Gemeinschaft erleben und glücklich fühlen lassen“, ergänzt Höcketstaller.

Spierlewerkstatt-Mitarbeiter Georg Höcketstaller begelitet ein Mädchen in der Gernsheimer Straße über die Slackline.
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Wer die rund 40 Kinder und Jugendlichen beim Stop-Tanzen und anderen Gemeinschaftsspielen beobachtet, sieht, wie sich gegenseitig unterstützen, wie sie lachen und aus sich herausgehen, der erfährt, dass dabei weitere Ziele des Spielewerkstatt-Angebots aufgehen: Miteinander Spaß haben, Regeln lernen und Verantwortung übernehmen empowert junge Menschen – und gibt benachteiligten Kindern und Jugendlichen enorm viel Lebensfreude.
Einer, der schon als Kind von dem Veedel e. V. profitiert hat, ist Haydar Toprak. „Mit acht Jahren kam ich aus der Türkei nach Köln, kurz darauf ist mein Vater gestorben, ich wuchs bei meinem Onkel auf, hatte viele Probleme, aber Rolf und sein Team haben mich auf den richtigen Weg gebracht“, sagt der Übungsleiter, der sich als Honorarkraft beim Veedel e. V. engagiert. Und der den Kindern der Gernsheimer Straße das weitergeben möchte, was er selbst vom Verein erhalten hat: Perspektiven abseits der Kriminalität, wesentliche Werte und eine gehörige Portion Zuversicht.

Auszug aus dem neuen wir helfen-Folder 2025_2026
Copyright: MALZKORN Kommunikations- und Kreativagentur

