Laut einer Widmung von 1997 dürfen Autos zum Hotel-Eingang fahren. Das sollte 2013 geändert werden, kam aber nie. Das könnte sich ändern.
Kölner RoncalliplatzDauerhafte Auto-Zufahrt zum Dom-Hotel wackelt

Die Visualisierung des Dom-Hotel in Köln mit dem neuen Haupteingang unter dem weißen Schriftzug in der Mitte der langen Fassade.
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Vor der näher rückenden Eröffnung des Dom-Hotels wackelt die derzeit gültige dauerhafte Zufahrt über den städtischen Roncalliplatz zum neuen Eingang auf der Ost-Seite.
Eine Anfrage dieser Redaktion hat ergeben, dass eine Mehrheit im Kölner Stadtrat diese dauerhafte direkte Zufahrt ablehnt – obwohl der Eigentümer, die Bayerische Versorgungskammer, genau damit rechnet. Und die Fläche seit 1997 auch für diesen Zweck offiziell gewidmet ist (wir berichteten).
Doch das könnte sich jetzt ändern: Laut der Vorsitzenden der Grünen-Fraktion (22 von 90 Sitzen), Christiane Martin, haben motorisierte Fahrzeuge an der Stelle „nichts zu suchen“. Sie erwarte von der Verwaltung eine „entsprechende Lösung“, sonst würden die Grünen das Thema noch einmal politisch einbringen. Martin sagte, „nötigenfalls“ würde sie den Beschluss des Verkehrsausschusses von 2013 bekräftigen.
Vor 13 Jahren hatten SPD und Grüne unter anderem erfolgreich beantragt, dass der Roncalliplatz nur in Ausnahmefällen befahren werden darf.
Im später begonnenen Verfahren der Stadt, den Beschluss umzusetzen, schrieb die Verwaltung im Amtsblatt: „Ein Befahren der Platzflächen durch den Anlieferverkehr sowie die Zu- und Abfahrt des Dom-Hotels sind künftig nicht mehr möglich.“
Doch die Stadt beendete das Verfahren nie, weil es Einwände dagegen gab und sie das Verfahren bis heute ruhen ließ. Deshalb gilt bis zu einem möglichen neuen Ratsbeschluss die Widmung von 1997.

Christiane Martin, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Kölner Stadtrat.
Copyright: Thilo Schmülgen
Die verkehrspolitische Sprecherin der Linken, Angela Bankert, sagte: „Wenn nun eine alte Widmung aus dem Jahr 1997 hervorgekramt wird, und der aufhebende Beschluss von 2013 nicht umgesetzt wurde, dann muss das eben nun nachgeholt werden, wenn nötig mit einem Ratsbeschluss.“
Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) wollte sich auf Anfrage zum Thema nicht äußern. Auch der spätere Betreiber, die Althoff-Gruppe, wollte sich zuletzt zum Thema nicht äußern.
Entfernung wird weniger
Vor der Schließung des Hotels im Jahr 2013 waren die Autos von der Straße „Am Hof“ über den Platz bis zur Nordseite in der Nähe des Haupteingangs des Doms gefahren. Früher befand sich dort der Eingang des Hotels. Das waren rund 90 Meter Entfernung.
Zukünftig befindet sich der Eingang auf der Ost-Seite gegenüber des Römisch-Germanischen Museums. Die Entfernung zur Straße „Am Hof“ sind 30 bis 35 Meter. Die reine Fahrtstrecke der Autos wird länger sein, weil es einen Wendehammer braucht.
Gegen diese dauerhafte Zufahrt haben sich Grüne (22 Sitze), SPD (18 Sitze), Linke (10) und Volt (5) ausgesprochen. Das entspricht 55 der 90 Sitze und einer Mehrheit. Befürworter sind CDU (18), AfD (8) und FDP/Kölner Stadtgesellschaft (4).

Das Amtsblatt von 1997 zeigt die gestrichelte Widmung bis zum frühen Eingang.
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Dabei handelt es sich um die sieben Fraktionen des Rates. Von einer Fraktion spricht man ab vier Mitgliedern, sie machen 85 der 90 Sitze aus. Die verbliebenen fünf Sitze haben zwei Gruppen mit je zwei Mitgliedern und ein Einzelmandatsträger inne.
Derzeit bereitet die Stadt eine Lösung mit Pollern vor, auch um die Sicherheit auf der Domplatte und dem Roncalliplatz vor Terroranschlägen zu gewährleisten. Mindestens sechs Monate Bauzeit sind dafür angesetzt. Die neue Zufahrt soll laut Stadt baulich und optisch vom restlichen Platz „abgegrenzt“ werden.

