„Doppelt so schnell“Neue Handgepäck-Scanner am Flughafen Köln/Bonn sollen Chaos beenden

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Zahlreiche Passagiere warten am Flughafen Köln/Bonn an der Sicherheitskontrolle. Es ist ein Schild mit Hinweisen zum Check-in zu sehen.

Lange Schlangen an der Sicherheitskontrolle am Flughafen Köln/Bonn sollen zukünftig der Vergangenheit angehören. Die Bundespolizei will mit neuen CT-Sicherheitsscannern die Kontrollen beschleunigen. (Archivbild)

Die Kontrollen am Airport sollen deutlich schneller laufen. Auch eine unangenehme Handgepäck-Begrenzung für Passagiere könnte bald wegfallen.

Der Flughafen Köln/Bonn wird mittelfristig mit Handgepäck-Scannern mit neuer Technologie ausgestattet. Das bestätigte die für die Sicherheitskontrollen zuständige Bundespolizei gegenüber dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Die Geräte könnten nach ersten Tests die Zeit für die Abfertigung im Sicherheitsbereich halbieren und eine enorme Erleichterung für Fluggäste darstellen. Der Flughafen war nach chaotischen Zuständen bei den Sicherheitskontrollen in den Sommerferien in die Kritik geraten.

Die neuen Handgepäck-Scanner nutzen die Computertomografie (CT), die auch bereits bei Röntgenuntersuchung in der Medizin angewendet wird. Durch die neuen, sogenannten CT-Scanner wird die Arbeit des Sicherheitspersonals an den Flughäfen enorm erleichtert.

Flughafen Köln/Bonn: Neue Handgepäck-Scanner sollen Sicherheitskontrolle revolutionieren

Die Scanner sind in der Lage, Fest- oder Flüssigsprengstoff zu erkennen, ohne dass Elektrogeräte oder Flüssigkeiten extra aus dem Handgepäck genommen werden müssen. Fluggäste können künftig also ihr Handgepäck einfach auf das Rollband der Sicherheitskontrolle legen, ohne dass sie vorher extra ihren Koffer oder ihre Tasche öffnen müssen.

Zwei CT-Scanner wurden im vergangenen Jahr bereits am Flughafen Köln/Bonn getestet, auch am Flughafen Frankfurt am Main hat die Bundespolizei erfolgreich einen Test durchgeführt. „Für das eingesetzte Kontrollpersonal ergeben sich mehr Möglichkeiten bei der Auswertung der durch die Geräte erzeugten Bilder, indem das Gepäckstück virtuell gedreht und Schicht für Schicht bewertet werden kann“, erklärt eine Sprecherin der Bundespolizei.

Ein neuer CT-Scanner am Flughafen in Tampa im US-Bundesstaat Florida. Die neuen Handgepäck-Scanner sollen die Kontrollen im Sicherheitsbereich beschleunigen.

Ein neuer CT-Scanner am Flughafen in Tampa im US-Bundesstaat Florida. Die neuen Handgepäck-Scanner sollen die Kontrollen im Sicherheitsbereich beschleunigen.

Durch die neuen Scanner dürften die Sicherheitskontrollen deutlich beschleunigt werden. Ein Sprecher des Flughafens Köln/Bonn sagte gegenüber dem „Kölner Stadt-Anzeiger“: „Erste Ergebnisse von anderen Flughäfen zeigen, dass die Kontrollen bis zu doppelt so schnell durchgeführt werden wie zum aktuellen Zeitpunkt.“

Sicherheitskontrollen: Neue CT-Scanner bereits an Flughäfen in Frankfurt und München im Einsatz

Flughäfen in Irland, den Niederlanden und auch den USA nutzen die neue Technik bereits seit einiger Zeit, Großbritannien will all seine Flughäfen bis 2024 auf die neuen CT-Scanner umgestellt haben. In Deutschland sind die Verantwortlichen noch nicht so weit, erst im vergangenen Jahr wurden die neuen Geräte zertifiziert.

Die Flughäfen in München und Frankfurt haben für 2023 bereits angekündigt, zusätzliche CT-Scanner zu installieren. In Frankfurt sollen es im ersten Quartal 2023 sieben neue Geräte werden, für München hat das zuständige Luftfahrtamt Süd 60 neue Handgepäck-Scanner bestellt.

Wann genau weitere Geräte in Köln zum Einsatz kommen, ist derzeit noch unklar. Die Bundespolizei bestätigt aber auf Anfrage, dass „auch für den Flughafen Köln/Bonn im Rahmen der mittelfristigen Planungen weitere CT-Scanner beschafft werden.“ Die Beschaffung laufe derzeit in Abstimmung mit dem dafür zuständigen Bundesinnenministerium.

Flughafen Köln/Bonn: 100-Milliliter-Begrenzung für Flüssigkeiten im Handgepäck könnte bald fallen

Durch die Umstellung könnte auch die 100-Milliliter-Regel für Flüssigkeiten im Handgepäck wegfallen. Diese war in der Europäischen Union nach einem vereitelten Terroranschlag in Großbritannien 2006 eingeführt worden. Passagiere dürfen Flüssigkeiten maximal in Behältern mit einer Größe von 100 Millilitern mitnehmen, die Gesamtmenge darf einen Liter nicht übersteigen.

„Die Geräte sind in der Lage, Flüssigkeiten ohne Auspacken im Gepäckstück zu durchleuchten. Somit wäre technisch betrachtet die 100ml-Regelung, aber auch die eingeschränkten Mitnahmemöglichkeiten weiterer Flüssigkeiten, obsolet“, so eine Sprecherin der Bundespolizei weiter.

Damit wäre es auch beispielsweise wieder möglich, größere Getränkeflaschen mit durch die Sicherheitskontrolle zu nehmen. Die Bundespolizei gibt aber zu Bedenken, „dass ein Wegfall dieser Beschränkungen überhaupt erst dann sinnvoll möglich ist, wenn ein Flughafen in ausreichendem Maße mit CT-Scannern ausgestattet ist.“ Selbst wenn am Flughafen Köln/Bonn also schon einige neue Scanner im Einsatz sind, kann die 100-Milliliter-Regel weiterhin gelten.

Der Airport war nach anhaltendem Chaos und langen Wartezeiten bei den Sicherheitskontrollen in den vergangenen Oster- und Sommerferien in die Kritik geraten. Zuständig für die Kontrollen ist die Bundespolizei, die eine Sicherheitsfirma mit der Aufgabe betraut hat. (shh)

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