Wirtschaftsforscher erwarten weitere Preissteigerungen in NRW. Die Stimmung der Wirtschaft ist so schlecht wie selten.
Nächster Preisschock drohtExperten warnen vor weiteren Belastungen für Verbraucher

Wieder bremst ein internationaler Konflikt eine Belebung der Konjunktur aus - auch in Nordrhein-Westfalen. (Symbolbild)
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Laut den Vorhersagen von Wirtschaftsforschern müssen sich Konsumenten in Nordrhein-Westfalen in der kommenden Zeit auf zusätzlich anziehende Preise gefasst machen. Der Schock bei den Energiekosten habe sich noch nicht in vollem Umfang auf alle Waren und Dienstleistungen ausgewirkt, erklärte Torsten Schmidt, ein Experte vom RWI, dem Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung. «Da kommen noch Belastungen auf die Verbraucher zu in den kommenden Monaten.»
Ralf Stoffels, Präsident der nordrhein-westfälischen Industrie- und Handelskammern, bestätigte dies mit Verweis auf eine aktuelle, branchenübergreifende Konjunkturbefragung: «Mehr als jedes zweite Unternehmen plant, die gestiegenen Kosten weiterzugeben.»
Eine Entspannung bei den Energiepreisen und ein daraus resultierender Anstieg des privaten Verbrauchs wird vom RWI hingegen im Verlauf des kommenden Jahres erwartet. Diese Prognose gilt unter der Voraussetzung, dass der Konflikt mit dem Iran sich nicht zuspitzt, wie es im Konjunkturbericht des Instituts für NRW heißt.
Ministerin: Versorgung mit Energie ist sichergestellt
Zu den erhöhten Energiekosten durch den Engpass in der Hormusstraße äußerte sich Mona Neubaur (Grüne), die Wirtschafts- und Energieministerin von NRW: «Wir haben kein Versorgungsproblem, sondern ein Preissteigerungsproblem». Sie bekräftigte: «Die Energieversorgungssicherheit ist gewährleistet - Ausrufezeichen!» Auf die Nachfrage bezüglich Kerosin erklärte Experte Schmidt mit Aussicht auf den Sommer, das Risiko einer Verknappung sei hier zwar erhöht, «aber sichtbar ist es noch nicht».

Die energieintensiven Industrie-Unternehmen in Nordrhein-Westfalen kämpfen mit Kostensteigerungen und Arbeitsplatzabbau. (Symbolbild)
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Ein ökonomisches Wachstum von 0,5 Prozent in NRW wird vom RWI für das aktuelle Jahr vorhergesagt. Dies ist vergleichbar mit dem minimalen Zuwachs, den sowohl die «Wirtschaftsweisen» als auch die deutsche Bundesregierung für 2026 prognostizieren. Für das Folgejahr kalkuliert das Institut mit einem Anstieg der Wirtschaftsleistung von 0,8 Prozent in NRW und 0,9 Prozent auf Bundesebene.
Einem Zuwachs bei den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in NRW um 16.000 Menschen im Vorjahr steht für dieses Jahr die Erwartung einer Abnahme um circa 7.000 Personen gegenüber. Laut dem Bericht des RWI büßt die Industrie in Nordrhein-Westfalen monatlich bis zu 2.800 Stellen ein.

Wirtschaftsprofessor Torsten Schmidt sieht erst einen zarten Lichtblick am Konjunkturhimmel ab 2027. (Archivbild)
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Über die angestiegenen Energiepreise sagte Schmidt: «Besonders Chemie und Metallerzeugung, die sich gerade zu stabilisieren begannen, geraten erneut unter Druck». Momentan wird die Konjunktur in NRW durch staatliche Investitionen gestützt.
Ausfuhren wirken nicht mehr als Konjunkturmotor
Ausfuhren, die für die deutsche Ökonomie über einen langen Zeitraum ein wichtiger Faktor waren, fungieren hingegen nicht mehr als Antrieb. «Die Exporte sind eben gerade in den Bereichen schwach, wo auch die Produktion schwach ist - also im Chemiebereich und anderen energieintensiven Bereichen.», konstatierte Schmidt. Dies werde sich nicht ändern und stelle eines der grundlegenden Probleme dar.
Für das Jahr 2027 wird jedoch ein konjunktureller Aufschwung in NRW erwartet, der 19.000 neue Stellen schaffen und die Arbeitslosenquote auf 7,6 Prozent senken soll. Dies folgt auf voraussichtlich 7,9 Prozent im laufenden Jahr und 7,8 Prozent im Vorjahr.
Größter Stimmungseinbruch seit Finanz- und Corona-Krise
Keinen Optimismus zeigt die neueste Konjunkturbefragung der IHK NRW. Stoffels teilte mit, dass jedes dritte Unternehmen eine negative Geschäftsentwicklung erwarte. «Nur noch 12 Prozent blicken optimistisch in die Zukunft.»
Dieser Rückgang der Erwartungshaltung ist so markant wie zuletzt während der Finanzkrise oder der Corona-Pandemie. Da sämtliche Wirtschaftszweige betroffen sind, ist auf mittlere Sicht mit weiterhin negativen Trends bei den Investitionen und der Beschäftigung zu rechnen. (dpa/red)
Neubaur warnte, der Konflikt mit dem Iran stelle die zweite Energiekrise in fünf Jahren dar, welche die Wirtschaft erheblich beeinträchtige. Europa habe aus der Abhängigkeit von russischem Gas nicht vollständig gelernt: «Wer sich erpressbar macht, zahlt.» Dem setze NRW den konsequenten Ausbau erneuerbarer Energien entgegen. «Erneuerbare senken schon heute Preissteigerungen in den Stromkosten.» Die Bundesregierung müsse nun beschleunigen und den Reformstau beenden. (dpa/red)
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