CDU-Fraktionschef Bernd Petelkau.
Copyright: CDU
Zusätzliche Probleme und Zeitdruck macht die städtische Dom-Tiefgarage, die lange als dauerhafte unterirdische Zufahrt geplant war, bevor das Amtsblatt von 1997 ins Spiel kam.
Denn die Garage ist ein Sanierungsfall – und je länger sie das ist und je näher die Eröffnung des Dom-Hotels rückt, desto drängender wird die abgeschlossene Sanierung oder zumindest das Ausbessern der nötigsten Schäden. Diese größten Probleme lässt die Verwaltung voraussichtlich die nächsten vier Jahre beheben, bevor eine Generalsanierung folgen soll (wir berichteten).
Nach vielen Verzögerungen soll die Abnahme des Hotels laut BVK am 29. Januar 2027 erfolgen. Wann es eröffnet, steht noch nicht fest. Es braucht vorher einen Probebetrieb.
Unterschiedliche Aussagen der Stadt
Die Stadt hatte dieser Redaktion in den vergangenen Monaten verschiedene Antworten gegeben, ob sie sich für oder gegen eine dauerhafte Zufahrt ausspricht. Am 10. Februar teilte ein Sprecher mit: „Derzeit ist nicht geplant, dass die oberirdische Zufahrt zum Dom-Hotel dauerhaft eingerichtet wird.“ Am 17. September: Die konkrete Frage bleibt unbeantwortet.
Und am 5. Oktober hieß es nun unter der Verwendung einschränkender Worte: „Aufgrund der Situation innerhalb der Tiefgarage am Dom wird zu gegebener Zeit eine temporäre beziehungsweise gegebenenfalls auch dauerhafte Anfahrmöglichkeit nicht nur für das Dom-Hotel, sondern auch die übrigen Anlieger gefunden werden müssen. Die Widmung des Platzes lässt unter anderem eine Hotelzufahrt ausdrücklich zu.“

So sieht die Zufahrt zum Dom-Hotel derzeit aus.
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Damit hat die Stadt zwei Mal ihre Argumentation geändert. Erstens erwägt sie nun anders als im Februar eine dauerhafte Zufahrt.
Und zweitens begründet sie ihr Vorgehen mit der sanierungsbedürftigen Tiefgarage. Noch am 17. Septeber klang das etwas anders: „Es ist weiterhin vorgesehen, dass die Stellplätze in der Tiefgarage für das Dom-Hotel mit dessen Eröffnung zur Verfügung stehen. Aktuell besteht im Hinblick auf den Baufortschritt in der Tiefgarage kein zeitlicher Konflikt zur Eröffnung des Dom-Hotels.“
Der verkehrspolitische Sprecher der SPD, Lukas Lorenz, sagte: „Wir gehen davon aus, dass die Pkw-Zufahrt über den Roncalliplatz nur eine vorübergehende Lösung darstellt, bis die Sanierung der Dom-Tiefgarage abgeschlossen ist. Danach kann und soll die Zufahrt wieder über die Tiefgarage erfolgen.“
Auch Dustin Wegner, mobilitätspolitischer Sprecher von Volt, forderte, dass „der Roncalliplatz langfristig autofrei bleiben sollte“.
Petelkau ist gegen Verbotsdebatte
Für die Befürworter sagte CDU-Fraktionschef Bernd Petelkau: „Gerade ein Haus wie das Dom-Hotel braucht eine vernünftige und angemessene Vorfahrt. Deshalb halten wir nichts davon, hier die Verbotsdebatte wieder aufzumachen.“
Roberto Campione, Vize-Chef der FDP/KSG-Fraktion, hält die Zufahrt für richtig. Er sagte: „Bei der maroden Dom-Tiefgarage kann leider niemand verlässlich sagen, wann die nächste Sanierung beginnt, wie lange sie dauert oder welche Bereiche zwischenzeitlich noch gesperrt werden müssen.“ Campione betonte, dass der Platz nicht zum Hotelparkplatz werden dürfe, der Charakter als öffentlicher Raum trotz der Zufahrt erhalten bleiben müsse.
Und Stephan Boyens, Vorsitzender der AfD-Fraktion, sagte: „Wir sollten Gewerbetreibenden in der Innenstadt nicht noch mehr Knüppel zwischen die Beine werfen.“
Hinzu kommt: Der gesamte Roncalliplatz ist für den Radverkehr gewidmet. Nach Einrichtung der Zufahrt für Hotel-Gäste dürfen auf derselben Fläche zusätzlich zu Autos auch Radler fahren. Ein Sprecher der Stadt bestätigte das: „Aktuell lässt die Widmung eine Hotelzufahrt und deren Nutzung mit Auto oder Fahrrad ausdrücklich zu.“
