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Junge Arbeitslose„Eine große Zahl will was mit Gaming machen. Oder Influencer werden“

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10.02.2026 Köln. Das Jobcenter Köln kümmert sich mit besonderer Kraft um junge Arbeitslose unter25 Jahren. Wie das aussieht, beobachten wir am Wiener Platz. Foto: Alexander Schwaiger

Das Jobcenter Köln kümmert sich mit besonderer Kraft um junge Arbeitslose unter 25 Jahren. 

Daniela Herder vom Kölner Jobcenter erklärt, warum junge Arbeitssuchende heute mehr als nur Bewerbungstraining brauchen.

Frau Herder, Sie sind stellvertretende Leiterin der U25-Betreuung beim Jobcenter in Köln. Wobei brauchen die jungen Leute denn Ihrer Erfahrung nach die meiste Unterstützung?

Daniela Herder: Erstmal sollten Sie wissen, dass sich das Programm „befitforjob“ an diejenigen Kunden richtet, die theoretisch fit für den Arbeitsmarkt sind. Arbeitshemmnisse wie fehlende Sprachkenntnisse, Krankheiten oder fehlende Kinderbetreuungsmöglichkeiten liegen nicht vor. Wir geben diesen jungen Leuten also nur einen kleinen Schubs: ein bisschen Motivation, Hilfestellung bei der Selbsteinschätzung, Rausfinden von Talenten, Bewerbungstraining, technische Skills wie Videotelefonie, Empowerment in der Gruppe.

Sind für all diese Dinge nicht auch Elternhaus und Schule verantwortlich?

Theoretisch schon. Aber nicht in allen Elternhäusern läuft es nach Plan. Denken Sie nur an die vielen Geflüchteten, die zum Teil ohne Eltern gekommen sind. Oder eben mit welchen, die kein Deutsch sprechen und verständlicherweise auch noch andere Sorgen haben. Grundsätzlich sind Verantwortungsbewusstsein, Verlässlichkeit und Ordnung im Berufsleben wichtige Werte. Um das zu lernen, sind Elternhaus und Schule bestimmt wichtig, aber nicht allein verantwortlich.

Sie haben gesagt, Sie unterstützen auch bei der Selbsteinschätzung. Sind zu hohe Erwartungen bei den jungen Kunden ein Problem?

Zum Teil. Manche versteifen sich sehr auf ein Studium. In einigen Fällen müssen wir dann schon darauf hinweisen, dass der akademische Weg schwer ist, vor allem dann, wenn man schon die Schule nur mit Ach und Krach geschafft hat. Aber auch darüber, welche Berufe zum Geldverdienen überhaupt infrage kommen, herrscht nicht immer Einigkeit. Eine große Zahl will was mit Gaming machen. Oder Influencer werden. Da müssen wir dann versuchen, das Interesse an Handwerk oder Pflege rauszukitzeln. Denn da werden nun mal deutlich mehr Leute gebraucht.

Sind die jungen Leute zu freizeitorientiert?

Es gibt welche, die empfinden es als Zumutung, was so ein Chef oder eine Chefin von einem Mitarbeiter erwartet. Fünfmal in der Woche zu einer festen Uhrzeit anwesend sein und dann tatsächlich acht Stunden anpacken, manchmal ist der Ausbilder dabei mal nicht nur freundlich – das haben sich einige leichter vorgestellt. Wir versuchen dann klarzumachen, dass einen Durchhaltevermögen manchmal auch weiterbringt. Andererseits hat dieser Trend zur Selbstfürsorge vielleicht auch sein Gutes. Er könnte ja auch zu mehr Resilienz führen, zu weniger Krankheiten im späteren Berufsleben. Außerdem kann man natürlich eh nicht alle über einen Kamm scheren. Es gibt einfach auch viele Jugendliche, die es sehr schwer haben. Gerade die Pandemie hat viele Spuren in dieser Generation hinterlassen.

Welche sind da besonders auffällig?

Gerade von denjenigen, die jetzt Anfang 20 sind, tauchten einige während der Pandemie völlig ab. Da spielte sicher auch Social Media eine große Rolle. Manche entwickelten eine Online-Kaufsucht, was die Zahl der Verschuldungen hochgetrieben hat. Einige haben sich von der digitalen Welt komplett absorbieren lassen. In der Realität fühlen sie sich dann einsam und haben Probleme, auf Menschen zuzugehen, Kontakte zu knüpfen, zu kommunizieren. Wir haben deshalb in dieser Generation eine erhöhte Quote an Schulabbrechern und viel Bedarf an Psychotherapie. Aber das kann auch den Einstieg in den Job enorm erschweren. In Köln ist es zum Beispiel schwierig, eine Wohnung zu finden. Berufsorientierung ist somit nur eines von vielen Themen, um die wir uns im Jobcenter mit kümmern müssen.


Daniela Herder leitet stellvertretend den Geschäftsbereich U25 beim Jobcenter Köln.