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Strom für 10.000 HaushalteRiesenräder im Rheinischen Revier gehen ans Netz

Die Anlagen sind 100 Meter höher als der Kölner Dom und können 10.000 Haushalte versorgen. Auch mit ihrer Hilfe wird der Gigawattpakt NRW wohl ein Jahr früher erfüllt als geplant.

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Blick auf den Windturm von unten.

In Erkelenz-Holzweiler sind nun die ersten Windenergieanlagen von 250 Meter hoch, jeweils 7,2 Megawatt ans Netz gegangen.

Das ist so ein Moment, da könnte man glatt nostalgisch werden. Der Wind fegt über den Acker am Tagebau Garzweiler, der spätestens 2035 ein ehemaliger sein wird, als wollte er allen Anwesenden beweisen. Auf mich ist Verlass. Hier habt ihr genau richtig investiert. Der kleine Pavillon hält das aus – zum Glück. Denn drunter stehen zwei Männer, die seit Jahrzehnten im Kampf gegen den Tagebau verbunden waren und nehmen im Windpark Erkelenz-Holzweiler zwei Windräder in Betrieb, die ihresgleichen suchen: Oliver Krischer, Umwelt- und Verkehrsminister des Landes, und sein Kumpel Heinrich Lohmann, Geschäftsführer der MLK-Gruppe, die beim Bau von Wind- und Solarparks immer wieder versucht, Menschen aus der Nachbarschaft an ausgewählten Projekten zu beteiligen.

100 Meter höher als der Kölner Dom

Die „Windmühlen“, wie Lohmann sie nennt, sind rund 250 Meter hoch und damit 100 Meter höher als der Kölner Dom. Sie liefern jeweils eine Leistung von 7,2 Megawatt und sind damit die Riesen im Kreis Heinsberg. Zusammen reicht der Strom, den sie ins regionale Netz der NEW Niederrhein einspeisen, für rund 9.900 Haushalte. „Das sagt eigentlich alles. Wir könnten sofort aufhören“, sagt Lohmann und schaut Krischer an.

Damals, in den 1990er Jahren, habe die Ortsgruppe Erkelenz des Bunds für Umwelt und Naturschutz versucht, „ein kleines Windrad aufzubauen. Mit 50 kW. Finanziert mit Anteilsscheinen im Bereich von 200 D-Mark. Leider haben wir keinen geeigneten Standort gefunden. Und jetzt steht hier so eine Anlage.“ Und das alles mit regionalen Mitteln. Finanziert von der Kreissparkasse Heinsberg. genehmigt vom Kreis Heinsberg und gebaut von Vestas Germany, der seit 1986 in Deutschland mehr als 9100 Windenergie-Anlagen mit einer Gesamtleistung von 18,5 Gigawatt installiert hat.

30 weitere Anlagen im Erkelenzer Land geplant

Und das ist erst der Anfang. Im Erkelenzer Land – und damit meint Lohmann auch Linnich, Titz und Hückelhoven – will die MLK-Gruppe weitere 30 Anlagen errichten, weitere 13 in anderen Gebieten kommen hinzu. Die meisten sind genehmigt, nur für eine Bürgerenergie-Anlage wartet man noch auf grünes Licht. Das ist zweifelsohne eine Erfolgsgeschichte, selbst wenn die vor den Braunkohlebaggern längst gerettete Ortschaft Holzweiler rein rechtlich immer noch ein Tagebaugebiet ist, in dem es morgen wieder losgehen wird, weil die Umwidmungen halt immer etwas länger brauchen. Und es ist eine Geschichte, die der Umweltminister gerne aufgreift.

Schließlich sind im April 2027 Landtagswahlen, nach denen die Grünen die Koalition mit der CDU gern fortsetzen möchten. Fünf-Gigawatt-Ausbauziel fast erreichtEines ihrer wichtigsten Wahlversprechen, das sie im Mai 2022 abgegeben haben, ist eingelöst. Das Rheinische Revier wird sein Ziel beim Ausbau der erneuerbaren Energien voraussichtlich deutlich schneller als geplant erreichen, sagt Krischer. Bislang seien 4,6 Gigawatt realisiert, darunter zwei Gigawatt Windenergie. Das Fünf-Gigawatt-Ziel, geplant für das Jahr 2028, werde wohl um ein Jahr unterboten werden.

Genehmigungsverfahren beschleunigt

Damit neue Windenergieanlagen schneller ans Netz gehen, hat das Land laut Krischer die immissionsschutzrechtlichen Genehmigungsverfahren deutlich beschleunigt. Das Umweltministerium, das für die immissionsschutzrechtlichen Genehmigung der Windenergieanlagen zuständig ist, hat die Abläufe optimiert, standardisiert und die Anträge digitalisiert. Genehmigungsverfahren beschleunigtIn den Regional-Initiativen Wind beraten und unterstützen die Bezirksregierungen die Genehmigungsbehörden vor Ort.

2023 dauerte ein immissionsschutzrechtliches Genehmigungs-Verfahren im Schnitt noch 14 Monate, im zweiten Quartal 2026 waren es 8,4 Monate. 2025 haben die Behörden in Nordrhein-Westfalen 975 Windenergieanlagen mit zusammen rund 6.100 Megawatt genehmigt – mehr als in jedem anderen Bundesland. Bis Anfang September 2026 kamen 339 weitere Windenergieanlagen hinzu. Insgesamt drehen sich im Land inzwischen rund 4.100 Windräder mit zusammen 9,7 Gigawatt Leistung.

Strombedarf nimmt zu

Das alles sei nicht möglich ohne die Menschen, „die in der Region leben und akzeptieren, dass hier Windenergieausbau stattfindet, dass das Teil unseres Wohlstandes ist, eben dann nachhaltig und klimafreundlich“. Die Windräder drehen, doch der Netzausbau kommt nicht voran. Heinrich Lohmann muss dem Minister dann doch ein wenig Wind aus den Segeln nehmen. „Wir haben einen zunehmenden Strombedarf in den Bereichen Verkehr und Wärme, aber vor allem wegen der geplanten großen Rechenzentren im Rheinischen Revier. Linksrheinisch kann kein Bürgermeister mehr ein Wohngebiet oder ein Gewerbegebiet planen, weil die Netze blockiert sind. Auch durch die Anschluss- und Einspeise-Zusagen, die man den Betreibern der Rechenzentren gegeben hat.“

Das sei ein „regulatorisches Problem, das in Berlin gelöst werden muss“, beschwichtigt der Minister. „Jeder, der einen Netzanschluss beantragt, muss berücksichtigt werden. Deshalb gibt es unfassbar viele Anmeldungen, die von den Netzbetreibern alle abgearbeitet werden müssen.“ Die Regeln müssten so geändert werden, „dass nur diejenigen einen Netzanschluss bekommen, die auch in absehbarer Zeit bauen wollen.“ Solange das nicht gelöst sei, bleibe es umso wichtiger, möglichst viele neue Windräder in NRW zu errichten. „Der Strom, den wir hier selbst produzieren, muss nicht von der Nordsee oder anderswo aufwändig hierher transportiert werden. Mit Überlandleitungen, die zum Teil gerade gebaut oder mindestens mal geplant werden.“